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Es geht um Arbeitsplätze

Vier Tage danach sorgt der Insolvenzantrag der Verlagsgruppe Weltbild weiter für Diskussionen. Die Kirche verteidigte ihre Entscheidung - trotz heftiger Kritik seitens der Gewerkschaft Verdi.

Weltbild | Bonn - 13.01.2014

Vier Tage danach sorgt der Insolvenzantrag der Verlagsgruppe Weltbild weiter für Diskussionen . Die katholische Kirche verteidigte ihre Entscheidung und versprach, sich für die Belange der Mitarbeiter einzusetzen. Auch das bayerische Kabinett beschäftigte sich am Montag mit der Krise des Unternehmens.

Für die Landesregierung stünden die Beschäftigten im Mittelpunkt, die nun um ihre Arbeitsplätze fürchten müssten, erklärte Staatskanzleichefin Christine Haderthauer (CSU) in München. Wirtschafts- und Sozialministerium seien bereits im Kontakt mit Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz, um mögliche staatliche Hilfen zu prüfen. Die Regierung gehe zugleich davon aus, "dass sich die Kirche als Eigentümerin und Arbeitgeberin ihrer Verantwortung bewusst ist".

Insolvenzverwalter stellt sich Beschäftigten vor

Geiwitz, der mit seiner Kanzlei auch die Schlecker-Pleite verwaltet hatte, stellte sich am Montag den Beschäftigten erstmals vor. Er sagte, es gebe zur Lage des Unternehmens nichts zu beschönigen, aber auch die Guthabenseite sei nicht leer. Er könne den Beschäftigten die Unsicherheit nicht nehmen, aber er werde mit seinen Kollegen das Beste geben.

Ein rundes Glashaus vor einem wolkenverhangenen Himmel. Am rechten Bildrand ist das Firmenlogo mit der Aufschrift "Weltbild".
Die Weltbildzentrale in Augsburg.
 KNA

Der Münchener Erzbischof Kardinal Reinhard Marx warb in der Süddeutschen Zeitung für die Entscheidung der Bischöfe. Es sei aus Sicht der Gesellschafter nicht mehr verantwortbar gewesen, eine dreistellige Millionensumme aus Kirchensteuermitteln in das Unternehmen zu investieren. Die Kirche werde die Beschäftigten aber nicht im Stich lassen. "Wir sind kein skrupelloser Unternehmer, der die Mitarbeiter einfach davonjagt", so Marx. Der Münchener Erzbischof stellte den Angestellten Hilfen im Umfang der Mittel in Aussicht, die zunächst für eine Sanierung zugesagt worden waren.

Peter Beer, der Generalvikar des Erzbistums, trat dem Vorwurf entgegen, die Kirche habe jahrelang bei Weltbild "nur abkassiert". Diese Behauptung "verbietet sich", betonte der Aufsichtsratschef des Unternehmens in einem Interview mit dem "Münchner Merkur" (Dienstag). Die Gesellschafter hätten mögliche Überschüsse "überwiegend in das Unternehmen reinvestiert".

Scharfe Kritik von Verdi

Kardinal Marx stellte aber auch klar, dass die Kirche nicht nur eine Verantwortung für die Weltbild-Mitarbeiter, sondern auch für die Kirchensteuerzahler habe. Am Wochenende hatte die Gewerkschaft Verdi die Kirche scharf kritisiert. "Die Insolvenz-Anmeldung stinkt zum Himmel", hatte Verdi-Sprecher Thomas Gürlebeck erklärt. Die katholische Kirche verstoße gegen die eigene Soziallehre und die Prinzipien des Christentums.

Es war auch kritisiert worden, dass die 160 Millionen Euro, die laut Aufsichtsrat in den kommenden drei Jahren für die Sanierung des Verlags nötig sein sollten, eine neue, bisher in ihrer Höhe unbekannte Summe seien. Dazu sagte Kardinal Marx, auch die Kirche sei "überrascht worden von dem Kapitalbedarf, den uns die Geschäftsführung vergangene Woche nannte." Ähnlich äußerte sich Beer. Er sei erstmals am vergangenen Dienstag (7. Januar) darüber informiert worden, dass sich der von den Eigentümern geforderte Sanierungsbeitrag von 65 Millionen nunmehr verdoppelt habe, erklärte er. Noch am selben Tag sei darüber im Aufsichtsrat beraten worden. Am Mittwoch seien die Gesellschafter informiert worden, die sich dann am Donnerstag zu einer außerordentlichen Versammlung getroffen hätten.

Möglichst viele Arbeitsplätze erhalten

Die Gesellschaft Katholischer Publizisten (GKP) sieht die Entscheidung im Zusammenhang mit den Diskussionen um Kirchensteuer und kirchliches Vermögen. Weltbild habe für die katholische Kirche zuletzt kaum einen publizistischen Mehrwert gehabt, so dass eine weitere Subventionierung "nur noch vor dem Hintergrund der sozialen Verantwortung der Kirche für die Weltbild-Mitarbeiter zu rechtfertigen gewesen" sei, so die GKP. Sie fordert, im bevorstehenden Insolvenzverfahren möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten. Die Chance einer neuen inhaltlichen Profilierung als katholisches Verlags- und Buchhandelsunternehmen müsse ergriffen werden.

Weltbild gehört zwölf deutschen Bistümern, der Katholischen Soldatenseelsorge Berlin und dem Verband der Diözesen Deutschlands. 2012 setzte das Unternehmen nach eigenen Angaben 1,6 Milliarden Euro um. Es beschäftigt derzeit über 6.000 Mitarbeiter. Der Verlag hatte am vergangenen Freitag Insolvenz beantragt, weil die kirchlichen Eigentümer keine Finanzierungsmöglichkeit für eine Sanierung mehr sahen. (mit Material von dpa und KNA)

Von Gabriele Höfling

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