Es gibt viel zu tun

Papst Franziskus und der Vatikan stehen 2015 vor einem arbeitsintensiven Jahr mit wichtigen Weichenstellungen für den weiteren Verlauf des Pontifikats. Im Oktober werden zudem von der zweiten Bischofssynode wegweisende Entscheidungen erwartet.

Vatikan | Vatikanstadt - 29.12.2014

Papst Franziskus und der Vatikan stehen 2015 vor einem arbeitsintensiven Jahr mit wichtigen Weichenstellungen für den weiteren Verlauf des Pontifikats. Bei vier Überseereisen will das Kirchenoberhaupt alle Kontinente außer Australien besuchen. Im Oktober werden zudem wegweisende Entscheidungen zu den sensiblen Fragen von Ehe, Familie und Sexualität von der zweiten Bischofssynode zu diesen Themen erwartet.

Im Laufe des Jahres will der Papst aus Argentinien zum Thema Ökologie darüber hinaus seine erste vollständig eigene Enzyklika veröffentlichen; das Lehrschreiben "Lumen fidei" von 2013 hatte er nach Vorarbeiten seines Vorgängers Benedikt XVI. gemeinsam mit ihm veröffentlicht.

Unmittelbar nach dem Neujahrsempfang für das Diplomatische Corps, bei dem Franziskus seine am stärksten politisch geprägte Rede des Jahres halten dürfte, startet er am 12. Januar zu seiner zweiten Asienreise. Ziele sind Sri Lanka und die Philippinen, wo er vor allem die vom Tsunami im November 2013 betroffene Region besuchen will, in der damals 6.000 Menschen starben. Beim Besuch von Johannes Paul II. 1995 hatten sich im einzigen katholisch geprägten Land Asiens fünf Millionen Gläubige versammelt. Diesmal rechnen die Organisatoren mit sechs Millionen.

Noch vor dieser Reise, eventuell am 6. Januar, wird der Papst die Namen derer bekannt geben, die er beim nächsten Konsistorium ins Kardinalskollegium aufnimmt. Es dürften in erster Linie Bischöfe großer Diözesen sein. Von der Kurie soll nur der bisherige Außenminister Dominique Mamberti dazugehören. Sicher wird Franziskus dabei wieder für Überraschungen sorgen; denn beim letzten Konsistorium gingen manche "gesetzte" Kandidaten von traditionellen Kardinalssitzen leer aus.

Das Kapitol, der Sitz von Senat und Repräsentantenhaus, in Washington.
Das Kapitol, der Sitz von Senat und Repräsentantenhaus, in Washington.
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Reisen in die USA und nach Lateinamerika

Eine weitere Auslandsreise führt den Papst Ende September zum Weltfamilientag nach Philadelphia. Vermutlich schließen sich Etappen bei der UN in New York und beim US-Kongress in Washington an. Außerdem hat Franziskus einen Besuch in drei lateinamerikanischen Staaten angekündigt, ohne deren Namen bislang zu nennen. Seither haben sich fast alle Staaten des Subkontinents ins Gespräch gebracht. Mit Sicherheit gehören drei nicht dazu: Seine Heimat Argentinien sowie Chile will er erst 2016 besuchen, in Brasilien war er bereits zum Weltjugendtag 201 3.

Zudem will Franziskus 2015 Afrika besuchen, auch steht eine Visite im französischen Marienwallfahrtsort Lourdes bevor. Innerhalb Italiens sind Neapel und Florenz genannte Ziele. Turin gehört ebenfalls dazu, um das Grabtuch Christi zu würdigen und den heiligen Don Bosco zu dessen 200. Geburtstag zu ehren.

Vom 4. bis 25. Oktober tagt die Ordentliche Bischofssynode zur Familienpastoral. Ein Arbeitspapier samt Fragebogen ist den Ortskirchen bereits zugegangen. Es setzt die erste Familiensynode vom vergangenen Oktober fort, die mit einem ungewöhnlich bewegten Verlauf die unterschiedlichen Positionen im Episkopat deutlich machte. Zur Frage des Kommunionempfangs für wiederverheiratete Geschiedene, aber auch zur Haltung gegenüber Homosexuellen oder zur Stellung von Zivilehen plädierten manche Bischöfe für mehr Offenheit, andere für ein striktes Festhalten an der Kirchenlehre.

Die Scheitelkappen von mehreren zusammensitzenden Kardinälen.
 KNA

Reformprojekte müssen vorangetrieben werden

Überdies muss Franziskus seine eingeleiteten Reformprojekte weiter voranbringen. Dies betrifft die Kurie, die neben neuen und effizienteren Strukturen auch eine neue Mentalität braucht und die stärker im Dienst der Ortskirchen stehen soll, für die Vatikanfinanzen, die gesichtet, neu geordnet und transparenter werden müssen sowie für die weitere Aufarbeitung von Missbrauchsskandalen.

In den ersten Februartagen tritt erstmals die erweitere neue Kinderschutzkommission unter Leitung des Bostoner Kardinals Sean O'Malley zusammen. Gleichzeitig tagt der vom Münchner Kardinal Reinhard Marx koordinierte Wirtschaftsrat.

Noch vor der feierlichen Kreierung neuer Kardinäle am 12. und 13. Februar hat Franziskus das Kardinalskollegium zu einem Konsistorium einberufen. Dabei will er mit seinen engsten Mitarbeitern aktuelle Frage zum Kurs der Kirche erörtern.

Von Johannes Schidelko (KNA)

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