Europa funktioniert nur mit uns!

Darum sage ich Ihnen: Lassen Sie Europa entstehen." Die Worte Winston Churchills aus dem Jahr 1946 sind verhallt; seit langem gibt es die Europäische Union und offene Grenzen – und die Luft scheint raus, die Begeisterung für Europa weg zu sein. Da mag es überraschen, wie engagiert die Katholische junge Gemeinde (KjG) versucht, ihre bundesweit 80.000 Verbandsmitglieder für die Europawahl am 25. Mai fit zu machen und über Jugendrechte zu informieren.

Jugendpolitik | Bonn - 28.04.2014

Darum sage ich Ihnen: Lassen Sie Europa entstehen." Die Worte Winston Churchills aus dem Jahr 1946 sind verhallt; seit langem gibt es die Europäische Union und offene Grenzen – und die Luft scheint raus, die Begeisterung für Europa weg zu sein. Da mag es überraschen, wie engagiert die Katholische junge Gemeinde (KjG) versucht, ihre bundesweit 80.000 Verbandsmitglieder für die Europawahl am 25. Mai fit zu machen und über Jugendrechte zu informieren.

Seit zwei Monaten läuft das Projekt "YOUrope" – und ist ein "großer Erfolg", wie KjG-Bundesleiter Tim Dreyhaupt katholisch.de berichtet. Dass Jugendliche "große Hoffnungen auf Europa" setzten, sei unter anderem bei den "EU-Erlebnistagen" Mitte April in Bonn deutlich geworden, so Dreyhaupt. Hierbei hatten sich 70 Jugendliche eine halbe Woche lang zunächst über EU-Strukturen und Lobbyarbeit informiert, um direkt danach das frisch gelernte in Gesprächen mit Politikern zu diskutieren und Rechte einzufordern. In kleinen Gruppen und je auf ein jugendpolitisches Thema fokussiert sprachen sie mit Politikern aller im Bundestag vertretenen Parteien, darunter dem Europaparlamentarier Axel Voss (CDU) und der Europaministerin Nordrhein-Westfalens, Angelica Schwall-Düren (SPD).

Jugendliche haben andere Sichtweise auf Europa

Der 16-jährige David Meerkamp ist selbst politisch aktiv und seit einem Jahr im Jugendstadtrat von Mühlheim an der Ruhr. "Schon da wird mir klar, dass wir Jugendliche andere Sichtweisen auf Europa haben als ältere Menschen", sagt er. David hält Engagement für wichtig, damit die Ideen der jungen Menschen beachtet werden "und Europa so wird, wie wir es wollen". Die 19-jährige Julia Herold sagt, sie würde sich mit einer guten Idee über die KjG an das Europäische Jugendforum (YFJ) wenden, an die Plattform der nationalen Jugendvertretungen des Kontinents. Das 1996 gegründete YFJ war es, das analog zu den Kinderrechten eine Charta an Jugendrechten formuliert hatte, auf die sich auch das aktuelle KjG-Projekt YOUrope bezieht.

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Katholische Jugendliche erzählen, was Europa für sie bedeutet und wie die EU tickt.
 Sarah Schortemeyer/katholisch.de

Jede Woche in der Fastenzeit stellte der katholische Jugendverband eines der Rechte vor, für das zunächst die Jugendlichen sensibilisiert werden sollten, um es dann in die Öffentlichkeit zu tragen. Angesprochen wurden dabei einerseits Probleme, die junge Menschen in Spanien, Italien oder Griechenland weit mehr treffen, als die Deutschen – Arbeitslosigkeit und soziale Sicherheit. Andererseits war mit dem "Recht auf freiwilliges Engagement" auch ein Thema dabei, das Jugendliche in Deutschland von vielen Seiten her gefährdet sehen.

Für ehrenamtliches Engagement Minderjähriger brauche es zum Beispiel im ländlichen Raum ein bezahlbares und auch am Abend funktionierendes Netz an öffentlichen Verkehrsmitteln, sagt KjG-Bundesleiter Dreyhaupt. Zu klären ist zudem die Frage, wie Verbandsarbeit sich in das Nachmittagsprogramm von Ganztagsschulen integrieren lässt. Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend verweist auch darauf, dass das nach dem Bekanntwerden von Missbrauchsfällen eingeführte neue Bundeskinderschutzgesetz das Ehrenamt erschwere. Durch die Verpflichtung für Gruppenleiter, ein polizeiliches Führungszeugnis vorzulegen, fühlten sich viele Freiwillige angegriffen und blieben vom Ehrenamt weg, was Konsequenzen bis hin zu ausgefallenen Jugendfreizeiten habe, sagte BDKJ-Sprecher Michael Kreuzfelder.

Recht auf Bildung - und Recht auf Tattoos?

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Katholische Jugendliche erklären, was an der EU-Politik sie bewegt.
 Sarah Schortemeyer/katholisch.de

Weitere Themenwochen bezogen sich auf Meinungs- und Informationsfreiheit, das Recht auf Bildung und die Nicht-Diskriminierung etwa aufgrund des Geschlechts, der Herkunft oder einer Behinderung. Auch Themen, die viele Eltern wohl mit dem Kopf schütteln lassen, wurden im Rahmen der Fastenzeit-Aktion diskutiert: So würde ein "Recht auf Entscheidung über den eigenen Körper" Minderjährigen Tattoos, Piercings und Schönheits-OPs erlauben. Für all diese Themen stellt die KjG Materialien bereit, mit denen die Jugendrechte entweder eher politisch in einer Gruppenstunde oder spirituell mit Impulsen in Gottesdiensten thematisiert werden können.

Nach der Fastenaktion und den EU-Erlebnistagen startet das YOUrope Projekt nun in die dritte Phase. Hierbei sind die einzelnen KjG-Gruppen in den Pfarrgemeinden aufgerufen, selbst aktiv zu werden und rund um die Europawahl Veranstaltungen durchzuführen. Helfen kann ihnen dabei ein 100 Seiten starkes "Starter-Kit" mit Methoden, Ideen, Informationen und Materialien rund um Europa – und natürlich auch die 70 Teilnehmer der EU-Tage.

Diese sieht Dreyhaupt als Multiplikatoren in ihren Jugendgruppen vor Ort. "Von begeisterten Menschen lässt man sich begeistern". Die Teilnehmer haben ihre eigenen Ideen für die Zukunft Europas mitgenommen. So will etwa Julia Herold verstärkt für die Interessen der Jüngeren einstehen: "Die europäische Jugend muss zusammenrücken, weil wir eine Minderheit sind, von denen viele noch nicht wählen dürfen," sagt die 19-Jährige. Und für die Pforzheimerin Laura Mayer ist klar: Sie möchte "in einer inklusiven und nachhaltigen Gesellschaft leben, die Kinder mitbestimmen lässt."

Von Agathe Lukassek

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