Evangelische Kirche "gewinnt" Negativpreis

Ob sich die Evangelische Kirche über diese "Auszeichnung" freuen kann? Der Verein Deutsche Sprache kürte sie jetzt zum "Sprachpanscher des Jahres". Die Kritiker monieren eine Verhöhnung Luthers.

EKD | Dortmund - 25.08.2017

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) erhält den Negativpreis als "Sprachpanscher des Jahres". Reformator Martin Luther wäre über den Umgang der EKD mit seinem Spracherbe alles andere als erfreut, erklärte der Verein Deutsche Sprache am Freitag in Dortmund. Insbesondere kritisierten die Sprachexperten die Wortschöpfung "Godspots" als Bezeichnung für kostenfreies Wlan, das die EKD in Kirchen anbietet. "Sprachfreunde sehen das als Verhöhnung von Martin Luther, der für seine Bibelübersetzung oft wochenlang nach deutschen Wörtern suchte", teilte der Verein mit.

Darüber hinaus kritisierte der Verein, dass zum Evangelischen Kirchentag klassische Liedtexte geschlechterneutral umgeschrieben wurden. Auch ein Programm der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau unter dem Motto "Segen erleben - Moments of Blessing" sowie eine dazugehörige Installation namens "BlessU-2" hätte "der große Reformator" nach Einschätzung der Sprachexperten "sicher vor die Tür gesetzt". Die EKD sei bereits in den Vorjahren auf dem Stimmzettel vertreten gewesen, hieß es, "aber im Lutherjahr ist vielen Sprachfreunden wohl der Kragen geplatzt".

Der Titel "Sprachpanscher des Jahres" wird seit 1998 vergeben. Er steht nach Angaben des VDS für das unnötige Verdrängen eingeführter deutscher Begriffe durch Importe aus dem angelsächsischen Ausland sowie für die "Demontage" des Deutschen als Sprache von Kultur und Wissenschaft ganz allgemein. Frühere Titelträger waren die Firma Karstadt (2012), Rene Obermann (Deutsche Telekom 2011) oder Hartmut Mehdorn (Deutsche Bahn 2007). Im vergangenen Jahr ging der Preis an ZDF-Intendant Thomas Bellut.

EKD reagiert "gelassen"

Mit "lutherischer Gelassenheit und Standhaftigkeit" hat die EKD auf die ihr verliehene Auszeichnung reagiert. Auf Facebook zitierte sie am Freitag aus Martin Luthers Sendbrief aus dem Jahr 1530, in dem es heißt: "Sie toben oder rasen, jch wil nicht wehren, das sie verdeutschen was sie wöllen, ich wil aber auch verdeutschen, nicht wie sie wöllen, sonder wie ich wil, wer es nicht haben wil, der las mirs stehen, und halt seine meisterschafft bey sich." Die EKD fügte in ihrer Reaktion hinzu, sie könne auch "retro panschen" und verwies auf die aktuelle Lutherbibel, deren Motto "zurück zu Luther" laute. Die Neufassung der Bibel sei wieder näher an der Sprache Luthers als frühere Revisionen, hatte bei der Vorstellung im vergangenen Oktober der Theologe Christoph Kähler betont. Er hatte den Lenkungsausschuss geleitet, der im Auftrag der EKD die Durchsicht der Lutherbibel koordiniert hatte. (tmg/KNA)

25.8.17, 14:50 Uhr: Ergänzt um Absatz 4.

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