Ex-Ministerin leitet Missbrauchsgremium in Hildesheim

Ein Gutachten hatte dem Bistum Hildesheim im Oktober schwere Versäumnisse im Umgang mit dem Thema Missbrauch attestiert. Nun folgt die Diözese ersten konkreten Empfehlungen.

Bistum Hildesheim | - 18.12.2017

Die frühere Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer (Grüne) steht künftig an der Spitze einer Missbrauchskommission im Bistum Hildesheim. Die 57-Jährige übernimmt ab Januar ehrenamtlich die Leitung des Bischöfliche Beraterstabs zu Fragen sexuellen Missbrauchs, wie die Diözese am Montag mitteilte. Ihr soll ein hauptamtlicher Referent zur Seite gestellt werden.

Mit der Einsetzung eines externen Experten folgt das Bistum einer Empfehlung des Instituts für Praxisforschung und Projektberatung (IPP) aus München, das in diesem Jahr ein umfangreiches Gutachten zu Missbrauchsfällen in der Diözese vorgelegt hatte. Darin warfen die Wissenschaftler dem Bistum schwere Versäumnisse vor. So seien die Verantwortlichen in der Vergangenheit teils überfordert gewesen und hätten mangelnde Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit externen Partnern gezeigt, hieß es in der im Oktober vorgestellten Studie.

Fischer: Mitarbeit in Kommission ist "Ehre"

Das vom damaligen Hildesheimer Bischof Norbert Trelle im Jahr 2016 in Auftrag gegebene Gutachten befasst sich in der Hauptsache mit Missbrauchstaten durch den pensionierten Priester Peter R., der bereits in den 70er- und 80er Jahren mindestens 100 Kinder am Berliner Canisius-Kolleg missbraucht haben soll. Von 1982 bis 2003 war er im Bistum Hildesheim tätig, wo weitere Vorwürfe gegen ihn erhoben wurden. Daneben beleuchtet es auch Vorwürfe gegen den früheren Hildesheimer Bischof Heinrich Maria Janssen (1907-1988). Dass dieser zwischen 1958 und 1963 einen Jungen sexuell missbraucht haben soll, konnte das Gutachten weder beweisen noch entkräften.

Die frühere Ministerin Fischer hatte bereits 2010 für den Jesuitenorden ein Sondergutachten zu Missbrauchsfällen - unter anderem auch am Canisius-Kolleg - verfasst. In dem Hildesheimer Gremium mitzuarbeiten, bezeichnete sie als eine "Ehre". "Dank der Empfehlungen des IPP-Berichts ist es möglich, die bisher geleistete Arbeit des Bistums Hildesheim zur Prävention und Intervention weiterzuentwickeln und zu professionalisieren", so die Katholikin.

Fischer arbeitet als Finanzdezernentin für die Region Hannover. Geplant ist laut Bistum, den Beraterstab mit externen Fachleuten zu verstärken. Momentan sei man auf der Suche nach entsprechend qualifizierten Personen. Sie würden in fünf Regionen der Diözese angesiedelt und dort als Ansprechpartner für Verdachtsfälle fungieren. Zur Umsetzung weiterer Empfehlungen aus dem IPP-Gutachten ist laut Angaben eine Steuerungsgruppe unter der Leitung von Domkapitular Martin Wilk eingesetzt worden. (bod/KNA)

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