Kirche

Familie, Finanzen und Umbrüche

Die "Baustellen" der Kirche in Deutschland 2015

Bonn - 02.01.2015

Pegida-Demonstrationen, Sterbehilfe, die Aufnahme von Flüchtlingen und Zuwanderern: Viele politische Debatten, die das vergangene Jahr geprägt haben, werden 2015 fortgeführt - und weiterhin auch die katholische Kirche in Deutschland beschäftigen. Gleiches gilt für die meisten innerkirchlichen Themen, etwa für das Bestreben nach mehr Transparenz in Finanzfragen, ausgelöst durch den Skandal um die millionenschweren Bauten des früheren Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst.

Natürlich bleibt auch das Thema Ehe und Familie ein Dauerbrenner: Nach der außerordentlichen Weltbischofssynode im letzten Herbst laden die deutschen Bischöfe vor der im Oktober 2015 anstehenden zweiten Synode in Rom die rund 24 Millionen Katholiken zwischen Hamburg und Passau dazu ein, sich weiter am Fortgang der Aussprachen zu beteiligen. Vor wenigen Tagen erst veröffentlichten die Bischöfe mehrere Texte zu dem Treffen, darunter auch eine bislang nicht publizierte Stellungnahme zu den wiederverheirateten Geschiedenen.

"Ich bitte alle, sich damit zu beschäftigen, und hoffe auf eine breite und konstruktive Debatte, die eine gute Vorbereitung sein kann für die Synode", betonte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur. Zu praktischen Fragen des Umgangs mit wiederverheirateten Geschiedenen im Rahmen des kirchlichen Arbeitsrechts wollen sich die Bischöfe im Frühjahr positionieren. "Unsere Grundsatzentscheidung steht: Wir wollen eine Öffnung", so Marx. Schon jetzt gebe es "keinen Kündigungs-Automatismus bei Mitarbeitern, die nach einer Scheidung erneut zivil heiraten".

Keine bundesweite Synode

Diese Themen dürften auch beim Abschluss des bundesweiten Gesprächsprozesses eine Rolle spielen. Der Anstoß zu der auf fünf Jahre angelegten Dialoginitiative kam 2010 vom damaligen Konferenz-Vorsitzenden, Erzbischof Robert Zollitsch. Unter dem Eindruck des Missbrauchsskandals wollte die Kirche verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen. Auf welche Ergebnisse sich die Teilnehmer auf der Abschlussveranstaltung in Würzburg verständigen werden, ist offen. Klar scheint bislang nur so viel: Eine mehrfach geforderte bundesweite Synode wird es vorerst nicht geben.

Porträt von Heinrich Mussinghoff
Bischof Heinrich Mussinghoff (Aachen) ist innerhalb der Deutschen Bischofskonferenz für die religiösen Beziehungen zum Judentum zuständig.  KNA

Auf alle Fälle zählt das Würzburger Gesprächsforum im Herbst 2015 zu den letzten Einträgen im offiziellen Terminkalender von Alois Glück. Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) wird wenige Wochen später sein Amt an der Spitze des höchsten repräsentativen Gremiums des deutschen Laien-Katholizismus niederlegen. In sechs Jahren hat der frühere CSU-Politiker mit besten Verbindungen in Kirche und Gesellschaft Maßstäbe gesetzt.

Wer dem 74-Jährigen nachfolgt, tritt in große Fußstapfen - und muss sich unter anderem Gedanken machen über die zukünftige Gestaltung der Katholikentage. Sowohl mit Blick auf 2016 in Leipzig wie auch 2018 in Münster gab es zuletzt kontroverse Debatten über die Finanzierung des Großereignisses mit öffentlichen Geldern. Im Jahr 2015 sind die Protestanten mit dem Evangelischen Kirchentag in Stuttgart am Zuge. Unterdessen steht in Sachen Ökumene die Frage weiter im Raum, wie die katholische Kirche sich am 500. Jahrestag der Reformation 2017 beteiligen will.

Deutsche Bischöfe im Vatikan

Bleiben noch die absehbaren personelle Veränderungen 2015: Aachens Bischof Heinrich Mussinghoff wird am 29. Oktober 75 und erreicht damit die vom Kirchenrecht vorgeschriebene Grenze, an der er dem Papst seinen Rücktritt anbieten muss. Aktuell vakant sind die Bischofsstühle in Berlin, Hamburg und Limburg. Zumindest die Spitzen der beiden Erzbistümer Berlin und Hamburg sollen laut Papstbotschafter Nikola Eterovic im Laufe des kommenden Jahres wieder besetzt werden.

Vielleicht sind die beiden neuen Amtsträger bei dem vom 14. bis 18. September angesetzten Ad-limina-Besuch der deutschen Bischöfe im Vatikan bereits mit von der Partie, wenn sie Papst und Kurie über die Lage ihrer Ortskirchen berichten. Der Ausblick für 2015 zeigt: An Gesprächsstoff wird kein Mangel herrschen.

Von Joachim Heinz (KNA)

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