Vollversammlung

Familiensynode im Fokus

In Hildesheim beginnt die Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz

Hildesheim - 23.02.2015

Heute beginnt in Hildesheim die Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz. Unter dem Vorsitz von Kardinal Reinhard Marx beraten die 66 Bischöfe vier Tage lang über aktuelle Fragen. Katholisch.de gibt einen Überblick über die Themen des Treffens:

Bischofssynode im Vatikan

Das wichtigste Thema bei der Vollversammlung ist die bevorstehende Familiensynode im Vatikan. Aufbauend auf die Außerordentliche Synode im vergangenen Herbst soll die kommende Ordentliche Generalversammlung der Bischofssynode im Oktober die Beratungen über die heutige Rolle und die Probleme von Familien fortsetzen.

Mit Blick darauf beraten die Bischöfe in Hildesheim wohl vor allem über das vom Vatikan veröffentlichte Vorbereitungsdokument der Synode - die so genannten Lineamenta. Das Dokument enthält unter anderem einen umfangreichen Fragebogen, der mit der Umfrage vergleichbar ist, die im vergangenen Jahr zur Vorbereitung der Außerordentlichen Bischofssynode stattfand. Bereits Ende Januar hatten die Bischöfe beschlossen, den neuen Fragebogen ebenfalls zu veröffentlichen und allen Katholiken sowie ausgewählten Institutionen wie dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken und der Deutschen Ordensobernkonferenz Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben.

Bis zum 13. März müssen die Antworten bei der Bischofskonferenz vorliegen. Anschließend wird die Konferenz alle Stellungnahmen in einem Dokument zusammenfassen, das wiederum bis zum 15. April an das Synodensekretariat im Vatikan geschickt werden muss. Neben den Beratungen über den Fragebogen muss die Vollversammlung auch die deutschen Teilnehmer für die Synode wählen. Gemäß ihrer Größe darf die Deutsche Bischofskonferenz drei Delegierte nach Rom entsenden. Jeder Kandidat aus dem Kreis der Bischöfe und Weihbischöfe muss mit einer Zweidrittelmehrheit von der Vollversammlung gewählt werden. Die gewählten Delegierten werden am Dienstag bei einem Pressegespräch der Öffentlichkeit vorgestellt.

Abschluss des Gesprächsprozesses

Nach fünf Jahren endet im Herbst der Gesprächsprozess der Bischofskonferenz. Der Prozess war im September 2010 vom damaligen Vorsitzenden der Konferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, initiiert worden, um nach dem kirchlichen Missbrauchsskandal verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen. Seit 2011 hatten sich Bischöfe, Theologen und Vertreter katholischer Verbände und Einrichtungen jährlich zu Gesprächsforen getroffen, um über Zukunftsfragen der Kirche und des Glaubens zu diskutieren.

Das letzte Treffen dieser Art findet unter dem Leitwort "Im Heute glauben: Wo Gott ist, da ist Zukunft" am 11./12. September in Würzburg statt. Für die Bischöfe stellt sich bei ihrer Frühjahrs-Vollversammlung vor allem die Frage, wie der Prozess der vergangenen Jahre in Würzburg sinnvoll zu Ende geführt werden kann und welche Schlüsse aus den geführten Gesprächen gezogen werden müssen. Außerdem will die Vollversammlung darüber diskutieren, wie der Dialog auch nach dem offiziellen Ende des Gesprächsprozesses weitergeführt werden kann.

Studientag zu Social Media

Bei ihrem traditionellen Studientag beschäftigen sich die Bischöfe und Weihbischöfe diesmal mit Social Media. Ziel ist es dabei, die Dynamik sozialer Netzwerke und deren rasant wachsenden Einfluss auch auf die kirchliche Kommunikation aufzuzeigen. Im Rahmen des Studientags hören die Teilnehmer unter anderem Vorträge von Monsignore Paul Tighe, dem Sekretär des Päpstlichen Rates für die sozialen Kommunikationsmittel, und des Medienethikers Alexander Filipovic, der an der Hochschule für Philosophie der Jesuiten in München lehrt. Während Tighe über die "Theologische Dimension der Sozialen Medien" sprechen wird, beleuchtet Filipovic die sozialen Netzwerke aus medienethischer Perspektive. Darüber hinaus werden den Bischöfen exemplarische Social-Media-Beispiele aus dem kirchlichen Raum präsentiert, darunter auch Projekte von katholisch.de.

50 Jahre Zweites Vatikanisches Konzil

Am 8. Dezember jährt sich der Abschluss des Zweiten Vatikanischen Konzils zum fünfzigsten Mal. Dieses historische Ereignis möchte die Bischofskonferenz besonders würdigen. Denkbar ist beispielsweise ein Festakt, wie er ähnlich bereits vor zwei Jahren im Rahmen des Eucharistischen Kongresses in Köln stattgefunden hat. Damals wurde das fünfzigjährige Jubiläum der Liturgiekonstitution "Sacrosanctum Concilium" gefeiert. Genauere Pläne für die Veranstaltung zum Konzils-Abschluss werden derzeit erarbeitet und sollen in Hildesheim diskutiert werden.

Migration in Deutschland

"Flüchtlinge sind bei uns willkommen" - mit diesen Worten würdigte Kardinal Reinhard Marx kurz vor Weihnachten das Engagement der katholischen Kirche für Flüchtlinge in Deutschland. Konkret haben Bistümer und kirchliche Hilfswerke nach Angaben der Bischofskonferenz im vergangenen Jahr mehr als 73 Millionen Euro für Flüchtlingshilfe bereitgestellt. Außerdem boten katholische Einrichtungen Unterkünfte in kircheneigenen Immobilien, ärztliche Betreuung sowie Beratungs- und Bildungsangebote für Flüchtlinge an. Trotz dieses vielfältigen Einsatzes bleibt die Migration nach Deutschland bis auf Weiteres eine große Herausforderung, über die die Bischöfe in Hildesheim diskutieren werden und die auch Thema eines Pressegesprächs am Mittwoch sein wird. Dabei wird sicher auch das Kirchenasyl eine Rolle spielen, das zuletzt vor allem aus den Reihen der CDU scharf kritisiert worden war.

Weitere Themen

Bei ihren Beratungen werden die Bischöfe neben den bereits genannten Themen auch Fragen der Gefangenenseelsorge und der Priesterausbildung erörtern. Darüber hinaus ist zumindest denkbar, dass auch die Kirchenfinanzen zur Sprache kommen. Hier bereitet den Oberhirten vor allem das neue Einzugsverfahren für die Kirchensteuer auf Kapitalerträge Sorgen. Seit 1. Januar wird diese Steuer von Banken und Versicherungen automatisch an die Finanzämter abgeführt. Dazu hatten die Institute im Vorfeld die Religionszugehörigkeit ihrer Kunden abgefragt. Viele Kunden haben diese Abfrage offenbar zum Anlass genommen, aus der Kirche auszutreten (die genauen Austrittszahlen für 2014 werden erst im Juli veröffentlicht).

Stichwort: Deutsche Bischofskonferenz

Die Deutsche Bischofskonferenz ist der Zusammenschluss aller katholischen Bischöfe und Weihbischöfe in Deutschland. Aufgabe der Konferenz sind das Studium und die Förderung gemeinsamer pastoraler Aufgaben, die gegenseitige Beratung, die notwendige Koordinierung der kirchlichen Arbeit, der gemeinsame Erlass von Entscheidungen sowie die Pflege von Verbindungen zu anderen Bischofskonferenzen. Oberstes Organ der Bischofskonferenz ist die zweimal jährlich tagende Vollversammlung. Weitere Organe sind der Ständige Rat, in dem jede Diözese durch den Bischof mit Sitz und Stimme vertreten ist, der Vorsitzende und die Bischöflichen Kommissionen. (stz)

Zur Internetseite der Deutschen Bischofskonferenz

katholisch.de bei der Vollversammlung

Katholisch.de wird die Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz vom 23. bis 26. Februar in Hildesheim redaktionell umfassend begleiten. Neben Livestreams des Pressestatements von Kardinal Reinhard Marx am Montag um 15 Uhr sowie der Abschlusspressekonferenz am Donnerstag um 14 Uhr Uhr berichten die katholisch.de-Mitarbeiter Sarah Schortemeyer, Salvatore Tesoro und Steffen Zimmermann in Wort und Bild über alle wichtigen Themen der Versammlung.

Von Steffen Zimmermann

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