Feige: Indirekte Kritik an Margot Käßmann

"Eine Einheitskirche finde ich genauso langweilig wie eine Einheitspartei." - Diesen Satz von Margot Käßmann will Ökumene-Bischof Gerhard Feige so nicht stehen lassen - und spricht sogar von Populismus.

Ökumene | Freiburg - 29.11.2017

Der Magdeburger Bischof Gerhard Feige hat indirekt Kritik an Margot Käßmann geübt. Wenn manchmal zu hören sei, "eine Einheitskirche wäre so langweilig wie eine Einheitspartei", dann frage er sich "was dieser Popanz eigentlich soll", schreibt Feige in einem Rückblick auf das Reformationsjahr für die Dezember-Ausgabe der Zeitschrift "Herder-Korrespondenz". Die frühere EKD-Ratsvorsitzende Käßmann hatte Ende Oktober in einem Gastbeitrag für die "Bild am Sonntag" genau diese Formulierung gebraucht.

Der Ökumene-Beauftragte der Deutschen Bischofskonferenz sieht darin ein Beispiel für "populistische Argumentationsweisen" im ökumenischen Kontext. Käßmann, die auch Botschafterin des Reformationsgedenkens 2017 war, nennt Feige in seinem Artikel allerdings nicht namentlich.

Der Ökumene-Bischof widersprach darüber hinaus dem Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki – auch hier ohne Erwähnung des Namens. So kritisierte er diejenigen, die "meinen, ökumenisch ehrlich abrechnen zu müssen, was den Eindruck erweckt, dass die anderen, die sich um ökumenische Annäherung gemüht haben, unehrlich oder wenigstens zu harmoniebedürftig seien". Im Oktober hatte Woelki sich für "mehr Ehrlichkeit in der Ökumene" ausgesprochen. Feige schreibt weiter: "Manche Vertreter der katholischen Kirche scheinen auch immer noch einem 'identitären Kirchenbild' verhaftet zu sein".

Die Erfolge des Reformationsgedenkens nicht "kleinreden"

Eine Einheitskirche sei schon lange nicht mehr die Wunschvorstellung der katholischen Kirche, so Feige. Aber das Neue Testament spreche nicht nur von der Vielfalt, sondern betone noch stärker die Einheit. Wie diese zu gestalten sei, "darüber gelte es sich zu verständigen, nicht aber sie zu bespötteln".

Es solle zudem nicht "kleingeredet" werden, dass das Reformationsjubiläum Katholiken und Protestanten einander "ein beträchtliches Stück vorangebracht hat", so Feige. Das Reformationsgedenken habe einen "bedeutsamen Fortschritt" gebracht.

Der Vorsitzende der Ökumenekommission der Deutschen Bischofskonferenz wies zugleich "populistisch angehauchte" Forderungen nach schnellen Durchbrüchen in den zwischenkirchlichen Beziehungen zurück. "Anzunehmen, dass komplexe und komplizierte Verhältnisse durch einfache Lösungen kurzfristig zu verändern sind, wirkt ziemlich wirklichkeitsfern", so Feige. (tja)

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