Feige: Ohne Orientalisch-Orthodoxe würde etwas fehlen

Für den Frieden beteten sie gemeinsam: Zu einem Gottesdienst kamen in Berlin Oberhäupter der altorientalischen, katholischen, evangelischen und orthodoxen Kirchen zusammen. Doch es gab auch Kritik.

Ökumene | Berlin - 21.10.2017

Eine weltweite Religionsfreiheit hat der Magdeburger Bischof Gerhard Feige angemahnt. Katholische und evangelische Christen lebten hierzulande in einer Gesellschaft, in der Glaubens- und Religionsfreiheit ein hohes Rechtsgut sei. "Mögen wir als Christen manchmal müde belächelt oder verbal angegriffen werden, gewaltsamen Übergriffen sind wir in der Regel nicht ausgesetzt", sagte der Vorsitzende der Ökumenekommission der Deutschen Bischofskonferenz. Der Bischof sprach am Samstag bei dem ökumenischen Gottesdienst der Evangelischen Kirche in Deutschland im Berliner Dom, an dem auch drei Oberhäupter der orientalisch-orthodoxen Kirchen teilnahmen.

Der koptisch-orthodoxe Papst-Patriarch Tawadros II. war den Angaben zufolge aus gesundheitlichen Gründen nicht anwesend, jedoch nahmen der syrisch-orthodoxe Patriarch Ignatius Afrem II., der Katholikos der Armenischen Apostolischen Kirche, Karekin II., und der indisch-orthodox-syrische Katholikos Baselios Marthoma Paulose II. teil. Die vier Oberhäupter altorientalischer Kirchen hielten sich seit Mittwoch auf Einladung der EKD in Berlin auf. Sie trafen Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und auch den Vorsitzenden der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx.

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Mitglieder der Bischofskonferenz haben sich mit führenden Vertretern der orientalisch-orthodoxen Kirchen getroffen. Dabei ging es auch um die Situation der Christen im Nahen Osten.

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Feige dankte den Vertretern der orientalisch-orthodoxen Kirchen für ihr Glaubenszeugnis, gerade dann, "wenn Sie aus Regionen kommen, wo Krieg oder Bürgerkrieg herrschen und Christen aus religiösen Gründen verfolgt werden oder staatliche Repressionen erfahren". Dieses Leid werde von der biblischen Zusage der bedingungslosen Liebe Gottes nicht ungeschehen gemacht. Aber sie lasse die Zuversicht keimen, dass Gott auf der Seite derer sei, die um seines Namens willen verfolgt würden. "Dies ist keine billige Vertröstung auf irgendwann. Gottes Kraft wirkt sich schon jetzt aus", sagte Feige. Noch seien die Wunden dieser Welt nicht endgültig geheilt. Aber in den Armen Gottes erführen diese Wunden eine neue Deutung und damit eine neue Perspektive. Das befreie zum politischen Handeln und dazu, "uns für Versöhnung und Frieden in dieser Welt einzusetzen".

Ein mutiges Zeugnis von Jesus Christus

Mit Blick auf die Situation der Christen im Nahen und Mittleren Osten sagte Bischof Feige: "Wenn es die orientalisch-orthodoxen Kirchen nicht gäbe, würde dem Christentum Wesentliches fehlen." Ihre Liturgien, Traditionen und Geschichten seien ein kostbarer Schatz. "Daher können wir nur allen Bischöfen und Gläubigen dankbar sein, die in schwierigen Situationen ausharren und so ein mutiges Zeugnis von Jesus Christus geben." Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, erklärte: "Unser gemeinsames Gebet und unsere Gespräche galten in besonderer Weise den bedrängten Christinnen und Christen im Nahen Osten. Zugleich erinnerten wir daran, dass gegenwärtig mehr als 250.000 orientalisch-orthodoxe Christen bei uns in Deutschland leben."

Der syrische Patriarch Ignatius Afrem würdigte die Unterstützung der EKD und Deutschlands bei der Anerkennung des Völkermords an den Armeniern. In seinem Grußwort erinnerte er zudem an die in Aleppo verschleppten Bischöfe Gregorios Yohanna Ibrahim und Boulos Jazigi. Kritik übte Ignatius Afrem dagegen daran, dass evangelische Missionsvereine im 19. und 20. Jahrhundert im Nahen Osten "das Leiden unserer Kirchen ausgenutzt" und orientalische Christen zum Übertritt zum Protestantismus animiert hätten. Dies geschehe teils heute noch, besonders durch "wiedergeborene" evangelikale Christen.

Zu einer Störung des Gottesdienstes kam es während des syrisch-orthodoxen Weihrauchgebets. Eine Frau lief mit einem Transparent mit der Aufschrift "Freiheit für alle politischen Gefangenen in Armenien" vor den Altar. Die Feier im Berliner Dom wurde musikalisch von einem armenischen, einem syrischen, einem koptischen und einem äthiopischen Chor gestaltet. Auf den Gottesdienst im Berliner Dom folgen laut EKD-Angaben noch Besuche der Göttinger Universität und weitere Treffen mit kirchlichen und politischen Repräsentanten in Deutschland. (jhe/KNA)

22.10.2017, 11:30 Uhr: Erweitert um zusätzliche Informationen über die Teilnehmer des Gottesdienstes. /jhe

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