Frankreichs Kirche mit neuem Leitfaden gegen Missbrauch

Vor einem Jahr meldeten mehrere Personen Mitglieder der Kirche in Frankreich wegen sexuellem Missbrauchs. Die heute veröffentlichten neuen Leitlinien der Bischofskonferenz kennen für Täter nur eine Konsequenz.

Missbrauch | Frankreich - 23.01.2017

Die Französische Bischofskonferenz hat einen neuen Leitfaden im Kampf gegen sexuellen Missbrauch herausgegeben. Das Papier sei eine der Maßnahmen, um die Kirche zu einem sicheren Ort für Kinder und Jugendliche zu machen, teilte die Bischofskonferenz am Montag in Paris mit.

Das Dokument umfasst etwa 60 Seiten mit rechtlichen Informationen zu dem Thema sowie Hinweisen zum Verhalten bei der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Der Leitfaden werde an Bischöfe, kirchliche Vereine und Verbände sowie Referenten in den Diözesen verteilt, um sie für dieses Thema zu sensibilisieren. Täter dürfen dem Leitfaden zufolge keinen Kontakt mehr zu Kindern und Jugendlichen haben.

Die französischen Bischöfe sprechen sich in dem Leitfaden deutlich gegen das Schweigen zu Missbrauchsfällen in der Kirche aus. "Die Mauern des Schweigens, auf die die Opfer stoßen, einzureißen" habe hohe Priorität, schreibt die Vatikanzeitung "Osservatore Romano" (Dienstagsausgabe) zu den überarbeiteten Leitlinien der Französischen Bischofskonferenz.

Zahlen zum Missbauch veröffentlicht

Gleichzeitig veröffentlichte die Bischofskonferenz Zahlen zum Thema Missbrauch. Aktuell seien 9 Geistliche wegen sexueller Delikte an Minderjährigen in Haft, 37 Kleriker hätten ihre Strafe bereits verbüßt und gegen 26 laufe ein gerichtliches Verfahren. Vor sieben Jahren habe die Zahl der Verfahren noch doppelt so hoch gelegen, hieß es. Bei der Bischofskonferenz haben sich den Angaben zufolge 222 Opfer gemeldet. Über die Hälfte der Opfer-Aussagen beträfen Fälle vor 1970, 35 Prozent der Aussagen bezögen sich auf Fälle zwischen den Jahren1970 und 2000 und vier Prozent auf die Zeit nach 2000.

Vor einem Jahr hatten sich in Frankreich mehrere Menschen zu Wort gemeldet, die Mitglieder der Kirche beschuldigten, sie sexuell missbraucht zu haben. Der Erzbischof von Lyon, Kardinal Philippe Barbarin, wurde wegen Nichtanzeige sexueller Übergriffe in seinem Verantwortungsbereich angezeigt. Die Staatsanwaltschaft stellte die Ermittlungen gegen ihn jedoch im August 2016 ein. Es habe keine Hinweise auf eine Straftat gegeben, hieß es.

Als Reaktion rief die Französische Bischofskonferenz im Frühjahr eine unabhängige "Kommission gegen Pädophilie" ins Leben und richtete eine Website ein, auf der Missbrauchsopfer und Familienangehörige Fälle melden und Kontakt mit den Zuständigen in ihrem Bistum aufnehmen können. (KNA)

 

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