Franziskus' erstes Konsistorium

Knapp ein Jahr nach ihrem Konferenz-Marathon zur Papstwahl treten die Kardinäle der katholischen Kirche am Donnerstag erneut zu einer Vollversammlung im Vatikan zusammen. Vom 4. bis 11. März 2013 hatte der Kirchensenat über die Lage der Kirche nach dem Rücktritt von Papst Benedikt XVI. beraten, Erwartungen an dessen Nachfolger formuliert - und dann den Argentinier Jorge Mario Bergoglio gewählt.

Vatikan | Vatikanstadt - 20.02.2014

Knapp ein Jahr nach ihrem Konferenz-Marathon zur Papstwahl treten die Kardinäle der katholischen Kirche am Donnerstag erneut zu einer Vollversammlung im Vatikan zusammen. Vom 4. bis 11. März 2013 hatte der Kirchensenat über die Lage der Kirche nach dem Rücktritt von Papst Benedikt XVI. beraten, Erwartungen an dessen Nachfolger formuliert - und dann den Argentinier Jorge Mario Bergoglio gewählt.

Jetzt trifft sich der Kirchensenat mit Papst Franziskus zu einem zweitägigen Außerordentlichen Konsistorium, um wieder über die Lage der Kirche zu beraten - und über den Stand der seither eingeleiteten Reformbemühungen.

Hoffnungen auf dem Prüfstand

Damals war das Vorkonklave bestimmt von Sorgen um Krisen in der Weltkirche und an der vatikanischen Kurie. Die Kardinäle suchten nach Auswegen aus der Verunsicherung und dem Vertrauensverlust, den etwa die Skandale um sexuellen Missbrauchs und "Vatileaks" ausgelöst hatten. Sie wollten einen überzeugenden Neuanfang durch eine Rückbesinnung auf die eigentliche Sendung der Kirche. Bei einer dieser Sitzungen hatte der argentinische Kardinal Bergoglio die Krise und die Notwendigkeit eines neuen Aufbruchs offenbar so klar benannt, dass er überraschend schnell gewählt wurde.

Ein Jahr später steht nun dieser Aufbruch samt den damaligen Erwartungen, Hoffnungen und Vorgaben auf dem Prüfstand. Bald nach seiner Wahl hatte Franziskus einen Kardinalsrat für die Kurienreform mit acht Mitgliedern berufen; über deren erste Vorschläge will er jetzt den Kreis seiner damaligen Wähler informieren. Dieser sogenannte K8-Rat, zu dem auch der Münchner Kardinal Reinhard Marx gehört, befasste sich bislang vor allem mit der Bischofssynode, die als kollegiales Element der Kirchenleitung gestärkt werden soll. Weiter ging es um die Arbeit und Struktur der vatikanischen Ministerien, die Kongregationen und Räte und zuletzt um die vatikanischen Finanzinstitutionen, deren Arbeit transparenter, besser vernetzt und damit effizienter werden müsse.

Papst will über Familienpastoral sprechen

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Konklave Spezial: Impressionen des Eröffnungs-Gottesdiensts
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Neben diesen organisatorischen Belangen stehen freilich auch inhaltliche Themen auf dem Programm des zweitägigen Treffens, das hinter verschlossenen Türen in der vatikanischen Synodenaula stattfindet. Franziskus will mit den Kardinälen über Fragen der Familienseelsorge sprechen, dem Thema der beiden nächsten Bischofssynoden. Das Einführungsreferat hält der frühere Kurienkardinal Walter Kasper, der schon in den 90er Jahren mit zwei weiteren südwestdeutschen Bischöfen einen Vorstoß zur dornigen Frage der wiederverheirateten Geschiedenen gewagt hatte. Dieser blieb dann freilich in der Kurie hängen. Man darf gespannt sein, ob jetzt beim Konsistorium die Diskussion ähnlich offen und freimütig geführt wird wie vor dem Konklave.

Auf diese internen Kardinalsberatungen mit dem Papst folgt am Samstag ein öffentliches Konsistorium. Papst Franziskus nimmt dabei 19 neue Würdenträger in den Kirchensenat auf. Das Kardinalskollegium wird damit noch internationaler und wieder etwas lateinamerikanischer. Gleich fünf neue Kardinäle stammen aus dem Subkontinent und der Karibik, nur einer aus Nordamerika, aus Kanada. Die USA blieben diesmal trotz offener "Kardinalssitze" in Los Angeles oder Detroit außen vor.

Franziskus meint es ernst

Dazu kommen je zwei Diözesanbischöfe aus Afrika, Asien und Europa - und nur vier Leiter römischer Zentralbehörden. Unter ihnen sind erwartungsgemäß der neue Staatssekretär Pietro Parolin sowie die Präfekten der Glaubens- und der Kleruskongregation, Gerhard Ludwig Müller und Beniamino Stella. Etwas überraschend erhält auch der neue Generalsekretär der Bischofssynode , Lorenzo Baldisseri, das rote Kardinalsbirett: ein Signal, dass Franziskus es mit seinem Bemühen um mehr Kollegialität und Synodalität in der Kirche ernst meint.

Von Johannes Schidelko (KNA)

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