Franziskus will kritische Debatte über Papstamt

An der Rolle des Papstes führt im ökumenischen Dialog mit der Orthodoxie kein Weg vorbei. In einem Brief an den Patriarchen von Konstantinopel hat Franziskus seine Position in dieser Frage erneut betont.

Ökumene | Bonn/Vatikanstadt - 30.11.2017

Papst Franziskus hat seinen Willen zu einer kritischen Debatte über das Papstamt bekräftigt. Er begrüße einen kritischen Dialog über das Verhältnis von Primat und Synodalität in der Ökumene, schrieb er in einer Grußbotschaft an den Ökumenischen Patriarchen von Konstintanopel, Bartholomaios I. Den Brief hatte Kardinal Kurt Koch anlässlich des orthodoxen Andreasfestes in Istanbul überbracht.

In seinem Schreiben erinnerte der Papst an die zurückliegenden Beratungen der gemeinsamen katholisch-orthodoxen Dialogkommission. Diese hatte zuletzt eine Einigung zur Fragen von "Synodalität und Primat im ersten Jahrtausend" erzielt. Ein kritischer Dialog zu diesen Punkten müsse nun auch zum zweiten Jahrtausend geführt werden, betonte Franziskus. Der bestehende Konsens könne ein gemeinsames Verständnis vom Amt des Bischofs von Rom auch in der Gegenwart ermöglichen. "Diese sensible Aufgabe muss in einer Atmosphäre gegenseitiger Offenheit und vor allem in Gehorsam gegenüber den Anforderungen des Heiligen Geistes an die Kirche erfüllt werden."

Die absolute Vorrangstellung des Papstes in der römischen Kirche gilt als größter Streitpunkt im ökumenischen Dialog mit der orthodoxen Kirche. Als Beginn der Kirchenspaltung gilt gemeinhin das Schisma von 1054. Seither folgen beide Seiten zwar weitgehend der gleichen Lehre, insbesondere hinsichtlich des kirchlichen Amts und der Sakramente. Allerdings lehnen orthodoxe Kirche eine streng hierarchische Verfassung der Kirche zugunsten dem Prinzip der Synodalität ab.

Abschließende Debatte frühestens 2019

Zum Verhältnis beider Prinzipien berät derzeit die "gemeinsame internationale Kommission für den theologischen Dialog zwischen katholischer und orthodoxer Kirche". Im Jahr 2016 wurde ein gemeinsamer Standpunkt zur Situation im ersten Jahrtausend verabschiedet. Mit der Situation des zweiten Jahrtausends und damit der Zeit nach der Kirchenspaltung will sich die Kommission abschließend frühestens im Jahr 2019 befassen. Zuvor soll eine Art Roadmap für die künftige ökumenische Debatte entstehen.

In seiner Botschaft an Bartholomaios I. erinnerte der Papst auch an den historischen Besuch seines Vorgängers Papst Paul VI., bei Patriarch Athinagoras I. in Istanbul im Jahr 1967. Es war die erste Reise eines römischen Papstes zum Patriarchen von Konstantinopel. Seit Jahren erfolgen zudem gegenseitige Delegationsreisen zum Fest der Apostel Petrus und Paulus am 29. Juni nach Rom und des Apostels Andreas am 30. November nach Istanbul. Geleitet wurde die päpstliche Delegation zum Andreasfest vom Präsidenten des Rats für die Einheit der Christen, Kardinal Kurt Koch. Weiter nahmen der Sekretär des Rats, Bischof Brian Farrell, und Untersekretär Andrea Palmieri sowie der Vatikanbotschafter in der Türkei, Erzbischof Paul Russell, daran teil. Am Rande der Feierlichkeiten fanden den Angaben zufolge auch Gespräche mit der Ökumenekommission von orthodoxer Seite statt. (kim/KNA)

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