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Freitags um 12

Haben sie schon einmal versucht, freitags um 12 Uhr einen neuen Personalausweis zu beantragen? Oder ihr neues Kfz-Kennzeichen abzuholen? In den meisten Fällen dürften solche Versuche erfolglos bleiben, denn für Behörden in Deutschland beginnt das Wochenende in aller Regel genau dann: freitags um 12 Uhr.

Erzbistum Köln | Bonn/Köln - 10.07.2014

Haben sie schon einmal versucht, freitags um 12 Uhr einen neuen Personalausweis zu beantragen? Oder ihr neues Kfz-Kennzeichen abzuholen? In den meisten Fällen dürften solche Versuche erfolglos bleiben, denn für Behörden in Deutschland beginnt das Wochenende in aller Regel genau dann: freitags um 12 Uhr.

In der katholischen Kirche ist das anders: Hier werden wichtige Entscheidungen oftmals erst dann bekannt gegeben, wenn anderswo die Amtsstube oder die Bürotür bereits verschlossen ist. Vatikankenner und Kirchenjournalisten blicken freitags um 12 Uhr deshalb immer besonders aufmerksam nach Rom - schließlich könnte das Bulletin des vatikanischen Presseamtes, das jeweils zur Mittagsstunde veröffentlicht wird, bedeutende Nachrichten enthalten, die vermeldet und diskutiert werden müssen.

Traditionell fallen auch Bischofsernennungen unter die "freitags um 12"-Regel. Das Prozedere ist dabei normalerweise so, dass der Name des neuen Bischofs an einem Freitag um 12 Uhr zeitgleich im Vatikan und im betroffenen Bistum bekannt gegeben wird.

Gestern aber war das nicht so: Am Nachmittag meldeten zahlreiche Medien - jeweils unter Berufung auf eigene Quellen - die Wahl des Berliner Kardinals Rainer Maria Woelki zum neuen Erzbischof von Köln. Eine Personalie von höchster Relevanz: Woelki ist eines der bekanntesten Gesichter des deutschen Katholizismus und einer der einflussreichsten Oberhirten in Deutschland. Er hat die kirchliche Karriereleiter in den vergangenen Jahren in rasantem Tempo erklommen, die Hoffnungen zahlreicher Katholiken ruhen auf seinen Schultern. Wenn er nun aus Berlin nach Köln - und damit an die Spitze des größten deutschen Bistums - wechselt, ist das eine Nachricht, die auch katholisch.de sofort veröffentlichen muss.

Oder etwa doch nicht?

Unsere Redaktion hat gestern Nachmittag jedenfalls sehr lange und sehr kontrovers über die Meldung des Woelki-Wechsels diskutiert. Sollten wir wie die anderen, säkularen Medien die Personalie vermelden? Oder sollten wir - in dem Bewusstsein, als kirchliches Internetportal besonders gewissenhaft mit Nachrichten aus der Kirche umgehen zu müssen – die offizielle Bestätigung der Personalie durch den Vatikan und das Erzbistum Köln abwarten und damit die "freitags um 12"-Regel einhalten?

Natürlich wissen wir, dass an unsere Berichterstattung über kirchliche Themen berechtigterweise besonders hohe Maßstäbe angelegt werden und wir als Internetportal der katholischen Kirche in Deutschland eine hohe Verantwortung gegenüber unseren Nutzerinnen und Nutzern haben.

Am Ende haben wir uns aber für die Veröffentlichung der Personalie Woelki entschieden. Wir haben dies zu einem Zeitpunkt getan, als die Meldung bereits von mehreren Medien - darunter die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) - unter Verweis auf unterschiedliche Quellen veröffentlicht worden war. Für uns war damit die zentrale Bedingung für eine Veröffentlichung erfüllt.

Wir sind der Überzeugung, dass wir als kirchliches Internetportal nicht abseits stehen bleiben können, wenn zentrale Personalien unserer Kirche diskutiert werden. So sehr man sich als Anhänger kirchlicher Traditionen über den Bruch der "freitags um 12"-Regel aufregen mag: Unserer Auffassung nach wäre es weltfremd, in Zeiten globaler Nachrichtenströme und sozialer Netzwerke so zu tun, als sei nichts geschehen. Unsere Nutzerinnen und Nutzer haben einen Anspruch darauf, von uns seriös und umfassend über alle Ereignisse aus der Kirche informiert zu werden.

Deshalb war die Berichterstattung über den Woelki-Wechsel für uns letztlich selbstverständlich. Es wäre aus unserer Sicht fatal und gänzlich unvereinbar mit unserem Auftrag als nachrichtliches Portal, wenn katholisch.de die Personalie Woelki ignoriert hätte, während die meisten anderen Medien bereits darüber berichten.

Von Steffen Zimmermann

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