Für regionale oder nationale Lösungen

Die Synode solle nicht nur nach allgemeinverbindlichen Lösungen suchen, so Abtpräses Jeremias Schröder in seinem jetzt veröffentlichten Redebeitrag. Schließlich stehe die Familie in den verschiedenen Erdteilen vor ganz unterschiedlichen Herausforderungen.

Familiensynode | Bonn - 15.10.2015

Auf der Bischofssynode in Rom hat Abtpräses Jeremias Schröder OSB (Benediktinerkongregation St. Ottlien) zum dritten Kapitel des Instrumentum laboris gesprochen. Er plädiert dafür, dass die Synode angesichts der weltweit sehr unterschiedlichen Herausforderungen für die Familie nicht nach allgemeinverbindlichen, sondern nach regionalen oder kontinentalen Lösungen suchen solle. Die Deutsche Bischofskonferenz hat Schröders Redebeitrag nun veröffentlicht, wir dokumentieren den Text im Wortlaut.

Heiliger Vater, lieber Brüder und Schwestern,

Mein Beitrag bezieht sich auf die Nr. 28 [des Instrumentum Laboris] – Herausforderungen in einer globalisierten Welt.

Vor vier Wochen war ich in China. Dort habe ich mit Priestern und Diözesanverantwortlichen über diese Synode gesprochen. Sie haben mir erzählt, dass sie bedauern, dass aus Festlandchina niemand an dieser Synode teilnehmen kann, deren Thema auch dort von größter Bedeutung ist. Was die Lage der Familien angeht, so haben sie mir erzählt, ist dies das größte Problem: in einer Kultur, in der die Autorität der Eltern noch derart groß ist, werden viele Ehen ohne innere Freiheit geschlossen. Dadurch entsteht viel Leid.

Am Tag nach meiner Rückkehr haben Sie, Heiliger Vater, das Motu Proprio Mitis Judex Dominus Jesus veröffentlicht – eine echte Antwort und Lösung für die chinesische Situation. Ich erlaube mir, Ihnen im Namen so vieler für diese prophetische und barmherzige Tat zu danken.

Ich habe hier jetzt nicht die Zeit, um über die Situation in meiner Heimat Deutschland zu sprechen, wo viele hoffen, dass ein Weg für diejenigen gefunden werden kann, deren Ehe gescheitert ist und die jetzt in einer zweiten stabilen Beziehung mit Kindern leben, um ihnen eine Rückkehr zur Fülle des christlichen sakramentalen Lebens auch nach so einem Scheitern zu ermöglichen.

Ich werde jetzt auch nicht von Ostafrika sprechen, wo ein großer Teil meiner Mitbrüder wirkt, und wo es den Wunsch gibt, die Paare auf einem längeren Weg mit mehreren Etappen zum Ziel der guten christlichen Ehe zu führen.

Aufgrund dieser so unterschiedlichen Situationen denke ich, dass diese Synode vielleicht nicht so sehr allgemeinverbindliche Lösungen suchen sollte, sondern eher Raum geben sollte für regionale, nationale oder kontinentale Lösungen dieser so verschiedenen Herausforderungen.

Rom, den 6. Oktober 2015

Abtpräses Jeremias Schröder OSB
Benediktinerkongregation St. Ottilien

Blog: Aus der Aula

Drei Wochen im Zeichen von Ehe und Familie: Abtpräses Jeremias Schröder nimmt als Ordensvertreter an der Weltbischofsynode im Vatikan teil. Für katholisch.de berichtet er in einem Blog regelmäßig direkt aus der Synodenaula.

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