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Gefragt sind Pioniere

Das Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses (ifp) ist Gastgeber des zweiten Facebook-Gottesdienstes von katholisch.de und kirche.tv am 13. Dezember. Für kirchliche Aktivitäten auf Facebook, Twitter und Co. brauche es im besten Sinne Pioniere, findet Wolfgang Sauer, geistlicher Direktor der katholischen Journalistenschule in München. Im Interview erklärt er, welches Potenzial soziale Netzwerke für die Kirche haben, wo deren Grenzen sind und warum Journalisten gerade in Zeiten des Webs 2.0 eine solide Ausbildung brauchen.

Facebook-Gottesdienst | Bonn - 13.12.2012

Das Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses (ifp) ist Gastgeber des zweiten Facebook-Gottesdienstes von katholisch.de und kirche.tv am 13. Dezember. Für kirchliche Aktivitäten auf Facebook, Twitter und Co. brauche es im besten Sinne Pioniere, findet Wolfgang Sauer, geistlicher Direktor der katholischen Journalistenschule in München. Im Interview erklärt er, welches Potenzial soziale Netzwerke für die Kirche haben, wo deren Grenzen sind und warum Journalisten gerade in Zeiten des Webs 2.0 eine solide Ausbildung brauchen.

Frage: Herr Sauer, Gottesdienst und Facebook, passt das überhaupt zusammen?

Sauer: Im Prinzip ja. Ich denke an das Wort aus dem Matthäus-Evangelium „Gehet hinaus in alle Welt.“ Damit ist uns ein Auftrag erteilt worden, der alle Grenzen überschreitet: das schmeckt nach „Internet“. Wir sollten uns als weltumspannende katholische Kirche aller Mittel bedienen, die uns international und auf allen Kanälen erreichbar machen.

Frage: Aber es gibt doch auch Grenzen der Verkündigung via Web 2.0…

Sauer: Das ist klar. Ich sehe den Auftritt im Web 2.0 als eine Möglichkeit des missionarischen Handelns, unter vielen anderen. Er kann aber nicht die persönliche Begegnung und das unmittelbare Mitfeiern des Gottesdienstes ersetzen, dies bestenfalls vorbereiten. Doch auch ein niedrigschwelliges Angebot kann Menschen für den Glauben aufschließen und für die Kirche interessieren.

Wolfgang Sauer ist geistlicher Direktor des Instituts zur Förderung publizistischen Nachwuches (ifp) in München.
Wolfgang Sauer ist geistlicher Direktor des Instituts zur Förderung publizistischen Nachwuches (ifp) in München.  KNA

Frage: Während seiner Deutschlandreise im vergangenen Jahr sprach Benedikt XVI. das mittlerweile berühmt-berüchtigte Wort von der "Entweltlichung". Jetzt twittert der Papst. Ist das nicht ein Widerspruch?

Sauer: Das Wort von der Entweltlichung der Kirche ist eines der am meisten missverstandenen Worte des Papstbesuches. Benedikt XVI. hatte ja im gleichen Atemzug gesagt, dass das nicht bedeutet, sich von den Herausforderungen des Einsatzes für die Welt zurückzuziehen. Es ist mir schleierhaft, wie große Teile der Bevölkerung und selbstberufene Interpreten der Rede meinen, der Papst hätte damit zu einem Rückzug aus der Welt aufgerufen. Dass er jetzt selbst ein Twitterer geworden ist, zeigt, dass er die technischen Möglichkeiten von heute mit in den Blick nimmt.

Frage: Viele Bistümer und kirchliche Verbände sind bereits in den sozialen Netzwerken aktiv. Ist die deutsche Kirche im Web 2.0 gut aufgestellt?

Sauer: Ob wir schon so ganz gut aufgestellt sind, kann ich nicht beurteilen. Die katholische Kirche in Deutschland ist aber gut beraten, sich in diese Experimentierfelder zu begeben. Es müssen allerdings noch viele Erfahrungen gesammelt und auch Selbstkritik betrieben werden. "Modern sein" heißt nicht automatisch "gut sein". Wir lassen uns auf ein Experiment ein. Gerade deshalb sollten Initiativen in diesem Bereich von hoch kompetenten und uneigennützigen Leuten betrieben werden. Gefragt sind im besten Sinne des Wortes Pioniere.

Zur Person

Wolfgang Sauer, geboren 1948 in Forchheim (Oberfranken), ist seit Mai 2011 geistlicher Direktor des Instituts zur Förderung publizistischen Nachwuches (ifp) in München. Zuvor war er unteren anderem Hochschulseelsorger in der Katholischen Studentengemeinde Heidelberg und Referent für weltkirchliche Angelegenheiten und Äusländerpastoral im Erzbistum Freiburg. Seit Dezember 2011 ist SauerMitglied der "Medienethischen Arbeitsgruppe" der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz.

Zur Person

Frage: Welchen Stellenwert legt das ifp als katholische Journalistenschule in seiner Ausbildung auf den Bereich soziale Netzwerke?

Sauer: Zunächst einmal wird im ifp das journalistische Handwerkszeug gelernt. Die Betätigung in den sozialen Netzwerken ist dann eine Ausbaustufe der Ausbildung. Die kritische Beobachtung und intelligente Weiterentwicklung sozialer Netzwerke kann nur mit einer soliden journalistischen Grundausbildung geschehen. Allerdings gehört eine Generation von jungen Menschen zu unseren Stipendiaten und Volontären, die in diesem Bereich erfahrene User sind. Daher ist es fast zwingend notwendig, dass wir dieses Thema zunehmend in unsere Lehrpläne einarbeiten. Ich halte es mit dem Apostel Paulus, der sagte: "Prüfet alles, bewahret das Gute." Man kann heute noch nicht mit letzter Gewissheit sagen, ob soziale Netzwerke am Ende eine große Finte sind oder doch ein menschheitsrelevantes Tor aufgestoßen haben.

Frage: Das ifp ist Gastgeber des zweiten Facebook-Gottesdienstes. Wie muss dieser ablaufen, dass der Hausherr nachher von einer gelungen Veranstaltung sprechen wird?

Sauer: Der Gottesdienst sollte nicht zu sehr als Experiment angesehen werden. Wenn nur neugierige „Insider“ zuschauen, um zu sehen, wie die das in München machen, hätte das Projekt seinen Sinn verfehlt. Ich wünsche mir, dass sich Menschen einklicken und dabei bleiben, die sich durch die adventliche Atmosphäre und die spirituelle Qualität innerlich anrühren lassen und es toll finden, dass eine Journalistenschule wie unser ifp sich auch in dieser Hinsicht engagiert.

Das Interview führte Christoph Meurer

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