Gesucht wird eine Theologie der Liebe

Es geht mit großen Schritten auf die Weltbischofssynode im Oktober zu: Bei einem Studientag der Bischöfe aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz haben sich die Teilnehmer mit Themen rund um Familie und Ehe beschäftigt. Solche Treffen sorgen für Gesprächsstoff.

Familiensynode | Rom - 29.05.2015

In den vergangenen Tagen kam nicht nur das Synodensekretariat zu Beratungen mit Papst Franziskus zusammen. Noch mehr Aufmerksamkeit fand eine Zusammenkunft von Bischöfen, Theologen und Kurienmitarbeitern aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz, die am Montag zur Vorbereitung auf die Synode stattfand. Manche Medien witterten gar ein Geheimtreffen progressiver Kräfte zur Absprache einer gemeinsamen Strategie für die Synode.

Veranstalter dieses "Studientags zur Bischofssynode" an der Päpstlichen Universität Gregoriana waren die Vorsitzenden der Bischofskonferenzen der drei Länder. Zwei von ihnen, Kardinal Reinhard Marx und sein französisches Pendant, Erzbischof Georges Pontier von Marseille, waren dazu nach Rom gereist. Aus Deutschland waren zudem die beiden weiteren Teilnehmer an der Bischofssynode, Bischof Heiner Koch (Dresden-Meißen), der in der Bischofskonferenz für Familie zuständig ist, und Osnabrücks Bischof Franz-Josef Bode gekommen. Als Beobachter war rund ein Dutzend Journalisten aus den drei Ländern eingeladen.

Die Veranstaltung mit dem Titel "die Berufung und Sendung der Familie in Kirche und Welt von heute" sollte nach Aussage der Veranstalter einer "theologischen Vertiefung" der Synodenthemen dienen. Hier gebe es erheblichen Nachholbedarf. Die Erwartungen an die Synode hätten mittlerweile "Konzilsniveau" erreicht. Die theologische Debatte halte einem Vergleich mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) jedoch bislang nicht stand, sagte ein Teilnehmer. Grund dafür sei auch, dass es  - anders als beim Konzil - keine theologischen Kommissionen als beratende Organe gebe.

 

Linktipp: Theorie trifft Praxis

Über zwei Jahre beraten Bischöfe und Laien im Vatikan über die "pastoralen Herausforderungen der Familie". Das ist ein höchst brisantes Thema, bei dem die Vorstellungen der Kirche und die Lebenspraxis ihrer Gläubigen zunehmend auseinanderdriften.

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Spekulationen über das Treffen wurden auch dadurch genährt, dass die Deutsche Bischofskonferenz erst am Dienstag in einer Pressemitteilung über den Studientag informierte. Die vortragenden Theologen - unter ihnen eine Ratzinger-Preisträgerin und ein Ex-Mitglied der Internationalen Theologenkommission des Vatikans - seien dem progressiven Lager zuzuordnen, war in einem italienischen Bericht zu lesen. Andere Medien behaupteten, nur wenige  Mitglieder der betroffenen Bischofskonferenzen seien überhaupt informiert worden.

Begriff des Sakraments muss vertieft werden

Auf dem Programm standen sechs theologische Vorträge, die anschließend im Plenum debattiert wurden. Hierbei ging es um Ehe und Sexualität aus biblischer, moraltheologischer und dogmatischer Sicht. Es wurde betont, dass Jesu Worte zu Ehe und Ehescheidung nicht isoliert betrachtet werden dürfen und stets vor dem Hintergrund seiner gesamten Verkündigung und der Tradition der Kirche zu deuten seien.

Mehrere Teilnehmer merkten an, der Begriff des Sakraments müsse mit Blick auf die Ehe noch vertieft werden. Es wurde als Mangel gewertet, dass sich die Theologie und vor allem das Kirchenrecht bislang einseitig auf den Eheschluss konzentriere. Zudem wurde darauf hingewiesen, dass das Eherecht de facto immer noch sehr von dem mittlerweile überholten Modell der Ehe als Vertrag geprägt sei, und zu wenig von der Definition der Ehe als Lebens- und Liebesgemeinschaft, wie sie seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil üblich und auch im Kirchenrecht von 1983 grundsätzlich enthalten sei.

Im Oktober findet die zweite Weltbischofssynode zu Fragen der Familie im Vatikan statt.
 picture alliance/dpa

Es fehle eine "Theologie der Liebe", die Sexualität als Ausdruck der Liebe begreife und eine "Theologie der Biografie", in der die Verantwortung des Einzelnen für seinen Lebensentwurf ernstgenommen werde. Eine solche theologische Aktualisierung eröffne auch neue Möglichkeiten etwa im Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen.

Mit Blick auf die Bischofssynode wurde die Einschätzung geäußert, dass der Papst wohl kaum zwei Bischofsversammlungen zu diesem Thema angesetzt hätte, wenn er alles beim Alten lassen wolle. Es dürfe allerdings nicht um eine Anpassung an den Zeitgeist gehen, sondern um eine Entwicklung der bestehenden kirchlichen Lehre zu Familie, Ehe und Sexualität. Eine solche Entwicklung habe es in der Kirchengeschichte immer wieder gegeben.

Von Thomas Jansen (KNA)

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