Glauben stärken, Signale senden

Sozialer Zusammenhalt, Energiewende und die Grenzen des Wachstums: Beim 34. Evangelischen Kirchentag in Hamburg stehen zahlreiche brandaktuelle gesellschaftliche Themen auf der Agenda. Etwa 110.000 Dauerteilnehmer sowie bis zu 40.000 Tagesgäste werden vom 1. bis 5. Mai in der Hansestadt erwartet, die bereits zum vierten Mal Gastgeber des Treffens protestantischer Laien ist.

Kirchentag | Hamburg - 30.04.2013

Sozialer Zusammenhalt, Energiewende und die Grenzen des Wachstums: Beim 34. Evangelischen Kirchentag in Hamburg stehen zahlreiche brandaktuelle gesellschaftliche Themen auf der Agenda. Etwa 110.000 Dauerteilnehmer sowie bis zu 40.000 Tagesgäste werden vom 1. bis 5. Mai in der Hansestadt erwartet, die bereits zum vierten Mal Gastgeber des Treffens protestantischer Laien ist.

Unter dem der Bibel entlehnten Motto "Soviel du brauchst" (siehe Textbox) wollen sie gemeinsam diskutieren, beten und feiern. Rund 2.500 Veranstaltungen sind geplant, darunter Vorträge, Diskussionsrunden, Bibelarbeiten, Ausstellungen und ein breites kulturelles Programm.

Mitmachen wollen knapp fünf Monate vor der Bundestagswahl auch zahlreiche Politiker. Bundespräsident Joachim Gauck - selbst viele Jahre als evangelischer Pfarrer tätig - richtet schon zur Eröffnung einige Worte an die Teilnehmer, ehe er am 2. Mai bei einem Podium über eine "Starke Gesellschaft" diskutiert. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) redet einen Tag später über den Wert der Schöpfung in einer globalisierten Welt.

Joachim Gauck ist der erste Theologe im Amt des Bundespräsidenten in Deutschland.
Joachim Gauck ist der erste Theologe im Amt des Bundespräsidenten in Deutschland.
 dpa

Prominente aus Politik und Show-Business

Zu den Gästen des Kirchentags gehören außerdem Bundestagspräsident Norbert Lammert, die SPD-Troika aus dem Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel, Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier und Kanzlerkandidat Peer Steinbrück, die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth, Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt sowie mehrere Bundesminister.

Publikumsmagneten dürften auch andere Prominente sein, etwa Regisseur Wim Wenders, Liedermacher Wolf Biermann, Entertainer Corny Littmann, der seit einem Unfall bei "Wetten, dass..?" gelähmte Samuel Koch oder die Kölner Band "Wise Guys".

"Soviel du brauchst"

Die Kirchentagslosung "Soviel du brauchst" ist aus dem 2. Buch Mose, Kapitel 16, Vers 18 im Alten Testament abgeleitet. Dort wird die Geschichte des Wunders erzählt, dass dem hungernden Volk Israel auf seinem Zug durch die Wüste Brot vom Himmel fällt. Die Israeliten sammeln das Brot ein, und am Ende haben alle genau so viel, wie sie zum Essen brauchen. Für die Macher des Kirchentags ist die Losung "biblische Positionsbestimmung und Routenplanung in einem", wie Generalsekretärin Ellen Ueberschär es formuliert. Sie sieht darin eine doppelte Aussage: "Gott sorgt für dich, es ist so viel da, wie du brauchst" und "Gebrauche nur so viel, wie da ist". (stz/dpa)

Neben gesellschaftlichen bilden kirchliche Themen Schwerpunkte des Kirchentags. Bei Gottesdiensten, Bibelarbeiten und Foren erhoffen sich die Gläubigen neue Impulse für ihr Gemeindeleben. Dabei werden auch kontroverse Themen nicht ausgeklammert, etwa der ökumenische Dialog mit der katholischen Kirche, bei dem sich viele Christen beider Konfessionen mehr Fortschritte wünschen. Bei etlichen Veranstaltungen geht es zudem um den interreligiösen Dialog mit Juden oder Muslimen.

Ein kulturelles Highlight ist die Uraufführung der Kirchentags-Oper "Vom Ende der Unschuld" am 2. Mai. Darin geht es um Leben und Werk des von den Naionalsozialisten ermordeten evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer (1906-1945). Das Werk stellt ein Novum dar, denn noch nie zuvor wurde eigens für den Kirchentag eine Oper komponiert.

Kirche mal anders

Kirchentagspräsident Gerhard Robbers erhofft sich von der Veranstaltung vor allem Impulse für den Dialog zwischen den Religionen. Hamburg sei dafür ein besonders geeigneter Ort, weil die Hansestadt Beziehungen in die ganze Welt unterhalte und Heimat für viele Andersgläubige sei. Wenn vom Kirchentag die Überzeugung ausgehen könne, "dass wir genug haben, um friedlich, gut und respektvoll miteinander zu leben - auch wenn die eine ein Kopftuch trägt und die andere nicht - das wäre schon ein Erfolg", so Robbers.

Für den 62-jährigen Verfassungsrechtler sind Kirchentage auch deshalb wichtig, "weil es dort die Möglichkeit gibt, Kirche auch anders zu erleben, offener, vielfältig und in einer besonderen Art". Kirchentage seien ein Zeichen für die Zeit und nähmen auf, was die Menschen bewege. "Hier werden auf vielen verschiedenen Ebenen Impulse gesetzt", betonte Robbers. (stz/dpa)

Evangelische Kirche in Deutschland

Die evangelische Kirche ist neben der katholischen Kirche die größte Glaubensgemeinschaft in Deutschland. Ende 2011 waren etwa 23,6 Millionen Menschen evangelisch und 24,5 Millionen katholisch. Zehn Jahre zuvor zählte die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) noch 3 Millionen Mitglieder mehr. Sie finanziert sich zum größten Teil aus Kirchensteuern. 2011 waren es 4,4 Milliarden Euro. In der EKD und der Diakonie sind etwa 675.000 Menschen hauptamtlich beschäftigt, mehr als eine Million - 70 Prozent davon Frauen - helfen ehrenamtlich. Die Kirche besitzt etwa 75.000 Gebäude, knapp 21.000 sind Kirchen und Kapellen. (stz/dpa)

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