"Gott ist keine Spaßbremse"

Dem Komiker Dieter Nuhr wurde nach einem Witz über den Islam Volksverhetzung nachgesagt. Religion und Humor bilden ein spannungsreiches Verhältnis. Wie beides doch zusammengehen kann, erläuterte der rheinische Kabarettist Ferdinand Linzenich im Interview in Bergisch Gladbach.

Glaube | Bergisch Gladbach - 16.11.2014

Dem Komiker Dieter Nuhr wurde nach einem Witz über den Islam Volksverhetzung nachgesagt. Religion und Humor bilden ein spannungsreiches Verhältnis. Wie beides doch zusammengehen kann, erläuterte der rheinische Kabarettist Ferdinand Linzenich im Interview in Bergisch Gladbach.

Frage: Herr Linzenich, wie passen Glaube und Humor zusammen?

Ferdinand Linzenich: Ich denke: sehr gut. Schon als Ministrant konnte ich nicht verstehen, warum wir Ärger bekommen haben, wenn wir während der Messe gelacht haben. Bereits damals war mir klar: Der liebe Gott ist keine Spaßbremse. Daher darf ein Glaubender sein eigenes Leben auch nicht allzu ernst nehmen.

Frage: Was heißt das konkret?

Linzenich: Wir müssen so leben, dass wir es gerade noch in den Himmel schaffen. Oder: Mit einer Vier minus hat man auch bestanden. Es ist wichtig, dass man den Glauben lebt und der Spaß dabei nicht zu kurz kommt.

Kabarettist Ferdinand Linzenich aus Bergisch Gladbach begann 1984 seine Bühnenkarriere.  KNA

Frage: Das sagt sehr viel über Ihr Gottesverständnis aus.

Linzenich: Ja. Denn der christliche Gott ist ein liebender und barmherziger Gott. Ein Frömmler schleimt sich durch seine ernsten Taten bei Gott ein. Er hat also Angst vor Gott. Für mich ist Gott mein Vater. Und das heißt, dass ich ihm gegenüber auch lausbubenhaft sein darf.

Frage: Können die Kirchen über sich selbst lachen?

Linzenich: Die Kirchen bestehen aus ganz verschiedenen Persönlichkeiten. Manche können mehr lachen als andere. Niemand sollte sich verstellen und ehrlich bleiben. Aber in den Kirchen fällt mir auf: Je eifernder die Menschen in ihrem Glauben sind, desto weniger Humor haben sie.

Frage: Sie bezeichnen sich selbst als «katholischen Kabarettisten». Was bedeutet das?

Linzenich: Das heißt, dass ich zu meinem Glauben stehe und aus ihm heraus mein Kabarett mache. Zudem macht es anderen Mut, wenn ich mich öffentlich zu meinem Glauben bekenne. Die Kirche ist "mein Verein". Wie zum 1. FC Köln werde ich auch zu ihr immer stehen. Dadurch habe ich die Möglichkeit bekommen, in Gottesdiensten humoristisch zu predigen.

Frage: Und wie kommen diese Predigten an?

Linzenich: Viele Gottesdienstbesucher können die Botschaft durch eine kabarettistische und emotionale Predigt viel besser verstehen. Leider ist die deutsche Kirche eine "Kopfkirche". Hier wird zu viel nachgedacht. Dagegen sind die italienischen Gottesdienste "Gänsehautmessen". Dort erfährt man in der Kirche viel mehr Freude und Vergnügen.

Frage: Hat der Spaß über Religion und Glaube irgendwo seine Grenzen?

Linzenich: Ein Witz darf nie platt sein, sondern muss so erzählt werden, wie man mit einem Florett fechtet. Diese Eleganz braucht es in Witzen über die Kirche, aber auch über andere Personen. Wie man bei Dieter Nuhr gesehen hat, ist jedoch Mut sehr wichtig. Ich würde mir genau überlegen, ob ich einen Witz über Religion mache. Dennoch denke ich mir, dass sich Gott schon was dabei gedacht hat, als er mich und meinen Humor erschaffen hat.

Frage: Was können Humor und Glaube voneinander lernen?

Linzenich: Die Wirkung von Humor entsteht erst durch die innere Überzeugung. Eine solche Haltung kann der Glaube sein, weil man hundertprozentig hinter ihm steht. Und der Glaube kann vom Humor lernen, keine Angst zu haben und positiver durch das Leben zu gehen. Denn es heißt ja auch: "Humor ist überwundenes Leiden an der Welt".

Das Interview führte Samuel Dekempe (KNA)

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