• © Bild: Sarah-Lena Eikermann

Gott und der Glitzerstaub

Obwohl sie noch klein sind, haben Kinder oft sehr eigene Vorstellungen von Gott und der Welt. Die Hildesheimer Theologie-Absolventin Sarah-Lena Eikermann hat in ihrer Master-Arbeit die Weltbilder von Grundschülern untersucht. Die Ergebnisse hat sie jetzt im "Jahrbuch für Kindertheologie" veröffentlicht.

Kinder | Hildesheim - 10.02.2013

Obwohl sie noch klein sind, haben Kinder oft sehr eigene Vorstellungen von Gott und der Welt. Die Hildesheimer Theologie-Absolventin Sarah-Lena Eikermann hat in ihrer Master-Arbeit die Weltbilder von Grundschülern untersucht. Die Ergebnisse hat sie jetzt im "Jahrbuch für Kindertheologie" veröffentlicht.

"Als erstes waren Staubkörner da. Daraus hat Gott die Erde gemacht." Dies ist einer der Sätze, den die 25-jährige Sarah-Lena Eikermann unter Grundschülern notiert hat. Mit Zweit- und Viertklässlern der städtischen Grundschule Sorsum im Landkreis Hildesheim führte die angehende Religionslehrerin Anfang 2012 eine empirische Studie durch.

Zentrale Fragen waren dabei, welches Weltbild Grundschüler haben und wie sich dieses innerhalb von zwei Lebensjahren verändert. Ebenso interessierte Eikermann, wie sich die Einflüsse aus Elternhaus, Religions- und Sachkundeunterricht auf die Weltbilder der Kinder auswirken und wie viel Eigenes hinzu kommt.

Die junge Wissenschaftlerin fand heraus, dass neben dem Unterricht auch Einflüsse von Bezugspersonen das Weltbild der Schüler prägen. Wenn Kinder in einem religiösen Elternhaus aufwachsen und im Religionsunterricht aktiv sind, bauen sie eher ein theistisches Weltbild auf. Haben Kinder dagegen zu Hause keinen Kontakt zur Religion, so herrscht ein naturwissenschaftlich geprägtes Verständnis vor.

Bezüge zur Schöpfungsgeschichte

Anders als bei den interviewten Viertklässlern kamen bei den Zweitklässlern noch häufiger Bezüge zur Schöpfungsgeschichte und zu Gott vor. So sagte einer: "Nein, Gott hat die geschaffen, die Erde! (...) Und die Menschen! Also die Menschen hätte er so aus Sand und Staub gemacht." Eine Zweitklässlerin bastelte sich aus Bibel und Naturwissenschaft ihr eigenes, hybrides Weltbild: "Die Welt ist vielleicht aus Wasser entstanden oder von Gott, weil er Blumen und uns Menschen machte."

Bei einem Schüler der zweiten Klasse waren auch mediale Einflüsse erkennbar, weil er im Laufe des theologischen Gespräches die Filmreihe "Star Wars" für seine Erklärungen heranzog. Ein Mädchen sagte: "Die Welt hat Gott erschaffen mit Glitzerstaub." Bei den Älteren dagegen dominierte eher das naturwissenschaftlich geprägte Weltbild, berichtet Sarah-Lena Eikermann.

Eine zehnjährige Schülerin malte dieses hybride Weltbild und schrieb dazu: "Ich glaube dass die Erde durch einen Urknall entstanden ist und dass Gott die Erde bevölkert hat".
Eine zehnjährige Schülerin malte dieses hybride Weltbild und schrieb dazu: "Ich glaube dass die Erde durch einen Urknall entstanden ist und dass Gott die Erde bevölkert hat".
 Sarah-Lena Eikermann

Aber auch das "hybride Weltbild" kam vor, in dem beide Erklärungsansätze, der naturwissenschaftliche und der christliche, nebeneinander ihre Daseinsberechtigung haben. Übrigens ein Thema, mit dem sich immer wieder auch viele Erwachsene befassen: wie denn die Erkenntnisse der Naturwissenschaften sich mit den biblischen Schilderungen und dem Glauben vereinbaren lassen.

Ein Viertklässler entwickelte dazu eine eigene integrierte Theorie: "Also ich meine das war Zufall, dass der Urknall dann gekommen war. Es kann auch sein, dass Gott außerhalb des Universums so ein Haus hat und da in seinem Haus ist er die Treppe runtergefallen und da gabs nen, dann hat das da gebebt und das hat Druck aufgebaut auf das schwarze Loch und dann gabs nen Urknall vielleicht."

Wertvolle Gedankengebäude

Gedankengebäude wie diese findet Sarah-Lena Eikermann wichtig und wertvoll. Sie wünscht sich von Eltern und Kollegen, dass sie Kindern den Raum geben, solche Weltbilder zu entwerfen und zu überprüfen. "Man sollte ihnen zutrauen, dass sie sich mit solchen komplexen Themen auseinandersetzen können."

Die Beispiele aus ihrer Studie zeigten, dass sich Grundschüler schon sehr früh mit solchen Fragen beschäftigen, die auch Erwachsene immer wieder aufrütteln. Es gelte, die Kinder ernst zu nehmen und weiter zu fragen: "Wie sind die naturwissenschaftlich belegbaren Prozesse in Gang gekommen? Welche Bedeutung haben die biblischen Worte zur Schöpfungsgeschichte? Sagt die Bibel uns genau, wie es passiert sein muss, oder könnte damit vielleicht auch etwas anderes gemeint sein?"

Auch im Kollegenkreis stieß Eikermann mit ihrem Studienvorhaben auf offene Ohren. "Einige haben sich selbst in den Fragen der Kinder wiedergefunden." Auch künftig möchte sich die angehende Religionslehrerin mit kindertheologischen Ansätzen befassen. Das ist auch ein Verdienst ihres Hildesheimer Professors Martin Schreiner vom Institut für evangelische Theologie. Ihr Referendariat wird Sarah-Lena Eikermann an eben jener Grundschule absolvieren, an der sie die Studie umsetzte. Zurzeit unterrichtet sie dort ihre Fächer Religion und Deutsch in der dritten sowie einer ersten Klasse. Auch dort möchte sie die Kinder gebührend "zu Wort kommen lassen".

Von Sasch Stienen

Weitere Informationen

Sarah-Lena Eikermanns Studie "Weltbilder von Grundschulkindern heute" ist im LIT-Verlag (Berlin 2012, 176 Seiten) erschienen. Die Ergebnisse präsentiert sie auch im "Jahrbuch für Kindertheologie". Mit diesem Kompendium aus dem Calwer Verlag Stuttgart möchten die Herausgeber Christina Kalloch und Martin Schreiner das Anliegen des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) unterstützen, die Theologie des Kindes zu fördern und als integralen Bestandteil der theologischen Aus- und Fortbildung zu etablieren. Das Fachbuch vereint Artikel über theoretische Grundlagen und empirische Forschung mit pädagogischen Anregungen und Buchbesprechungen.

Impressum  |  Über uns  |  Datenschutz  |  © 2016