Gottes Abenteuer

Ein Geheimtipp sind die Werke von Innokenti Baranov nicht mehr. Einige Arbeiten des 39-jährigen russischen Malers hängen bereits bei Altkanzler Gerhard Schröder und Ex-US-Präsident Bill Clinton. Zuletzt stellte der Künstler, der in Berlin lebt und arbeitet, in Moskau eine Bilderserie unter dem Titel "Gottes Abenteuer" vor. Es sind überschäumend farbenfreudige Gemälde. Einige zeigen einen Mann mit Heiligenschein und Bart.

Kultur | Berlin - 03.06.2014

Ein Geheimtipp sind die Werke von Innokenti Baranov nicht mehr. Einige Arbeiten des 39-jährigen russischen Malers hängen bereits bei Altkanzler Gerhard Schröder und Ex-US-Präsident Bill Clinton. Zuletzt stellte der Künstler, der in Berlin lebt und arbeitet, in Moskau eine Bilderserie unter dem Titel "Gottes Abenteuer" vor. Es sind überschäumend farbenfreudige Gemälde. Einige zeigen einen Mann mit Heiligenschein und Bart.

Die Werke pendeln zwischen Ernst und Witz, mit einem Zug ins Absurde. Baranov spielt mit verschiedenen Stilen, vom Expressionismus bis zur Karikatur. Gelernt hat er sein Metier in Moskau an der Kunstfachhochschule sowie an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien, wo er Malerei und Trickfilm studierte. Er kann Ausstellungen in Wien, Berlin, Hamburg, New York, Zürich und immer wieder auch in der russischen Hauptstadt vorweisen. Ende dieses Jahres plant er eine Schau in Hamburg.

Berlin ruhiger als Moskau

Baranovs Kontakte mit Schröder ergaben sich nicht zufällig. Auf den russlandfreundlichen Altkanzler kam er, als er eine große Karikaturen-Serie für einen SPD-Wahlkampf zeichnete. Später gab es eine Ausstellung von ihm in Sachsen-Anhalt, die Schröder eröffnete.

In Berlin lebt Baranov, weil er dort nach eigener Aussage besser arbeiten kann. Es sei für ihn ruhiger und ungestörter. "Moskau saugt die Energie aus", sagt der Maler. Sein Leitmotiv beschreibt er so: "Erst losmalen, egal wie du drauf bist, und dann hoffen, dass die Eingebung kommt. Sie kommt auch meistens", versichert er.

Mehr Bilder als erwartet

Die Serie "Gottes Abenteuer" sollte eigentlich nur aus ein paar Bildern bestehen, die er im Rahmen eines Projektes malte. Es wurden dann doch mehr. Es sind keine Andachtsbilder. Gott findet sich an verschiedenen Orten, im Gefängnis, in der freien Landschaft, er schaut auch ins Fenster zu einem lesbischen Paar.

Innokenti Baranov vor einem Bild
Der russische Maler Innokenti Baranov hat eine Schau mit dem Titel "Gottes Abenteuer" erstellt.
 KNA

Bei "Gott auf der Krim oder Sorry, ich bin beschäftigt" sitzt der Allerhöchste mit einem Joint in der Hand, während weiter hinten Schiffe der Marine zu sehen sind - ein Verweis auf die die aktuelle politische Situation. Oft sieht Gott aus wie ein Fragender, neugierig auf die Menschen und ihr Tun. Die Arbeiten können provozieren - auch zu einer anderen Sicht auf das eigene Gottesbild.

Aus Satire wird Wärme

In Moskau lief die Schau zwar problemlos. Wenn sie aber wie geplant in anderen Städten des Riesenreichs gezeigt wird - im Juni in Samara, im August in Wladiwostok - weiß der Künstler nicht, was kommen wird. Immerhin wurden im Land Putins bereits Ausstellungen, die sich auf unkonventionelle Weise mit Gott und Religion auseinandersetzten, verboten oder von Gläubigen gestürmt. Auch Russlands derzeitige Kulturpolitik beruft sich auf "traditionelle Werte".

Kritiker werfen der Kunstszene des Landes vor, unter diesem Druck immer opportunistischer zu werden. Baranov indes hält sich mit solchen Bewertungen zurück. Lieber spricht er über seine Bilder. Die Beschäftigung mit der Religion habe ihn verändert, betont er: "Aus der Satire wurde eine warme, nette Geschichte über meine Beziehung mit Gott."

Von Thomas Arzner (KNA)

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