Habt Geduld mit meinen Fehlern

Die ersten Reaktionen auf die Ernennung von Stefan Oster zum Bischof von Passau waren durchweg positiv. Nun, nach knapp einer Woche, konnten die Gläubigen im Bistum den 48-jährigen Salesianerpater persönlich kennenlernen. Am Donnerstag stattete der frühere Benediktbeurer Dogmatikprofessor Oster seiner künftigen Diözese einen Besuch ab und wurde in Altötting und Passau von rund 4.000 Menschen empfangen. Ihnen erzählte er auch sehr Persönliches über sich.

Bistum Passau | Altötting/Passau - 11.04.2014

Die ersten Reaktionen auf die Ernennung von Stefan Oster zum Bischof von Passau waren durchweg positiv. Nun, nach knapp einer Woche, konnten die Gläubigen im Bistum den 48-jährigen Salesianerpater persönlich kennenlernen. Am Donnerstag stattete der frühere Benediktbeurer Dogmatikprofessor Oster seiner künftigen Diözese einen Besuch ab und wurde in Altötting und Passau von rund 4.000 Menschen empfangen. Ihnen erzählte er auch sehr Persönliches über sich.

Der Salesianerpater hatte entschieden, seinen Antrittsbesuch im wichtigsten bayerischen Marienwallfahrtsort zu beginnen und dort zu beten. Bei seiner Ankunft auf dem Altöttinger Kapellplatz brach die Sonne durch den regnerischen Himmel. Glockengeläut und ein Spalier von Fahnenträgern, Kindern, Ordensschwestern und Schaulustigen geleiteten ihn zur Schwarzen Madonna – insgesamt waren 1.500 Menschen gekommen, um "den Neuen" zu sehen.

"Aufgeblasene Eitelkeit"

Oster, der nur ein schlichtes Chorgewand und eine lila Stola trug, schüttelte unzählige Hände, bevor er am Eingang des Heiligtums seine Eltern umarmte. "Ich danke Gott und dem Papst, dass er Sie zu meinem Nachfolger erwählt hat", hieß ihn Altbischof Wilhelm Schraml (78) willkommen. "Das Bistum erwartet Sie mit großer Hoffnung und innerer Freude." Der Altöttinger Bürgermeister überreichte dem künftigen Bischof einen Geschenkkorb. "Die Zeit des Wartens und des Hoffens ist vorbei", sagte der Passauer Diözesanadministrator Klaus Metzl. "Wir haben wieder einen Bischof." Der Bischofsstuhl war seit Oktober 2012 vakant. Osters Bischofsweihe und Amtseinführung finden am 24. Mai im Passauer Stephansdom statt.

Player wird geladen ...
Salesianer-Pater Stefan Oster als neuer Bischof von Passau vorgestellt
 Vanessa Biermann

In einer persönlich gehaltenen Ansprache wandte sich Oster zuerst an die Kinder, Jugendlichen und Gläubigen, danach an die Ehrengäste und geistlichen Würdenträger. Freimütig erzählte er von seinen zwiespältigen Gefühlen in den zurückliegenden Wochen. Die Angst vor Überforderung habe ihm unruhige Nächte beschert. Dazu sei eine sich zunächst positiv anfühlende, aber im Grunde gefährliche Emotion gekommen, nämlich die, eine solche Erwählung verdient zu haben. Dies sei nur "aufgeblasene Eitelkeit" gewesen. Seinen inneren Frieden habe er erst im "betenden, inneren Blick weg von sich selbst" auf Jesus und Maria gefunden.

"Der Sieg der Wahrheit ist die Liebe"

Nach dem Besuch von Altötting fuhr Oster nach Passau, wo 2.500 Menschen auf ihn warteten. Dort schallte ihm vor dem Stephansdom ein Ehrensalut der Böllerschützen entgegen. Die Kathedrale war bis auf den letzten Platz besetzt. Mehrfach wurde seine Ansprache von Applaus unterbrochen.

In der Rede erläuterte Oster mit Blick auf seinen Namenspatron, den ersten christlichen Märtyrer Stephanus, seinen Bischofs-Wahlspruch: "Der Sieg der Wahrheit ist die Liebe". Er wies darauf hin, dass abstrakte Wahrheiten ohne lebendigen Glaubenshintergrund zu Kälte tendierten und so nicht die Herzen der Menschen erreichen könnten. Der gebürtige Oberpfälzer sagte, er freue sich auf die Weggemeinschaft mit den Menschen in Nieder- und Oberbayern, auch wenn es ihm noch nicht leicht falle, von "seinem" Bistum zu sprechen. Eine solche Identität müsse erst wachsen.

Seine Zuhörer in Altötting und Passau sprach der Pater bevorzugt mit "meine Lieben" an. Er bat sie um ihr Gebet und zugleich um Geduld mit seinen Fehlern, Schwächen und Zumutungen. Sein Gesang in der Liturgie sei etwa "eher schwächlich", außerdem neige er dazu, "gelegentlich in der Länge der Predigten etwas zu überziehen", so Oster. (luk/KNA)

Stefan Oster im Porträt

Journalist, Jongleur, Junior-Bischof: Stefan Oster übernimmt das Bistum Passau - als jüngster deutscher Diözesanbischof. Und er bringt noch weitere ungewöhnliche Eigenschaften mit.

Stefan Oster im Porträt

RSS-Feeds  |  Impressum  |  Über uns  |  Datenschutz  |  © 2018