Heiliger Geist "wird nicht Urlaub machen"

Trotz mancher Kontroversen blickt der Wiener Kardinal Christoph Schönborn hoffnungsvoll auf die kommende Familiensynode. Die Positionen des Papstes zu Themen wie Homosexualität und Wiederverheirateten lobte der Kardinal als evangeliumsgemäß.

Familiensynode | Washington - 11.08.2015

Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn hat die Positionen von Papst Franziskus zu Homosexualität und wiederverheirateten Geschiedenen als evangeliumsgemäß gelobt. Die Standpunkte des Papstes seien "an Jesus orientiert und im Evangelium grundgelegt", sagte Schönborn im Interview der US-Kirchenzeitung "National Catholic Register" (Onlineausgabe). Kontext der Äußerung war eine Journalistenfrage im Jahr 2013 über Homosexuelle und Franziskus Antwort: "Wer bin ich, dass ich ein Urteil spreche?"

Der Wiener Erzbischof zeigte sich in dem Interview im Rahmen seiner USA-Reise zuversichtlich, dass der Heilige Geist bei der bevorstehenden Bischofssynode trotz mancher Kontroversen "nicht Urlaub machen" werde.

Wörtlich sagte Schönborn auf die Frage nach einer möglichen vom Papst ausgelösten Verwirrung unter Katholiken: "Was Franziskus (...) gesagt hat - ist das nicht in der Tat genau das, was Jesus im Evangelium gesagt hat? Jesus sagte zu der Frau: 'Ich beurteile dein Verhalten nicht.'" Weiter führte der Kardinal aus, Jesus habe in der Bergpredigt gesagt: "'Richtet nicht.' Er sagte nicht, nennt das Gute böse und das Böse gut. Die Enthaltung von einer Beurteilung bedeutet doch niemals, das Gute als böse und das Böse als gut zu bezeichnen", so der Wiener Erzbischof.

Mit seiner vielzitierten Aussage zur Homosexualität habe der Papst eine Reaktion gezeigt, "die direkt aus dem Evangelium gekommen ist", so Schönborn weiter. "Er sagte nur: Wer bin ich, um zu urteilen? Gott ist der Richter." In allen lehrmäßigen Texten sei Franziskus jedoch "sehr klar" zur Frage gleichgeschlechtlicher Partnerschaften gewesen. "Ich sehe deshalb das Problem nicht. Ich sehe das Problem vielmehr bei jenen, die die damalige Papstäußerung als Problem sehen", so der Kardinal.

Fragen über Ehe und Familie offen, ehrlich und ohne Angst diskutieren

Er wies auch die Einschätzung zurück, einige Bischöfe im nördlichen Europa wollten bei der Familiensynode im Oktober "die kirchliche Lehre in Frage stellen" und "Konflikte provozieren", indem sie sich gegen jene stellten, die "wollen, dass die katholische Lehre und pastorale Praxis über die Ehe so bleibt, wie sie ist". Schönborn: "Die europäischen Kirchen sind kein Block." Es gebe sehr unterschiedliche Situationen in den einzelnen europäischen Ländern. Generell aber habe er "den Eindruck, dass wir Opfer der typischen Mediennotwendigkeit sind, alles in Schwarz oder Weiß zu setzen".

Der Wiener Kardinal rief dazu auf, die Fragen über Ehe und Familie "jetzt offen und ehrlich" und "ohne Angst" zu diskutieren. Er sei "überzeugt, dass die in der Synode vorgebrachten Positionen nicht so weit voneinander entfernt sind, wie die Medien dies suggerieren". Auch bei der ersten Synode in der Geschichte der Kirche, dem sogenannten Apostelkonzil in Jerusalem, habe es eine lebhafte und sehr harte Debatte gegeben, erinnerte Schönborn. "Aber alles endete mit einer großen Einigkeit. Er blicke daher "sehr hoffnungsvoll" auf die Synode, die vom 4. bis 25. Oktober in Rom stattfindet. (KNA)

Impressum  |  Über uns  |  Datenschutz  |  © 2017