Hoffnung auf den Papst der Armen

Zu den auffälligsten Gästen an diesem Tag auf dem Petersplatz gehört Massimo. Auch wenn er nicht unter den Präsidenten und Königen, den Patriarchen und Vertretern der Weltreligionen zu finden ist. Massimo, pensionierter Handwerker aus Assisi, dichter Vollbart, ist nur einer von den Hunderttausenden, die sich seit dem frühen Dienstagmorgen zur Messe auf dem Petersplatz versammelt haben.

Amtseinführung | Vatikanstadt - 19.03.2013

Zu den auffälligsten Gästen an diesem Tag auf dem Petersplatz gehört Massimo. Auch wenn er nicht unter den Präsidenten und Königen, den Patriarchen und Vertretern der Weltreligionen zu finden ist. Massimo, pensionierter Handwerker aus Assisi, dichter Vollbart, ist nur einer von den Hunderttausenden, die sich seit dem frühen Dienstagmorgen zur Messe auf dem Petersplatz versammelt haben.

Und er kommt in einem Kittel aus grobem, braunem Sackleinen, mit Wanderstab, die nackten Füße aufgesprungen. Ein paar Tage sei er unterwegs gewesen. "Das letzte Stück in die Stadt hab ich den Zug genommen."

Großer Sympathiebonus

So ähnlich mag er ausgesehen haben, der heilige Franziskus, dessen Name nun der Papst trägt - ein Programm für die Armen dieser Welt, meinen viele. Der Sympathievorschuss für den ersten Lateinamerikaner auf dem Stuhl Petri ist groß. Und der Empfang bei Orgelklängen und Geläut jubelnd, als Jorge Mario Bergoglio, der argentinische Papst, gegen 9.00 Uhr zum ersten Mal im offenen Papamobil über den Petersplatz gleitet, lächelt, die Menschen begrüßt und segnet. Er wirkt entspannt. "Camminiamo con te", ruft eine italienische Gruppe - wir sind mit Dir auf dem Weg. Immer wieder lässt Franziskus anhalten, steigt vom Jeep - seine 76 Jahre merkt man ihm kaum an - herzt Kinder, küsst einen Behinderten. Der Funke springt über an diesem römischen Frühlingsmorgen.

Player wird geladen ...
Katholisch-de-Spezial zur Amtseinführung von Papst Franziskus
 katholisch.de

Auffallend viele Lateinamerikaner sind mit ihren Nationalfahnen gekommen. Nun sind sie alle Papst, von Feuerland bis Acapulco, so scheint es. "Franziskus wird die Welt verändern", glaubt eine Argentinierin aus Patagonien, die zu ihrem großen Glück den Namen Francesca trägt. "Die Welt, aber nicht den Vatikan", fügt die Frau mit einem Schuss Skepsis hinzu. Sie hat ihre Ersparnisse für die Reise über den Atlantik angebrochen. Auf ihrem T-Shirt prangt ein Pinguin, das Wahrzeichen ihrer südargentinischen Heimat. Eine Pilgerin vom anderen Ende der Welt, aber mit italienischen Wurzeln wie ihr Papst.

Professionelle Medienarbeit

Währenddessen steigt der neue Bischof von Rom hinab zum Petrusgrab, über dem sich der Dom erhebt, und betet. Hier sind die päpstlichen Amtsinsignien aufbewahrt und werden nun in feierlicher Prozession durch die leere Peterskirche zum Vorplatz gebracht. Immer begleitet von den Kameras des vatikanischen Fernsehens und übertragen auf Großbildwände in der Menge. Die Medienarbeit des Kirchenstaats ist professionell. Auf dem Vorplatz der Kathedrale, wo den Papst auch Hunderte Staatsgäste, Kirchen- und andere Religionsvertreter empfangen, präsentiert sich Franziskus in dem einfachen weißen Messgewand und mit der einfachen Mitra, die er schon bei seiner ersten Messe vor den Kardinälen bevorzugte - und ihnen damit eine neue Schlichtheit vorlebte.

Player wird geladen ...
Impressionen vom Petersplatz
 katholisch.de

Die Messe folgt der Liturgie des Tagesheiligen Josef. Durch Litaneien und Choräle atmet sie die Würde der zweitausendjährigen Institution, doch prunkvoll ist sie nicht. Was für die Menschen zählen wird, sind die Worte. Zu Beginn seiner Predigt erinnert Papst Franziskus unter Applaus an den Vorgänger Benedikt XVI., dem er "voller Liebe und Dankbarkeit" im Gebet verbunden sei.

Dann folgen bald Worte, die zu Taten aufrufen: Der Papst fordert Solidarität mit Armen, Schwachen und Ausgestoßenen. Es gehe besonders "um die Kinder, die alten Menschen, um die, die schwächer sind und oft in unserem Herzen an den Rand gedrängt werden". Franziskus spricht jetzt besonders engagiert, immer wieder brandet Applaus auf.

Pflicht für die Ärmsten, die Schwächsten, die Geringsten

Er selbst habe nun als Papst eine besonderer Pflicht für "die Ärmsten, die Schwächsten, die Geringsten, diejenigen die Matthäus im Letzten Gericht über die Liebe beschreibt: die Hungernden, die Durstigen, die Fremden, die Nackten, die Kranken, die Gefangenen".

Aber auch vom Wert der Familie und von der Verantwortung für die Schöpfung spricht dieser Papst. An dieser Stelle richtet er sich auch direkt an die vor ihm sitzenden Staats- und Regierungschefs und ruft sie auf, "Hüter des anderen und Hüter der Umwelt" zu sein. "Er ist so wie ich ihn mir vorgestellt habe", sagt eine Venezolanerin. Als die Messe nach zwei Stunden endet, ist für viele klar: Dieser Bischof von Rom ist ein Papst für die Welt geworden.

Von Christoph Schmidt (KNA)

Impressum  |  Über uns  |  Datenschutz  |  © 2016