Im Zweifel geht Papst vor Partei

An Sonntagen tickt Karl-Josef Laumann nach der Kirchenuhr. "Nach dem Hochamt", erzählt der bodenständige Christdemokrat aus dem westfälischen Riesenbeck, finde bei ihm zu Hause regelmäßig eine Bürgersprechstunde statt. Dann werden die beiden Wohnzimmer zum Haus der offenen Tür erklärt. "In dem einen Zimmer warten die Leute, in dem anderen bespreche ich mit ihnen unter vier Augen ihre Anliegen", berichtet der CDU-Politiker, der künftig in der großen Koalition als Regierungsbeauftragter für Pflege und Patienten fungieren soll.

Große Koalition | Düsseldorf - 09.01.2014

An Sonntagen tickt Karl-Josef Laumann nach der Kirchenuhr. "Nach dem Hochamt", erzählt der bodenständige Christdemokrat aus dem westfälischen Riesenbeck, finde bei ihm zu Hause regelmäßig eine Bürgersprechstunde statt. Dann werden die beiden Wohnzimmer zum Haus der offenen Tür erklärt. "In dem einen Zimmer warten die Leute, in dem anderen bespreche ich mit ihnen unter vier Augen ihre Anliegen", berichtet der CDU-Politiker, der künftig in der großen Koalition als Regierungsbeauftragter für Pflege und Patienten fungieren soll.

Wegen seiner Bürgernähe genoss Laumann während seiner 23-jährigen Parlamentarierzeit im Bundestag und Düsseldorfer Landtag den Ruf eines wandelnden Petitionsausschusses. "Ich bin ein Mensch, der immer ganz besonders die Leute gemocht hat, die es nicht so einfach haben", sagt Laumann. Ob Ärger mit Behörden, mit Renten- oder Pflegeversicherung: Laumann kümmert sich um jeden Einzelfall.

Bundeskanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel hatte Laumann, der zuletzt CDU-Oppositionsführer im NRW-Landtag war, zu einem Wechsel vom Rhein an die Spree überredet, weil sie auf Unionsseite ein "soziales Gegengewicht" zum sozialdemokratischen Koalitionspartner setzen wollte. Der CDU-Linke gilt als "soziales Gewissen" der Union und "letzter Erbe von Norbert Blüm". Seit 2005 ist der gelernte Maschinenschlosser Bundesvorsitzender der Christlich Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), seit 1998 führt er die Katholische Arbeitnehmerbewegung im Nord-Münsterland. In seinem neu geschaffenen Amt des Pflege- und Patientenbeauftragten sitzt der eingefleischte Sozialpolitiker künftig im Bundesgesundheitsministerium - im Range eines beamteten Staatssekretärs.

Gesellschaft soll Pflegeproblematik nicht ausblenden

"Ich bleibe Politiker", versichert der 56-Jährige. "Wer glaubt, man könne aus mir einen Beamten machen, der hat sich geirrt. Ich habe nichts gegen Beamte, aber ich bin nicht der Typ dafür." In seiner künftigen Funktion will Laumann nicht den Apparaten und Interessenverbänden dienen, sondern den Kranken und Schwachen. Seine Mission hält er dann für erfüllt, wenn die betroffenen Menschen über ihn sagten, "es ist ganz gut, dass wir da so einen Typen haben".

In der Pflegepolitik sieht Laumann, der von 2005 bis 2010 NRW-Gesundheitsminister war, für die nächsten Jahre angesichts der immer älter werdenden Gesellschaft "eine Riesenherausforderung". Dies werde von großen Teilen der Gesellschaft gegenwärtig "am liebsten ausgeblendet". Auch er glaube nicht, dass dieser Lebensabschnitt "schön zu gestalten" sei, bekennt der Politiker, "aber ich bin fest davon überzeugt, dass man ihn in einer solidarischen Gesellschaft menschlich und würdevoll gestalten kann".

Ich habe nichts gegen Beamte, aber ich bin nicht der Typ dafür.

Karl-Josef Laumann

Zugleich beunruhigt den designierten Patientenbeauftragten, dass in den ländlichen Regionen die Hausärzte auszusterben drohen. Die meisten Menschen wollten in den eigenen vier Wänden alt werden und womöglich auch sterben. "Das bekommen Sie zu Hause nur hin, wenn Sie im Dorf oder im Stadtteil noch einen Arzt haben, der dann auch Hausbesuche macht und Menschen mit deren Familien auf dem letzten Lebensabschnitt begleitet."

Talisman von Hannelore Kraft zum Abschied

Seit seinem 16. Lebensjahr ist Laumann politisch engagiert. Eine seiner Triebfedern ist der christliche Glaube . "Ich glaube, dass jeder Mensch seine Würde deswegen hat, weil er ein Ebenbild Gottes ist." Im Zweifel hört der rustikale Westfale mehr auf den Papst als auf seine Partei. Von Papst Franziskus ist er geradezu entzückt, weil er "frischen Wind in die Kirche bringt, den Finger in die Wunden der Zeit legt und sich unermüdlich für die Armen und Hilfsbedürftigen einsetzt", schwärmt Laumann. "Bei Papst Franziskus stehen Reden und Handeln im Einklang. Damit ist er ein Vorbild für uns alle."

NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) hat Laumann nach dessen letzter Rede im Düsseldorfer Landtag ihren Talisman geschenkt. "Sie sind ein Mensch mit sehr viel Herz", sagte Kraft zu ihrem politischen Gegenspieler. "Wir haben eine gewisse Vorstellung davon, was in Berlin abgeht. Deshalb schenke ich ihnen meinen kleinen Schutzengel. Sie erwartet ein raues Umfeld."

Von Johannes Nitschmann (KNA)

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