• © Bild: xurzon/Fotolia.com

"In der Geschäftswelt üblich"

Das Erzbistum Köln will den Besitz einer Briefkastenfirma in den Niederlanden überprüfen. Das sagte Sprecher Michael Kasiske dem „Bonner General-Anzeiger" (Freitag). Zugleich betonte Generalvikar Stefan Heße im Kölner Bistumssender "Domradio", dass es bisher keinen Anlass gegeben habe, die legale Gesellschaft zu liquidieren. Damit bestätigte das Erzbistum einen Bericht der Wochenzeitung "Die Zeit", die als erstes von einem Immobilienkauf über eine Briefkastenfirma berichtet hatte.

Erzbistum Köln | Köln/Bonn - 14.02.2014

Das Erzbistum Köln will den Besitz einer Briefkastenfirma in den Niederlanden überprüfen. Das sagte Sprecher Michael Kasiske dem „Bonner General-Anzeiger" (Freitag). Zugleich betonte Generalvikar Stefan Heße im Kölner Bistumssender "Domradio", dass es bisher keinen Anlass gegeben habe, die legale Gesellschaft zu liquidieren. Damit bestätigte das Erzbistum einen Bericht der Wochenzeitung "Die Zeit", die als erstes von einem Immobilienkauf über eine Briefkastenfirma berichtet hatte.

Die Erzdiözese habe sich beim Kauf einer Immobilie direkt gegenüber dem Hauptportal des Kölner Doms auf die Bedingung des Vorbesitzers eingelassen und die niederländische Besitzgesellschaft "BRD Domkloster B.V." miterworben, die eigens als Eigentümerin des Gebäudes gegründet worden war, sagte Bistumssprecher Kasiske. In dem 1991 gekauften Geschäftshaus ist heute unter anderem die Passantenpastoral "Domforum" untergebracht. Das Verfahren sei völlig legal und "in der Geschäftswelt so üblich", so der Sprecher weiter.

Die Immobilienfirma habe vier Millionen D-Mark eingespart, das Erzbistum nach Angaben der Wochenzeitung rund zwei Millionen D-Mark, indem es nur 90 Prozent des Gebäudes übernahm und die restlichen 10 Prozent das Domkapitel als eigene Körperschaft des öffentlichen Rechts erwarb. Grunderwerbssteuer wird nur fällig, wenn ein Gesellschafter mehr als 95 Prozent hält. "Wir wissen, dass an uns als Kirche bei der Geldanlage andere ethische Erwartungen geknüpft werden als an Wirtschaftsunternehmen", sagte Kasiske.

Der Sprecher verwies aber auch darauf, dass eine Rückübertragung des "Domforum"-Gebäudes aus den Niederlanden mit Kosten verbunden sei. "Das Geld geht dann auch den Sozialeinrichtungen der Kirche verloren", so der Sprecher. Und: "Bei 50.000 Mitarbeitern brauchen wir schließlich solide Finanzrücklagen."

Für Dompropst Norbert Feldhoff, als damaliger Generalvikar für den Immobilien-Deal verantwortlich, ist der Fall dagegen klar, erklärte er dem "Kölner Stadt-Anzeiger". "Illegale Steuertricks oder unsaubere Transaktionen hätte ich niemals gebilligt", so der Dompropst. Es sei weder anrüchig noch unverantwortlich, die Möglichkeiten zu nutzen, die das Steuerrecht biete.

Auch Generalvikar Heße verteidigte den Erwerb des Gebäudes als "einmalige pastorale Chance". Das Haus, in dem auch das "Domradio" untergebracht ist, sei ein "Zentrum für die Seelsorge, Bildung und Kultur". Die "Zeit" zitiert einen früheren Mitarbeiter der Erzdiözese, wonach der Preis für das Gebäude von 78 Millionen Mark völlig überteuert gewesen sei.

Heße räumte auch ein, dass das Erzbistum in einen Fonds investiert habe, der nicht den ethischen Richtlinien der Kirche entspreche. Die Investition in den Warburg-Fonds sei aber in kürzester Zeit korrigiert worden. In dem Fonds befinden sich laut "Zeit" Aktien von Pharmafirmen, die selbst oder deren Tochterunternehmen Antibabypillen herstellen. Zudem lege der Fondsmanager von Warburg Geld unter anderem bei der Bank of America an, die nach einer Studie der Nichtregierungsorganisation ICAN in Atomwaffen- und Rüstungsindustrie investiere.

Als Briefkastenfirmen werden Unternehmen bezeichnet, die im Ausland gegründet werden, um in Deutschland Steuern zu vermeiden oder Geldströme zu verschleiern. Viele internationale Konzerne nutzen solche legalen Konstrukte, um Gewinne aus Deutschland in Länder zu verschieben, wo sie dafür weniger Steuern zahlen müssen. (bod/KNA)

Impressum  |  Über uns  |  Datenschutz  |  © 2016