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In die nächste Runde

In der katholischen Kirche geht die Diskussion über den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen weiter. Mehrere Kardinäle aus Deutschland sprachen sich am Wochenende unter bestimmten Voraussetzungen und Prüfung der jeweiligen Fälle für eine Zulassung der Betroffenen zum Kommunionempfang aus. Zugleich betonten sie den nach katholischem Verständnis unauflöslichen Charakter der Ehe.

Diskussion | Rom/Berlin - 16.03.2014

In der katholischen Kirche geht die Diskussion über den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen weiter. Mehrere Kardinäle aus Deutschland sprachen sich am Wochenende unter bestimmten Voraussetzungen und Prüfung der jeweiligen Fälle für eine Zulassung der Betroffenen zum Kommunionempfang aus. Zugleich betonten sie den nach katholischem Verständnis unauflöslichen Charakter der Ehe.

Kritik an dieser Position kam von dem italienischen Kardinal Carlo Caffarra (75). In der Zeitung "Il Foglio" (Samstag) warnte der Erzbischof von Bologna energisch vor einer Zulassung von Geschiedenen zur Eucharistie. Entscheidungen von Fall zu Fall dürfe es nicht geben, da sie einer Segnung von Scheidung gleichkämen. Barmherzigkeit dürfe nicht mit "Heuchelei" verwechselt werden.

Nach Ansicht des emeritierten Kurienkardinals Walter Kasper (81), der Ende Februar vor der Kardinalsversammlung in Rom ein viel beachtetes Referat zu dem Thema hielt, lässt sich die Debatte über die Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zur Kommunion nicht aufhalten. Das Problem betreffe zu viele Menschen, und Papst Franziskus wolle eine Lösung, sagte Kasper dem italienischen Magazin "Famiglia Cristiana".

Katholische Lehre nicht aufweichen

Kasper stellte aber klar, die katholische Lehre lasse sich nicht aufweichen, denn sie fuße auf den bindenden Worten Jesu. Allgemeine Lösungen für Katholiken, die nach einer kirchlichen Eheschließung und einer Scheidung erneut zivil heiraten, könne es daher nicht geben. Die jeweiligen Situationen der Betroffenen seien "sehr, sehr verschieden". Es stelle sich aber die Frage, ob man wiederverheirateten Geschiedenen, die sich um ein christliches Leben bemühten, die Vergebung verweigern könne. "Für mich ist vor Gott keine Situation vorstellbar, in der jemand in einer Schlucht ohne Ausweg gefangen ist. Das ist gegen die Barmherzigkeit Gottes."

Ähnlich äußerte sich der neue Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx (60). Der Erzbischof von München und Freising nahm in der "Welt am Sonntag" Bezug auf Kaspers Referat in Rom . Darin habe dieser vorgeschlagen, "dass Geschiedene, die ihr Scheitern anerkennen, nach einer Bußzeit eine Wiederzulassung zu den Sakramenten beantragen können", fasste Marx die Position seines Amtsbruders zusammen. Er persönlich halte dies für einen gangbaren Weg, "der aber immer auf einzelne Fälle bezogen sein muss". Marx wörtlich: "Ich würde befürworten, wenn wie in diese Richtung weiterdiskutieren würden."

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Ein Beitrag der Serie "Katholisch für Anfänger". Die Zeichentrickserie erklärt auf einfache und humorvolle Art zentrale Begriffe aus Kirche und Christentum. In dieser Folge geht es um das Sakrament der Ehe und das Eheversprechen, das sich die Eheleute gegenseitig geben.  katholisch.de

"Verträgliche Lösungen" finden

Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann (77) rief in seinem am Wochenende veröffentlichten Fastenhirtenbrief zur Suche nach "verträglichen Lösungen" im Umgang der Kirche mit wiederverheirateten Geschiedenen. In dem Schreiben machte Lehmann deutlich, dass er Forderungen nach mehr Barmherzigkeit im kirchlichen Handeln gut verstehen könne. "Pauschale Lösungen" werde es in dieser Frage allerdings nicht geben. Man müsse die Lebenssituationen der Betroffenen gut unterscheiden.

Es sei ein großer Unterschied, ob jemand seinen Ehepartner und seine Familie verlasse oder ob jemand selbst "schnöde verlassen worden" sei, schrieb Lehmann. Zugleich betonte er die Treue der Kirche zu den Worten Jesu. So müsse Barmherzigkeit zwar ein Schlüsselwort für die Verkündigung der Kirche sein. "Aber Barmherzigkeit als Grundforderung schließt auch bei Jesus selbst nicht die Geltung von Geboten als Richtschnur des Handelns aus", heißt es in der Schrift.

Ausdrücklich bat der langjährige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz "die Betroffenen in schwierigen Ehesituationen" um "Verständnis und Geduld". Sie seien keineswegs einfach aus der Gemeinschaft der Kirche ausgeschlossen: "Sie gehören zu uns und haben Anspruch auf den Beistand und die Hilfe der Kirche sowie der Mitchristen. Sie sollen aber auch aktiv am Leben der Kirche teilnehmen." (mog/KNA/dpa)

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