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Ja zur Beratung danach

Die Debatte wird seit Tagen kontrovers geführt, gestern beschäftigte sich auch der Bundestag mit der Frage: Soll die "Pille danach" freigegeben werden? Im Interview mit katholisch.de erklärt die Präsidentin des Katholischen Deutschen Frauenbunds, Maria Flachsbarth, warum ihrer nach Ansicht die Rezeptpflicht unbedingt beibehalten werden sollte. Außerdem verrät sie, was sie von der Empfehlung der deutschen Bischöfe hält, die "Pille danach" nur bei Vergewaltigungen anzuwenden.

Medizin | Bonn - 14.02.2014

Die Debatte wird seit Tagen kontrovers geführt, gestern beschäftigte sich auch der Bundestag mit der Frage: Soll die "Pille danach" freigegeben werden? Im Interview mit katholisch.de erklärt die Präsidentin des Katholischen Deutschen Frauenbunds, Maria Flachsbarth, warum ihrer nach Ansicht die Rezeptpflicht unbedingt beibehalten werden sollte. Außerdem verrät sie, was sie von der Empfehlung der deutschen Bischöfe hält, die "Pille danach" nur bei Vergewaltigungen anzuwenden.

Frage: Frau Flachsbarth, sollte die "Pille danach" Ihrer Ansicht nach verschreibungspflichtig bleiben?

Flachsbarth: Ja, auf jeden Fall. Wir haben in Deutschland die Regel, dass schon die Pille zur Verhütung, die Frauen 21 Tage am Stück einnehmen, nur auf Rezept herausgegeben wird. Sie bedeutet einen Eingriff ins Hormonsystem. Der Arzt muss ausschließen können, dass es zu Nebenwirkungen kommt. Wenn die Rezeptpflicht also schon bei der "normalen" Pille gilt, dann umso mehr auch bei der "Pille danach".

Frage: Warum?

Flachsbarth: Die "Pille danach" ist ein hoch dosiertes Präparat, das sehr stark in den Hormonhaushalt der Frau eingreift. Da ist vor der Einnahme unbedingt der Rat eines Arztes erforderlich. So gibt es besondere Risiken für Frauen, die rauchen oder stillen oder für 14-, 15-, oder 16-jährige Mädchen, deren Körper sich noch in der Entwicklung befinden. Auch die Frage, warum die "Pille danach" gewünscht wird, ist es wert, besprochen zu werden, damit sie auch tatsächlich eine Ausnahme bleibt. Es muss vor allem dringend verhindert werden, dass die "Pille danach" mehrfach innerhalb eines Zyklus eingenommen wird. Das kann zu schweren Nebenwirkungen führen.

Frage: Wäre es nicht im Interesse der Frauen, möglichst schnell und unkompliziert an das Präparat zu kommen – Mitglieder von "Donum vitae" argumentieren beispielsweise, es könne etwa auf dem Land schwer sein, einen Arzt zu finden, der das Rezept rechtzeitig ausstelle…

Flachsbarth: Frauen haben nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr 72 Stunden Zeit, um die Pille danach einzunehmen und so eine Schwangerschaft zu verhindern. Das sind drei Tage. Wer einen Herzinfarkt hat, kann in der Bundesrepublik Deutschland – egal wo – davon ausgehen, dass innerhalb einer halben Stunde ärztliche Hilfe kommt. Also sollte es innerhalb von drei Tagen machbar sein, in ein nahegelegenes Krankenhaus zu gehen, um dort einen Frauenarzt aufzusuchen. Nein, der zeitliche Aspekt ist nicht entscheidend. Viel wichtiger ist die Frage, wie die Frauen das Risiko bewerten. Und im Bezug darauf kann ich nur nochmal sagen: Die Einnahme dieses hochdosierten Hormonpräparats erfordert ärztlichen Rat.

Maria Flachsbarth im Porträt.
Die CDU-Politikerin Maria Flachsbarth ist Präsidentin des Katholischen Deutschen Frauenbundes.  Dr. Flachsbarth

Frage: Welche Folge hätte eine rezeptfreie Abgabe?

Flachsbarth: Das ist schwer abzuschätzen. Aber wenn die "Pille danach" ohne Rezept gekauft werden kann, dann wird es noch schwerer, nachzuvollziehen, wie häufig eine Frau die Pille einnimmt und wieviele Frauen das Präparat schlucken. Es entsteht möglicherweise der Eindruck: Wenn ich so ein Medikament einfach so in der Apotheke bekomme, kann es ja nicht so außergewöhnlich sein, dann muss ich es auch nicht für den Notfall aufsparen. Ich will niemandem einen unverantwortlichen Umgang mit der eigenen Sexualität unterstellen, aber möglicherweise könnte es eine gewisse Unbesorgtheit geben.

Frage: Das Thema wird sehr kontrovers diskutiert und es wurde mehrmals bereits angemerkt, die Debatte zu versachlichen. Warum erhitzt dieses Thema die Gemüter so sehr?

Flachsbarth: In Zusammenhang mit der "Pille danach" werden häufig Argumente genannt, die nicht in diesen Kontext gehören. Die Frage nach der sexuellen Selbstbestimmung der Frau und überhaupt nach dem Umgang unserer Gesellschaft mit Sexualität ist sicher wichtig. Aber die "Pille danach" ist nicht die geeignete Bühne, um darüber zu streiten. Man sollte sich in Bezug auf das Medikament vielmehr auf medizinische und sachliche Gründe konzentrieren.

Frage: Die Bischöfe empfehlen eine Einnahme der "Pille danach" nur bei Vergewaltigungen . Wie sieht der Frauenbund das?

Flachsbarth: Nach unserer Ansicht sollte das im Einzelfall entschieden werden. Es gibt sicher viele Gründe, wie es dazu kommen kann, dass eine Frau ungeschützten Geschlechtsverkehr hat, obwohl sie kein Kind haben will. Möglicherweise haben beide vorher sehr viel Alkohol konsumiert oder es gibt andere gute Gründe, warum sie den ungeschützten Geschlechtsverkehr bereuen. Ich traue mir jedenfalls nicht zu, eine legitime Einnahme der Pille danach nur auf den Fall einer Vergewaltigung zu reduzieren. Auch eine Art "Positivliste", unter welchen Maßgaben es vertretbar ist, sie einzunehmen, halte ich nicht für angemessen. Ich bin davon überzeugt, dass Frauen verantwortlich der mit Pille danach umgehen - wenn damit ein Arztbesuch verbunden bleibt.

Das Interview führte Gabriele Höfling

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