Jesu Wille, zu heilen

Im Sonntagsevangelium bittet ein Aussätziger Jesus um Hilfe. Aber der Mann irritiert gleich mehrfach, mit seiner Wortwahl und mit seinem Handeln nach der Heilung, meint Schwester Charis Doepgen.

Ausgelegt! | Bonn - 10.02.2018

Ausgelegt Autorin Schwester Doepgen

Impuls von Schwester Charis Doepgen

Die Geschichte Jesu nimmt Fahrt auf im Markusevangelium. Wir sind noch im 1. Kapitel und hören schon zum zweiten Mal, dass Jesus sich zurückziehen muss vor dem Ansturm der "Leute". Die erste Heilung in der Synagoge von Karfarnaum war eine Kampfansage an die Dämonen. Die darauf folgende Heilung der Schwiegermutter des Petrus geschieht ohne Aufhebens wie nebenbei, aber am Abend versammelt sich das Elend der ganzen Stadt vor Jesus - Bessene, die Dämonen einer ganzen Gesellschaft -, aber er lässt sie nicht zu Wort kommen und trieb viele aus. Nach kurzer Nacht treibt es Jesus weiter. Es drängt ihn zu "verkündigen". Seit Mk 1,14 ist es das Schlüsselwort für Jesu öffentliches Auftreten: "Er verkündete  das Evangelium Gottes und sprach: Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe."

Heute nun kommt ein Aussätziger und bittet Jesus kniefällig um Hilfe. Aber seine Wortwahl lässt aufhorchen. "Wenn du willst, kannst du machen, dass ich rein werde." Spricht hier Glaube? Oder will da jemand zu eigenen Gunsten an das Selbstbewusstsein des Heilers appellieren? Oder zweifelt da einer, ober er es überhaupt wert ist, geheilt zu werden? Der Satz ist irritierend und macht den Aussätzigen für Beobachter der Szene irgendwie fragwürdig. Nicht aber für Jesus. Bei ihm ist nichts als Mitleid da und der Wille zu heilen. Der schreckt auch vor einer Berührung mit dem ansteckend Kranken nicht zurück. Jesu "Ich will es!" setzt ein klares Zeichen. Der Kranke wird mit einer Warnung entlassen und einem Auftrag. Die Übersetzung von Vers 44 ist in der hier verwendeten Fassung vom Urtext nicht gedeckt. Es geht Jesus nicht um einen Beweis der eigenen Gestzestreue, sondern es soll das vollmächtige Handeln Gottes anerkannt und für alle sichtbar werden.

Was aber tut der Geheilte? Wieder sind wir als Hörer irritiert. Er hält sich nicht an die Worte Jesu. Was geht in dem Menschen vor? Hat er begriffen, was  sich schon die Leute in der Synagoge von Kafarnaum fragten: Begegnet hier eine neue Lehre mit Vollmacht? Fühlt er sich berufen, diese Lehre zu verkünden? Jedenfalls ist dieser Geheilte am Beginn des Markusevangeliums der erste Zeuge, der Jesus öffentlich bekannt macht. So gesehen, steht er im Dienste des Evangeliums, wenn auch auf eine etwas eigenwillige Weise. Die Konsequenzen für Jesus sind beachtlich. Was aber letztlich zählt ist, dass die Menschen zu Jesus finden. - Wege, die ans Ziel führen, können nicht so verkehrt sein.

Von Sr. Charis Doepgen OSB

Evangelium nach Markus (Mk 1, 40-45)

In jener Zeit kam ein Aussätziger zu Jesus und bat ihn um Hilfe; er fiel vor ihm auf die Knie und sagte: Wenn du willst, kannst du machen, dass ich rein werde. Jesus hatte Mitleid mit ihm; er streckte die Hand aus, berührte ihn und sagte: Ich will es - werde rein! Im gleichen Augenblick verschwand der Aussatz, und der Mann war rein.

Jesus schickte ihn weg und schärfte ihm ein: Nimm dich in acht! Erzähl niemand etwas davon, sondern geh, zeig dich dem Priester und bring das Reinigungsopfer dar, das Mose angeordnet hat. Das soll für sie ein Beweis meiner Gesetzestreue sein.

Der Mann aber ging weg und erzählte bei jeder Gelegenheit, was geschehen war; er verbreitete die ganze Geschichte, so dass sich Jesus in keiner Stadt mehr zeigen konnte; er hielt sich nur noch außerhalb der Städte an einsamen Orten auf. Dennoch kamen die Leute von überallher zu ihm.

Die Autorin

Schwester Charis Doepgen OSB ist Benediktinerin in der Abtei St. Erentraud in Kellenried bei Ravensburg.

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