Jung mahnt differenziertes Urteil über AfD an

Im Juni wird Franz Jung als neuer Bischof von Würzburg eingeführt. In diesem Amt will er sich auch politisch zu Wort melden, erklärte er jetzt. Und das ohne Vorurteile - auch im Umgang mit der AfD.

Bistum Würzburg | Würzburg - 30.03.2018

Der ernannte Bischof von Würzburg, Franz Jung, hat vor Pauschalisierungen und Vorverurteilungen von AfD-Wählern gewarnt. "Viele, die AfD wählen, sind Menschen, die ihren Protest, ihre Angst und ihre Not artikulieren wollen und die glauben, dass sie nicht ernst genommen werden", sagte Jung im Interview der Würzburger "Main-Post" (Samstag). "Es ist gefährlich für eine Demokratie, wenn der Eindruck entsteht, dass die Politik nicht mehr auf das hört, was die Menschen sagen." Deshalb brauche es ein differenziertes Urteil, wenn es um die AfD gehe.

Jung fordert, fremde Positionen wahrzunehmen

Er selbst werde sich auch in seiner neuen Funktion zu politischen Fragen zu Wort melden, wenn es erforderlich sei. "Das ist auch die Aufgabe des Bischofs", sagte Jung. "Dazu gehört manchmal auch, anderen zu zeigen: Ich nehme deine Position wahr und ernst, aber ich teile sie nicht." Gleichzeitig verteidigte Jung seine Teilnahme als Speyrer Generalvikar an einer Kundgebung im rheinland-pfälzischen Kandel nach dem Tod einer 15-Jährigen durch einen Messerangriff. Tatverdächtig ist der Ex-Freund der Jugendlichen, ein afghanischer Flüchtling. Jung wurde von rechtspopulistischen Blogs vorgeworfen, die Antifa zu unterstützen.

"Es war eine sehr beklemmende, fast unerträgliche Situation im Ort", erklärte Jung. Die Kirchen hielten es deshalb für wichtig, Farbe zu bekennen, wenn Kandel zum Aufmarschort für Flüchtlingsgegner mit rechtsradikalen Parolen werde. "Kandel ist eben nicht überall - wie dort laut gerufen wird." Der Tod des Mädchens vor einigen Monaten dürfe nicht für diese Gruppen missbraucht werden. "Deshalb wollten wir die Familie unterstützen und auch schützen, damit aus ihrer Trauer keine allgemeine Kampagne gegen Flüchtlinge wird."

Im Februar hatte Papst Franziskus den bisherigen Speyerer Generalvikar Franz Jung zum neuen Bischof von Würzburg ernannt. Seine Weihe und Amtseinführung sollen am 10. Juni stattfinden. Auch Jungs Vorgänger, der emeritierte Bischof Friedhelm Hofmann, hatte sich in der Vergangenheit mehrfach politisch zu Wort gemeldet. Dabei kritisierte er unter anderem "Stimmungsmache gegen junge Flüchtlinge" von Seiten der CSU. (kim/KNA)

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