Käßmann will mehr Frauen im Bischofsamt

Religionen haben einen "Hang zum Patriarchat", sagt Margot Käßmann. Für die ehemalige EKD-Ratsvorsitzende ist das jedoch "unreformatorisch". Eine Frauenquote empfiehlt sie ihrer Kirche dennoch nicht.

Evangelische Kirche | Hamburg - 07.12.2017

Die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann, wünscht sich mehr Frauen im Bischofsamt. "Von 22 evangelischen Landeskirchen wird (...) nur eine einzige von einer Frau geleitet", sagte Käßmann der "Zeit" (Donnerstag). Die Kirche vergesse oft, "dass Frauen in kirchlichen Leitungspositionen ein Markenzeichen weltweit sind". Bei wichtigen Ereignissen seien in ihrer Kirche die ersten zwei Reihen nur mit Männern besetzt - und keiner merke es.

Aus Käßmanns Sicht ist eine Frauenquote in der evangelischen Kirche aber nur bedingt hilfreich. "Meine Kirche sollte aus Eigennutz mehr Frauen in Führungspositionen holen. Eine Quote könnte helfen, aber wir haben sie gar nicht nötig." In Leitungspositionen bleibe es für Frauen aber schwieriger als für Männer, Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren. "Da ist die Kirche ein Spiegel der Gesellschaft", so die Theologin. Religion insgesamt habe allerdings einen "Hang zum Patriarchat". Die Idee eines patriarchalen Kirchenamtes sei jedoch "unreformatorisch", sagte Käßmann, die 1999 als damals jüngste deutsche Bischöfin ihr Amt in Hannover antrat.

Auf ihrer Synode in Bonn hatte die EKD im November beschlossen, mehr Frauen den Aufstieg in Führungspositionen zu ermöglichen. Bislang liegt der Frauenanteil auf der mittleren kirchlichen Leitungsebene bei lediglich 21 Prozent. Künftig will die Kirche Karrierehindernisse von Frauen beseitigen.

Käßmann ergänzte, sie sei es müde, "mit Bibelstellen gegen die Feinde der Frauenordination anzutreten". Als Kirche sei man zu dem Schluss gekommen: "Gegen die Weihe von Frauen spricht kein Bibelwort." Es sei gut, dass die evangelische Kirche hierzulande die Frauenordination nicht mehr hinterfrage. Mit Blick auf die katholische Kirche meint sie, "dass es so viele kompetente katholische Theologinnen gibt, die sich zum Priesteramt berufen fühlen, und dass Gemeinden sich eine Priesterin vorstellen können, aber es geht nicht. Trotz Priestermangels". (bod/KNA/dpa)

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