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Kardinal: Burke ist ein armer Mensch

Ein Berater von Franziskus kritisiert den Mann scharf, der sich in den vergangenen Monaten immer wieder gegen den Papst gewandt hat: Kardinal Rodriguez Maradiaga reagiert in einem Buch auf Kardinal Burke.

Vatikan | Rom - 19.05.2017

Der Leiter des K9-Kardinalsrats zur Kurienreform, Kardinal Oscar Rodriguez Maradiaga (74), kritisiert in seinem neuen Buch offenbar US-Kardinal Raymond Leo Burke. Auf die Aussage Burkes, das Papstschreiben "Amoris laetitia" zu Ehe und Familie keinen lehramtlichen Charakter habe, antworte Rudriguez: "Der Kardinal, der das behauptet, ist ein enttäuschter Mann, weil er Macht wollte und sie verloren hat." So zitiert die römische Internetseite "Faro di Roma" den honduranischen Kardinal aus seinem in Italien erschienenen Interviewbuch "Solo il Vangelo è rivoluzionario" (Nur das Evangelium ist revolutionär).

Burke war einer von vier Kardinälen, die Papst Franziskus vergangenes Jahr in einem Brief um die Klärung offener Fragen zu "Amoris laetitia" gebeten hatten. Die formalen Fragen ("Dubia") waren so formuliert, dass sie nur mit "Ja" oder "Nein" beantwortet werden können, ohne theologische Argumentation. Weil die Kardinäle jedoch zunächst keine Antwort erhielten, machten sie den Brief im November öffentlich. Burke (68) ist seit 2014 Kardinalpatron des Malteserordens mit Sitz in Rom; zuvor war er Präfekt der Apostolischen Signatur, des höchsten Gerichts der römischen Kurie. Im März erklärte er, er wolle den Papst formal zurechtweisen.

Rodriguez fordert Loyalität zum Papst

Burke habe gedacht, er sei die größte Autorität in den USA, zitiert "Faro di Roma" Rodrigiez. "Er ist nicht das Lehramt, der Heilige Vater ist das Lehramt und derjenige, der die ganze Kirche lehrt. Der andere sagt nur seine Gedanken, die keines weiteren Kommentars wert sind. Es sind die Worte eines armen Mannes." Rodriguez würdigt das Papstschreiben "Amoris laetitia" als einen Text "von unermesslichem Wert" für Familien und für das Verhältnis der Eheleute und der verschiedenen Generationen zueinander. Das Schreiben repräsentiere die Erneuerung der Familienpastoral und sollte vor allem von Paaren, die sich auf die Ehe vorbereiteten, gelesen werden, so der Leiter des K-9-Rats.

Linktipp: Es geht nicht nur um die Wiederverheirateten

Vor einem Jahr wurde "Amoris laetitia" veröffentlicht. Es ist ein Schreiben, das nicht nur vom Scheitern, sondern vor allem vom Gelingen handelt. Es sollte gelesen werden - und zwar komplett.

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Weiter fordert Rodriguez in dem Interviewbuch Loyalität dem Papst gegenüber. Petrus führe die Kirche und wer glaube, habe die Entscheidungen und den Stil des Papstes zu respektieren, so der Kardinal. Welchen Sinn ergebe es, Schriften gegen den Papst zu veröffentlichen, fragt er. Ein rechter Flügel, der sich auf einige Dinge konzentriere, erreiche nichts. Die einfachen Menschen stünden zum Papst, während die arroganten und stolzen Menschen unter einer Form von Armut litten. Wenn Gläubige von Bischöfen und Kardinälen Bestätigungen für Behauptungen gegen den Papst bekämen, sei dies ein großes Problem, das für Desorientierung sorge.  

Erneuerung des Kardinalsrats nach fünf Jahren

Oscar Rodriguez Maradiaga berichtet in dem Interviewbuch mit seinem Mitbruder Antonio Carriero auch über die Gründung des Kardinalsrats. Demnach habe ihn Franziskus vier Tage nach seiner Wahl zum Papst zum Mittagessen eingeladen und von seiner Idee zu einem Beraterstab erzählt. Der K9-Rat sei nicht nur für die Kurienreform gedacht, sondern ein ständiger Rat. Da das Mandat fünf Jahre dauere, werde es 2018 eine Erneuerung des Kardinalsrats geben, so Rordiguez, der dem Orden der Salesianer Don Boscos angehört.

Denjenigen, die einen Gegensatz von Franziskus zu seinem Vorgänger Benedikt XVI. sehen wollen, antwortet der Kardinal: "Das ist ein Fehler, denn jeder Papst hat sein eigenes Charisma, seine eigene Berufung und er gibt der Kirche seinen Beitrag". Benedikt habe der Kirche als Theologe wertvolle Lehren mitgegeben. Franziskus sei hingegen ein Hirte, der mit seiner ansteckenden Haltung viele Menschen erreiche. Jeder sei so, wie Gott ihn gewollt habe, deshalb sei es nicht passend, Vergleiche zu ziehen.

Von Agathe Lukassek

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