Kardinal Marx prangert wachsenden Antisemitismus an

Am Mittwoch beginnt das jüdische Neujahrsfest Rosch haSchana. Für Kardinal Reinhard Marx ist das ein Anlass, auf gefährliche gesellschaftliche Entwicklungen hinzuweisen.

Judentum | Bonn - 19.09.2017

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx beobachtet mit Sorge eine wachsende Judenfeindlichkeit in Deutschland. "In den vergangenen Monaten haben wir leider ein Erstarken des Antisemitismus auch in Deutschland erleben müssen", heißt es in einem am Dienstag veröffentlichten Schreiben des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz an den Präsidenten des Zentralrats der Juden, Josef Schuster.

Neben antijüdischen Vorurteilen habe vor allem ein "israelbezogener Antisemitismus" zugenommen", so Marx weiter. Kritik an Entscheidungen israelischer Regierungen etwa in Bezug auf die Besatzungs- oder Siedlungspolitik sei zweifellos legitim. "Diese Kritik aber muss so formuliert werden, dass sie nicht antisemitisch oder antizionistisch missverstanden werden kann und den vorhandenen Antisemitismus nicht verstärkt", betonte der Kardinal. "Wir sind auch für die politische Wirkung dessen, was wir sagen und tun, verantwortlich."

Anlass des Schreibens ist das bevorstehende jüdische Neujahrsfest Rosch haSchana. Es fällt nach dem jüdischen Kalender auf den 1. Tischri, der nach dem gregorianischen Kalender in den September oder in die erste Hälfte des Oktobers fällt. Das genaue Datum variiert jährlich. Das Fest dauert zwei Tage und wird in diesem Jahr von Mittwochabend bis Freitagabend gefeiert.

Marx lobt Dialog zwischen Juden- und Christentum

Positiv hob Marx den Dialog zwischen Juden- und Christentum hervor. Beispielhaft verwies er dabei auf die Erklärung "Zwischen Jerusalem und Rom", die eine Delegation der Europäischen Rabbinerkonferenz, des Rabbinical Council of America und des Israelischen Oberrabbinats Ende August Papst Franziskus überreicht hatte.

Marx nannte das Papier "eine Würdigung der Verbesserungen in den christlich-jüdischen Beziehungen seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil und vor allem eine Ermutigung, den christlich-jüdischen Dialog auch zukünftig engagiert fortzuführen". Er hoffe, dass diese Erklärung eine weite Verbreitung sowohl in den Kirchen als auch in der jüdischen Gemeinschaft finde und dass "die wegweisenden Aussagen die theologischen Debatten, aber auch das alltägliche Zusammenleben inspirieren". (bod/KNA)

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