Kasper: Es geht nicht um Streit mit Ratzinger

Man dürfe die Familiensynode nicht auf einen Kampf zwischen Ratzinger und Kasper reduzieren, sagt der emeritierte Kurienkardinal Kasper. Ein australischer Kardinal hatte die Synode als "eine weitere Schlacht" zwischen den beiden Theologen gedeutet.

Familiensynode | Rom/Bonn - 22.10.2015

Der deutsche Kardinal Walter Kasper (82) hat die Vermutung dementiert, dass es bei den derzeitigen Debatten in der Weltbischofssynode letztlich um einen theologischen "Kampf der zwei Linien" zwischen ihm und Joseph Ratzinger (88) gehe. Die italienische Tageszeitung "Corriere della Sera" zitiert Kasper am Donnerstag mit den Worten: "Es ist nicht loyal, Papst Benedikt XVI. in Fragen der Synode hineinzuziehen. Ich kenne Ratzinger im Übrigen seit mehr als 50 Jahren, und wir haben immer zusammengearbeitet, auch während seines Pontifikats."

Auch der Kontakt mit dem Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, sei in der deutschen Sprachgruppe problemlos verlaufen. "Es gab eine gute Zusammenarbeit zwischen Müller und mir, da gab es nie die Spaltung, die einige erwartet haben", betonte der 82-Jährige.

Gleichwohl räumte Kasper ein, dass Ratzinger und er unterschiedliche Positionen vertreten hätten. Dies sei aber "in der Theologie normal". In einem Interview mit der französischen Zeitung "Figaro" hatte der australische Kurienkardinal George Pell (74) die inhaltlichen Auseinandersetzungen bei der Familiensynode als "eine weitere Schlacht" im jahrzehntelangen Kampf zwischen den theologischen Entwürfen Ratzingers und Kaspers gedeutet.

Kasper: Gerüchte um Erkrankung des Papstes sollten Synode sabotieren

Auch auf die aufgekommenen Gerüchte um einen angeblichen Hirntumor bei Papst Franziskus ging Kasper ein. Diese hätten wohl die Synode beeinflussen sollen, mutmaßte er: "Ich glaube, dass es sich nur um Staubwolken handelt, die aufgewirbelt wurden, um die Arbeiten zu behindern." Es werde aber niemand schaffen den Heiligen Vater und die Synodenväter zu manipulieren. Am Mittwoch war in Medien berichtet worden, der Papst habe einen gutartigen Hirntumor. Der Vatikan wies das zurück. "Einige Personen sind nervös und blicken mit Sorge auf den Ausgang der Synode. Außerdem gefällt dieser Papst einigen nicht, das ist offensichtlich", sagte Kasper dem "Corriere della Sera". "Vielleicht haben sie versucht, uns zu beeinflussen. Aber das ist ein zweckloser Versuch." (gho/KNA/dpa).

Themenseite: Familiensynode

Vom 4. bis 25. Oktober 2015 tritt die XIV. Ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode unter dem Thema "Die Berufung und Sendung der Familie in Kirche und Welt von heute" zusammen. Die Themenseite bündelt die Berichterstattung von katholisch.de zur Synode.

Zur Themenseite

RSS-Feeds  |  Impressum  |  Über uns  |  Datenschutz  |  © 2017