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Kein Nachtisch und mittwochs nur Suppe

Klar: Im Kloster wird gefastet. Aber wie gestalten Ordensleute die 40 Tage Vorbereitung auf Ostern praktisch? Wir haben einige gefragt, wie sie Fasten – von A wie Kloster Arenberg bis Z wie Zisterzienser.

Orden | Bonn - 28.02.2017

Eigentlich sollen Mönche immer ein Leben führen wie in der Fastenzeit, schreibt der heilige Benedikt in seiner Ordensregel. Das bedeutet aber nicht, dass die Fastenzeit in Klöstern wie alle anderen Tage ist. Ordensleute bereiten sich auf Ostern vor – persönlich wie in der Gemeinschaft. Wir haben einige aus verschiedenen Orden gefragt, wie sie fasten.

Schwester M. Salome Zeman, Franziskanerinnen von Sießen, Freiburg

Im Kloster Sießen hatten wir in den letzten Jahren in der Fastenzeit keinen Nachtisch und mittwochs nur Suppe zum Mittagessen. Und wir verzichten auf Bier, das wir sonst Sonntagabends gemeinsam trinken. Das dadurch eingesparte Geld spendet der Orden an wohltätige Zwecke. Was wir dieses Jahr in meinem Konvent in Freiburg fasten, haben wir noch nicht entschieden.

Für mich privat habe ich in den vergangenen Jahren schon oft Fleisch gefastet und als ich noch regelmäßige Kaffeetrinkerin war, auch Kaffee. Dieses Jahr werde ich versuchen, auf Schokolade zu verzichten – und wahrscheinlich immer wieder scheitern. Einmal habe ich die Snooze-Funktion des Weckers gefastet, was bedeutet, dass ich nach dem ersten Klingeln aus dem Bett springen musste. In der Fastenzeit damals habe ich deswegen zwei Termine verpasst.

Schwester Charis Doepgen, Benediktinerin, Abtei St. Erentraud, Kellenried

Wenn wir als Orden mit dieser Frage konfrontiert werden, fühle ich mich nie ganz wohl. Denn natürlich lassen wir während der Fastenzeit etwas weg: Beim Frühstück fehlen einige Zutaten und freitags gibt es am Mittag nur Suppe und abends ein Butterbrot ohne Beilage. Aber das sind Kleinigkeiten und ich schäme mich, das angesichts des Hungers in der Welt auch nur aufzuzählen.

Andere Zeichen während der Fastenzeit bei uns sind, dass es täglich vor der Vesper 15 Minuten früher als sonst läutet für eine zusätzliche Stille Zeit und einmal in der Woche fällt die Rekreation aus, eine Erholungszeit für Gespräch und Austausch, zugunsten einer zusätzlichen geistlichen Lesung.

Die Benediktregel kennt für die Beobachtung der Fastenzeit (Kap. 49) die eher kleinen Gesten: Man "entziehe seinem Leib etwas an Essen, Trinken, Schlafen, Reden Scherzen und harre in Freude und Sehnsucht des Geistes dem heiligen Osterfest entgegen." Da gibt es noch reichlich Spielraum für persönliche Akzente.

Schwester Ursula Hertewich, Dominikanerin, Kloster Arenberg

In unserer Gemeinschaft schweigen wir an den Freitagen in der Fastenzeit durchgängig und beten dann gemeinsam am Nachmittag den Kreuzweg für die unzähligen Menschen auf der Welt, die gefangen sind in Angst, Not und Elend.

Ich persönlich werde wie immer in dieser Zeit auf Süßigkeiten, Knabberzeug und alkoholische Getränke verzichten und habe mir vorgenommen, abends früher ins Bett zu gehen.

Ein Mönch betet auf einem Feld einem Christus-Schrein zugewandt, während seine Mitbrüder die Ernte einholen.
Der heilige Bernhard von Clairvaux ist der Gründer der Zisterzienser. Auch das Titelbild dieses Artikels zeigt einen Zisterzienser des Tiroler Stift Stams.
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Pater Gregor Winter, Zisterzienser, Kloster Langwaden

Bei uns erkennt man die Fastenzeit bei unseren Mahlzeiten, an Werktagen gibt es kein Dessert, nur sonntags und an wichtigen Festtagen.

Wir haben auch in der Fastenzeit den Brauch im Kloster, dass wir gemeinsam zweimal die Woche eine geistliche Lesung in Stille halten, die sogenannte lectio. Das machen wir statt der recreation, der halben Stunde Erholung abends. Am ersten Fastensonntag legen wir an einem bestimmten Ort im Kapitelsaal unsere Bücher aus. Dann weiß jeder, was der andere in der Fastenzeit lesen will. Normalerweise lesen wir unsere Texte jeder für sich, in der Fastenzeit nun aber gemeinsam. Mir tut das gut, weil ich dann weiß, womit sich der andere beschäftigt.

Ich persönlich gehe auch gerne in den Garten. Das tut mir gut, da werde ich wieder weit innerlich, denn manchmal gibt es im laufenden Betrieb Verengungen und die Fastenzeit soll mir dabei helfen, diese los zu werden. Auf Süßigkeiten verzichten möchte ich dieses Jahr nicht. Aber was ich machen möchte, ist, die Übergangszeiten zwischen meinen Tätigkeiten bewusster zu gestalten. Wenn ich im Garten bin, schaue ich um 12 Uhr auf die Uhr und denke mir oft, jetzt muss ich in 10 Minuten zum Gebet, jetzt kann ich noch schnell das und das erledigen. Nein, ich will dann Schluss machen und alles liegen und stehen lassen, sonst wird es zu betriebsam. 

Bruder Martin Koch, Franziskaner-Minorit, Kloster Würzburg

Uns Franziskaner-Minoriten ist die besondere Wertschätzung der Fastenzeit praktisch in die Wiege gelegt. Unserem Ordensvater, dem Heiligen Franziskus, war das strenge Fasten während der Quadragesima so wichtig, dass er genaue Vorschriften in die Ordensregel schreiben ließ.

Wir Brüder in Schwarzenberg setzten aber nicht nur bei den Mahlzeiten Akzente, sondern wir feiern auch eine ganz besondere Liturgie. Die Frühschicht morgens um 6 Uhr wird sehr gut von den Menschen angenommen und auch die Kreuzwegandachten sind ein fester Bestandteil unserer Fastenzeit. Die wurden übrigens im 14. Jahrhundert von unseren Mitbrüdern in Jerusalem "erfunden".

Darüber hinaus entscheidet jeder Bruder für sich, auf welcher "Lebensbaustelle" er noch zu arbeiten hat und so kann die Fastenzeit gut verwendet werden, um sich von altem Ballast zu befreien. Speziell in unserem Kloster Schwarzenberg bieten wir außerdem Fastenkurse an, die von jedermann besucht werden können.

Linktipp: 40 Tage ohne

Die Fastenzeit bezeichnet die österliche Bußzeit, die 40 Tage dauernde Vorbereitung auf Ostern. Sie beginnt mit dem Aschermittwoch und endet mit der Osternacht.

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Schwester Birgit Stollhoff, Congregatio Jesu, Augsburg

Bei uns kann jede Gemeinschaft selbst festlegen, was sie macht. In Augsburg sind wir 29 Schwestern. Wir beginnen die Fastenzeit mit drei geistlichen Tagen des Schweigens, der Reflexion biblischer Texte und des ganztägigen Schweigens und Betens.

Es gibt bei den Mahlzeiten an den Werktagen keinen Nachtisch, weniger Fleischspeisen, eher vegetarische und bewusst einfache Speisen. Der Freitag ist geprägt von der Erinnerung an das Leiden Christi, deshalb wird beim Frühstück geschwiegen.

Ich meinerseits habe mir für die Fastenzeit vorgenommen, meinen Kleiderschrank  zu reduzieren, die Sachen zum Second-Hand zu geben und zumindest einige Punkte aus dem "Öko-Fasten" zu versuchen, das unser Generalat in Rom entwickelt hat. Dabei geht es darum, durch kleine Übungen die Schöpfung als Gottes Geschenk für alle Menschen zu erkennen und für die Schöpfung Verantwortung zu übernehmen. Ausserdem freue ich mich auf die Impulse meiner Mitschwester zu Ignatius von Loyola und Viktor Frankl.

Pater Maurus Runge, Benediktiner, Abtei Königsmünster

Wir Benediktiner von Königsmünster beginnen die Fastenzeit sozusagen offiziell als Gemeinschaft mit einer gemeinsamen Vesper in unserem Kapitelsaal am Nachmittag des Aschermittwoch, in die ein geistliches Wort unseres Abtes eingebettet ist.

Der hl. Benedikt kennt ein eigenes Kapitel über die Fastenzeit (RB 49), in dem er schreibt, das die Fastenzeit "in der Freude des hl. Geistes" begangen werden soll und in der Erwartung des Osterfestes - also nicht so sehr der Verzicht um des Verzichtes willen, sondern in der Erwartung der Auferstehung. Nach dem hl. Benedikt soll jeder Mönch mit seinem Abt oder geistlichen Vater besprechen, was er in der Fastenzeit "über das gewohnte Maß hinaus" tun will. Das Gespräch mit dem Abt dient vor allem dazu, Exzessen und Übertreibungen vorzubeugen.

Ein gemeinsames Fastenprojekt einiger Brüder sind tägliche Impulse zur Fastenzeit auf unserer Homepage.

Schwester Veronica Krienen, Benediktinerin, Köln

Mitten in der Kirche brennt bei uns am Tag vor Aschermittwoch ein Feuer. Wir verbrennen im Abendgottesdienst die Palmzweige des Vorjahres, so entsteht die Asche, die uns am Aschermittwoch aufs den Kopf gestreut wird.

Während wir alle still um dieses Feuer sitzen, denke ich darüber nach, wie meine Fastenzeit dies Jahr aussehen soll. Auf jeden Fall soll sie mich neu entzünden, neu anfeuern und entflammen in der Leidenschaft für die Botschaft Jesu Christi, und die Sehnsucht nach ihm wieder entfachen.

In unserer Gemeinschaft üben 26 Frauen zwischen 28 und 94 Jahren in diesen Wochen der Fastenzeit daran und wir verabreden jedes Jahr einiges, in dem wir einfacher, stiller, bewusster leben wollen. Aber im Wesentlichen gilt: Wir alle haben zwar diese gleiche Trainingszeit und ein paar gemeinsame Grundübungen, aber sehr unterschiedliche Trainingspläne. Für jede von uns ist etwas anderes dran. Jede von uns muss an einer anderen Stelle wieder neu an die erste Liebe erinnert werden und eine andere Umkehrbewegung einüben.

Eine meiner Übungen wird vermutlich sein, den Kopf nicht einzuziehen, wenn eine unverhoffte Anfrage, eine kleine zusätzliche Aufgabe, ein Kontaktwunsch auf mich zukommt, sondern ein freundliches Hier bin ich zu versuchen.

Von Agathe Lukassek, Madeleine Spendier und Felix Neumann gesammelt

Linktipps: 7 Tipps zur Fastenzeit

Die Fastenzeit ist auch für "Teilzeit-Katholiken" ein guter Anlass, auf schlechte Eigenschaften zu verzichten. Und wenn es hart wird: Mit diesen Ratschlägen gelingen die 40 Tage der Vorbereitung auf Ostern.

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