Kinder von Gläubigen haben geringeres Suizidrisiko

Bereits etliche Studien haben nachgewiesen, dass sich Religiosität positiv auf die Gesundheit auswirken kann. Neu ist allerdings, dass sich das auch die Kinder von religiösen Menschen beeinflusst.

Wissenschaft | Bonn - 10.08.2018

Kinder von religiösen Eltern neigen laut einer Studie seltener zum Suizid. Das Risiko zu selbstmörderischen Gedanken oder Handlungen lag demnach bei denjenigen Probanden um 39 Prozent niedriger, deren Eltern der Religion eine große Bedeutung beimessen. Die Studie der Forscher vom New York State Psychiatric Institute und der Columbia-Universität wurde in der Fachpublikation "JAMA Psychiatry" veröffentlicht, wie die Nachrichtenseite "reuters.com" am Donnerstag berichtete.

Für die Untersuchung hatten die Forscher 214 Kinder und deren zugehörige 112 Elternteile befragt. Die Stichprobe ist Teil einer größer angelegten, seit 30 Jahren laufenden Längsschnittstudie. Demnach handelt es sich bei den befragten Eltern um die bereits erwachsene Kindergeneration der ursprünglichen Probanden, die 6 bis 18 Jahre alten Kinder sind deren Enkel.

Während eine große Bedeutung der Religiosität für das Leben der Eltern einen positiven Einfluss auf die psychische Gesundheit der Kinder zu haben scheint, konnte das für die Glaubenspraktik nicht nachgewiesen werden. Demnach hatte die Teilnahme der Eltern an religiösen Feiern keine entsprechenden Folgen auf die jüngere Generation.

Eigene Religiosität wirkt nur bedingt positiv

Ebenfalls hatte lediglich bei weiblichen Probanden die eigene Religiosität einen Einfluss auf die psychische Gesundheit. Demnach wiesen Mädchen, die dem Glauben eine große Bedeutung beimaßen, ein um 52 Prozent niedrigeres Risiko suizidaler Gedanken und Handlungen auf. Praktizierter Glaube führte noch zu einer um 36 Prozent geringeren Wahrscheinlichkeit.

Um die Gründe für den positiven Einfluss der religiösen Haltung der Eltern zu ermitteln, arbeiteten die Forscher bereits an einer zweiten Untersuchung, hieß es im Bericht weiter. Nicht mit der Studie befasste Wissenschaftler vermuteten hinter dem Effekt gemeinschaftsbildende und strukturgebende Eigenschaften von Religiosität. Der Glaube der Eltern würde den Kindern demnach helfen, ihre Rolle und Bedeutung für die Familie wahrzunehmen. (kim)

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