Kinderklinik-Skandal: Anklage fordert drei Jahre Haft

Die Wohnung eines Kardinals soll mit veruntreuten Geldern des vatikanischen Kinderkrankenhauses renoviert worden sein. Im Prozess fordert die Anklage nun drei Jahre Haft für den Ex-Chef der Stiftung.

Finanzen | Vatikanstadt - 09.10.2017

Im Prozess um die Veruntreuung von Spendengeldern beim vatikanischen Kinderkrankenhaus Bambino Gesu hat der Staatsanwalt für den Hauptangeklagten Giuseppe Profiti vor dem Vatikangericht drei Jahre Haft sowie 5.000 Euro Geldstrafe und ein lebenslanges Verbot für vatikanische Ämter gefordert. Für den zweiten Angeklagten plädierte Staatsanwalt Roberto Zannotti am Montag auf Freispruch aus Mangel an Beweisen, wie das vatikanische Presseamt nach dem Ende des achten Verhandlungstags bekanntgab. Der Prozess soll am Samstag fortgesetzt werden.

In dem Mitte Juli begonnen Prozess sind der ehemalige Chef der Stiftung Bambino Gesu, Giuseppe Profiti, sowie der frühere Schatzmeister der Stiftung, Massimo Spina, angeklagt. Sie sollen im Zuge einer Renovierung der Wohnung des früheren Kardinalstaatssekretärs Tarcisio Bertone rund 420.000 Euro veruntreut haben. Demnach erfolgte die Umbaufinanzierung mit der Maßgabe, Bertone solle sein Appartement für Veranstaltungen mit dem Zweck der Spendenwerbung zur Verfügung stellen.

Zeugin stützt Darstellung von Kardinal Bertone

Bertone, der beim Prozess bisher nicht in Erscheinung trat, hatte laut Medien erklärt, er habe 300.000 Euro selbst für die Renovierung beigesteuert. Nach eigenen Angaben wusste er nichts von einem Beitrag der Stiftung. Klinikdirektorin Mariella Enoc stützte als Zeugin diese Darstellung am Montag. Bertone habe ihr gesagt, er wisse nichts von den Vorgängen und wäre mit so etwas auch nicht einverstanden gewesen. Sie bestätigte zudem, dass Bertone 150.000 Euro als Spende an das Kinderkrankenhaus als "Zeichen von Generosität" überwiesen habe. Sie habe den Kardinal per Brief gebeten, die 422.000 Euro, die die Stiftung des Kinderkrankenhauses unter Profiti für die Arbeiten seiner Wohnung gezahlt hatte, zu erstatten. Über seinen Anwalt habe Bertone daraufhin mitteilen lassen, er schulde dem Krankenhaus nichts, jedoch die Spende getätigt. Auf die Frage, wieso sie Profitis Idee, in der Kardinalswohnung Veranstaltungen zur Spendeneintreibung zu organisieren, nicht aufgriff, sagte Enoc: "Es ist nicht mein Stil, Abendessen zu Fundraisingzwecken mit Kardinälen oder anderen Persönlichkeiten zu machen." (KNA)

Linktipp: Schöner Wohnen im Vatikan?

Kardinal Tarcisio Bertone kommt nicht aus den Schlagzeilen heraus. Erst vor kurzem wurde bekannt, dass die Stiftung der vatikanischen Kinderklinik Bambino Gesu Geld für seine Wohnung beigesteuert hat. Nun wird sein Domizil ein Fall für die vatikanische Justiz. (Artikel von April 2016)

Zum Artikel

RSS-Feeds  |  Impressum  |  Über uns  |  Datenschutz  |  © 2018