Kirche der 21 koptischen Märtyrer wird geweiht

Zu den Gräueltaten des "Islamischen Staats" zählt auch die Enthauptung von 21 koptischen Christen vor drei Jahren. Zum Jahrestag am 15. Februar wurde den Märtyrern ein besonderes Gedächtnis zuteil.

Christenverfolgung | Bonn - 15.02.2018

Erst meldete Syrien die Befreiung, dann der Irak: Seit Ende vergangenen Jahres mehren sich die Berichte vom Sieg über den "Islamischen Staat". Doch auch wenn die Terrormiliz im Nahen und Mittleren Osten im Niedergang begriffen ist: Das Grauen ihrer Taten bleibt. Nach den Verletzungen eines jahrelangen Krieges setzt die koptische Kirche in Ägypten nun ein Zeichen der Hoffnung: Am 15. Februar hat sie den 21 Märtyrern von Sirte ein Gotteshaus geweiht.

An diesem Tag vor drei Jahren veröffentlichten Terroristen jenes Video, das zu einem Sinnbild für das bestialische Morden des "Islamischen Staates" wurde: Es zeigt die Enthauptung von 21 Männern durch die selbsternannten Gotteskrieger. Die Bilder von den Opfern in orangefarbenen Overalls –  eine Persiflage auf die Häftlingskleidung von Guantanamo – und ihren schwarzgewandeten Henkern gingen binnen Stunden um die Welt; ganz im Sinne der Propagandisten, die das Video ins Netz brachten.

Bischof sieht Gutes in Propaganda-Video

Bereits wenige Tage nach Bekanntwerden der Tat nahm Papst Tawadros II., Oberhaupt der koptischen Kirche, die Toten in das Verzeichnis der heiligen Märtyrer auf. Der 15. Februar gilt seither als Todestag und damit auch als kirchlicher Gedenktag der 21 Männer. Auch der damalige koptisch-katholische Bischof von Gizeh, Antonius Aziz Mina, glaubt an die besondere Gottestreue der Toten. Dem Propaganda-Video der Terroristen konnte er deshalb sogar etwas Positives abgewinnen. Laut dem vatikanischen Pressedienst "Fides" sagte er nach der Veröffentlichung: "Und dennoch kann man in diesem diabolischen Produkt der Fiktion und des blutigen Schreckens erkennen, dass einige der Märtyrer im Augenblick ihrer barbarischen Hinrichtung immer wieder sagen 'Herr Jesus Christus'."

Die Hinterbliebenen hatten Ende vergangenen Jahres einen kleinen Trost erhalten. Im November vermeldeten ägyptische Behörden, die sterblichen Überreste der Toten in einem Massengrab in der libyschen Hauptstadt Sirte entdeckt zu haben. Kurze Zeit später bestätigte eine DNA-Analyse die Identität der Leichen. Zuvor hatte bereits im September ein Gericht in Kairo ein erstes Urteil gegen einige der Mittäter erlassen.

So schreiten Aufklärung und Aufarbeitung des Massakers vom Mittelmeerstrand voran. Mittlerweile sind etliche Details des Tathergangs bekannt. Am 12. Februar wurde die Entführung von 21 Gastarbeitern in der Hafenstadt Sirte bekannt. 20 von ihnen waren namentlich bekannte koptische Christen, davon 13 aus dem Dorf Al Our in Oberägypten. Das 21. Opfer stammte nach unterschiedlichen Berichten entweder aus Ghana oder dem Tschad. Auch ob er bereits getaufter Christ war, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Berichten zufolge könnte er die sogenannte Bluttaufe erhalten haben: Demnach habe ihn die Standhaftigkeit seiner Mitgefangenen so beeindruckt, dass auch er das erzwungene Bekenntnis zum Islam ablehnte. "Ihr Gott ist auch mein Gott", habe er demnach bekannt. Seit urchristlicher Zeit glaubt die Kirche, dass auch Ungetaufte direkt in die Seligkeit gelangen, wenn sie für den christlichen Glauben ihr Leben lassen. Für die Kirche sind somit alle 21 Toten von Sirte unterschiedslos Märtyrer.

Dies beteuerte auch Papst Franziskus, als er seinen koptischen Amtsbruder Tawadros II. persönlich seiner Anteilnahme versicherte und später öffentlich den Tod der Christen beklagte. Einen Zusammenhang zum römischen Kirchenoberhaupt hatten aber auch die Täter selbst hergestellt. "Wir werden Rom erobern", hatte der Sprecher der Mörder im Video angekündigt. Dass es den Terroristen dabei wohl weniger um die italienische Hauptstadt denn um das Zentrum der katholischen Weltkirche ging, liegt nahe. Ausdrücklich ging es ihnen bei der Bluttat schließlich darum, "Menschen des Kreuzes" zu töten, eine Vergeltungsaktion für die angeblich von der koptischen Kirche verhinderte Konversion einer ägyptischen Christin zum Islam.

Papst Franziskus besucht am 28. April 2017 während seiner Ägypten-Reise den koptischen Patriarchen Tawadros II.
Schon wenige Tag nach dem Massenmord erklärte der koptische Papst Tawadros II. (rechts) die 21 Toten zu Märtyrer. Auch Papst Franziskus (links) erklärte später, die Männer seien als Blutzeugen des Glaubens gestorben.
 KNA

Die Verfolgung der Christen gehörte von Beginn an zum Kern der Ideologie des "Islamischen Staates". Seit 2014 wurden tausende Christen ermordet, hunderttausende vor allem aus dem Irak und Syrien vertrieben. Regionen, in denen einst die ersten Anhänger des Christusglaubens überhaupt lebten, drohten zwischenzeitlich komplett entchristianisiert zu werden. Die Europäische Union und andere Regierungen sprechen mittlerweile von einem Genozid.

Ägypten reagierte mit Luftschlägen auf den Massenmord

Der öffentlichkeitswirksame Massenmord an den 21 Christen hatte zu den politischen und militärischen Reaktionen seinen Teil beigetragen. Der ägyptische Staat nahm ihn etwa zum Anlass, im Februar 2015 offiziell die ersten Luftschläge gegen den "Islamischen Staat" in Libyen zu fliegen. Staatspräsident Al-Sisi verfügte überdies eine einwöchige Staatstrauer. Auch die bedeutende islamische Universität Al-Azhar in Kairo verurteilte die Tat der Islamisten scharf. Regierungsvertreter aus der ganzen Welt und sogar der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen befasste sich eigens mit dem Kriegsverbrechen.

Der Mord von Sirte war weder die erste noch die letzte Gräueltat des "Islamischen Staates", und sicher auch nicht die größte. In die Geschichte eingegangen ist er trotz allem. Ein bleibendes Denkmal erhielten die Opfer nun mit der Einweihung der ihnen gewidmeten Kirche in Al Our, dem Heimatort der meisten von ihnen. Vorab noch nicht bekannt war laut "Fides", ob zur Weihe auch schon die sterblichen Überreste der Getöteten in die Kirche übertragen werden konnten. Erwartet wurden jedenfalls zahlreiche Hinterbliebene. In das Andenken an ihre getöteten Angehörigen dürfte sich an diesem Festtag auch die Sorge um die eigene Zukunft mischen. Denn trotz der schwindenden Macht des "Islamischen Staates" bleiben die Kopten in Ägypten eine bedrohte Minderheit. Allein im zurückliegenden Jahr wurden über 70 von ihnen bei großen Terroranschlägen getötet. Und Berichten zufolge flogen bereits zu Baubeginn erneut Steine gegen die Kirche der 21 Märtyrer.

Von Kilian Martin

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