Kirchen in Ägypten sagen Sommeraktivitäten ab

Die koptischen und katholischen Christen in Ägypten reagieren auf die Terroranschläge der vergangenen Monate: Im Juli soll es keine Sommeraktivitäten geben. Dies geht zu Lasten vor allem einer Gruppe.

Terrorismus | Kairo/Vatikanstadt - 17.07.2017

Wegen der terroristischen Bedrohungslage haben Ägyptens christliche Kirchen ihre Sommeraktivitäten für den Monat Juli komplett abgesagt. Der koptische Papst Tawadros II. habe alle Versammlungen auf öffentlichen Plätzen vor Kirchen und Klöstern sowie kirchliche Konferenzen und öffentliche Kundgebungen absagen lassen, berichtet "Radio Vatikan" am Montag.

"Wenn die Leute derartige Tätigkeiten organisieren, dann nutzen sie alle Kommunikationsmittel, die sie zur Verfügung haben", sagte der koptisch-katholische emeritierte Bischof von Gizeh, Antonios Aziz Mina: "Sie rufen sich gegenseitig an, schreiben sich auf Facebook, um zu organisieren, Zeiten auszumachen, die Namen der Teilnehmer auszutauschen", so Mina. "Und so liefern sie unfreiwillig auch jenen Informationen, die ein Attentat gegen sie vorbereiten wollen." Die Absage der kirchlichen Sommeraktivitäten gehe vor allem zu Lasten der kirchlichen Jugendarbeit, so der Bischof. Denn wenn Schulen und Universitäten geschlossen seien, versammelten sich die jungen Menschen normalerweise zu Freizeitaktivitäten, die etwa von Kirchen organisiert werden.

Sicherheitsmann vor Kirche

In Alexandria hatte am Samstag ein Angreifer einen Sicherheitsmann vor einer koptischen Kirche mit einem Messer attackiert. Die Kirche war bereits im Januar 2011 Ziel eines Terroranschlags mit vielen Toten und Verletzten. Der Sicherheitsmann der Al-Qiddissine-Kirche hatte laut Medienberichten die Tasche eines 24-jährigen Muslims kontrollieren wollen, der in die Kirche hineingehen wollte. Der Mann stach ihm daraufhin in den Nacken. Dem Wachposten gelang es allerdings, den Angreifer zu überwältigen.

Linktipp: Wieder ein Schlag gegen die Kopten in Ägypten

Keine zwei Monate liegt der letzte Anschlag zurück, schon fließt wieder Blut in Ägypten: Schüsse auf einen Bus mit koptischen Christen. Das Land kommt nicht zur Ruhe. Ist das etwa das Ziel der Terroristen? (Artikel vom Mai 2017)

Zum Artikel

Der Anschlag ereignete sich nur wenige Tage nach dem kaltblütigen Angriff auf Touristen am Strand von Hurgada, dem zwei deutsche Frauen zum Opfer fielen. Derartige Anschläge verfolgten ein klares Ziel, erklärte Mina. Sie seien "Teil einer Kampagne, die Wirtschaft Ägyptens zu zerstören, das Land zu destabilisieren, Unsicherheit zu schüren und den Frieden zu stören". Ein Drittel der Einnahmen Ägyptens speisten sich aus dem Tourismusbereich, betonte der Bischof. Der Wirtschaft gehe es derzeit extrem schlecht.

Am Palmsonntag waren bei Anschlägen auf die Sankt-Markus-Kathedrale von Alexandria und die Sankt-Georgs-Kirche von Tanta insgesamt 45 Menschen gestorben. Wenige Tage später starb ein Polizist bei einem Angriff des sogenannten Islamischen Staates (IS) auf das Katharinenkloster im Sinai. Im Mai wurden 29 christliche Pilger in einem Bus von IS-Terroristen getötet. (luk/KNA)

RSS-Feeds  |  Impressum  |  Über uns  |  Datenschutz  |  © 2017