Kirchen und Politik werben für Gastfreundschaft und Integration

Bischöfe und Politiker haben in Mainz die 40. bundesweite Interkulturelle Woche eröffnet. Die traditionsreiche Veranstaltung stand unter den Vorzeichen zunehmender Flüchtlingszahlen. Kardinal Marx dankte allen Helfern und mahnte, den Ankommenden Perspektiven zu eröffnen.

Integration | Mainz - 27.09.2015

Mit einem ökumenischen Gottesdienst im Beisein von Bundespräsident Joachim Gauck ist am Sonntag im Mainzer Dom die 40. bundesweite Interkulturelle Woche eröffnet worden. Sie hat das Motto "Vielfalt. Das Beste gegen Einfalt".

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, rief in dem Gottesdienst dazu auf, den nach Deutschland kommenden Flüchtlingen von Anfang an aussichtsreiche Bildungs- und Berufsperspektiven zu eröffnen und ihnen eine aktive Teilhabe am Gemeinwesen zu ermöglichen. Ein friedliches Zusammenleben in der Gesellschaft gelinge auf Dauer nur durch erfahrene und gelebte Gemeinsamkeit, durch Begegnung, Teilhabe und Integration.

Ausdrücklich dankte Marx allen, die in den vergangenen Wochen und Monaten dafür gesorgt hätten, dass der Ansturm von Flüchtlingen habe bewältigt werden können. Sein besonderer Dank galt den ehrenamtlichen Helfern in der Flüchtlingsarbeit. Sie hätten mit ihrer spontanen Hilfsbereitschaft ein überwältigendes Bild von Gast- und Menschenfreundlichkeit gezeichnet.

Keine spezielle Christenwürde

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, betonte, die gottgegebene unveräußerliche Menschenwürde gelte allen. Es gebe keine spezielle Christenwürde. Es gehe darum, die Würde aller Menschen zu bewahren.

In einem Grußwort an die Teilnehmer des Gottesdienstes in seiner Mainzer Bischofskirche bezeichnete Kardinal Karl Lehmann die Gründung der Interkulturellen Woche vor 40 Jahren als segensreich. Mit Blick auf das aktuelle Motto "Vielfalt. Das Beste gegen Einfalt" sagte der Kardinal, diese Einsicht sei eine wesentliche Voraussetzung für eine größere Teilnahme aller Menschen hierzulande an den allgemeinen Rahmenbedingungen zur Gleichberechtigung.

Der Gottesdienst stand unter dem biblischen Leitwort "Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob". Die Kollekte soll der Ökumenischen Flüchtlingshilfe Mainz zugutekommen. An den Gottesdienst schloss sich ein Festakt in der Mainzer Staatskanzlei an. Dazu hatten die Kirchen, die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer und der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling (beide SPD) eingeladen.

Die vormals als Woche der ausländischen Mitbürger bezeichnete jährliche Interkulturelle Woche ist eine Initiative der beiden großen Kirchen und der Griechisch-Orthodoxen Metropolie in Deutschland. Sie zielt darauf, Vorurteile gegenüber Ausländern abzubauen und will für eine gemeinsame Zukunft werben. Der Freitag der Interkulturellen Woche ist jeweils "Tag des Flüchtlings". (KNA)

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