Kirchenzeitungen protestieren gegen Bahn-Entscheidung

In Österreich können Reisende an Bord der Schnellzüge online ausgewählte Zeitungen lesen - doch religiöse Medien gehören bewusst nicht dazu. Dagegen protestieren Vertreter der Kirchenzeitungen.

Österreich | Wien - 01.02.2018

Vertreter der österreichischen Kirchenzeitungen haben dagegen protestiert, dass ihre Medien nicht im Online-Zeitungskiosk der Österreichischen Bundesbahn (ÖBB) angeboten werden. Als "äußerst bedauerlich" bezeichnete Heinz Finster den "Boykott" der Kirchenzeitungen durch die Bahn, wie der Österreichische Rundfunk am Mittwoch berichtete. Die ÖBB sei "nicht unwesentlich auch aus Steuermitteln finanziert" und müsse die in Österreich rechtlich anerkannten Religionsgemeinschaften respektieren, so der Sprecher der Kirchenzeitungen des Alpenlandes.

Finster wies darauf hin, dass kirchliche Medien "in sehr objektiver und fundierter Form" nicht nur über Kirchen-Themen, sondern auch über gesellschaftliche Herausforderungen, wie den Umweltschutz informierten. Die Kirchenzeitungen hätten eine Gesamtauflage von 160.000 Stück und damit einen großen Anteil am Zeitungsmarkt. Sie seien wie andere Medien grundsätzlich auch online zugänglich.

Die ÖBB verteidigte ihre Medienauswahl: Dass sich kein religiöses Medium im "Railnet" der Schnellzüge findet, sei "eine bewusste Entscheidung", sagte ÖBB-Pressesprecher Bernhard Rieder den Kirchenzeitungen. Der Staatsbetrieb könne "keine Bevorzugung beziehungsweise Vernachlässigung von Glaubensrichtungen propagieren", so Rieder.

Heinz Niederleitner von der Kooperationsredaktion mehrerer Kirchenzeitungen betonte, dass es in Österreich neben den Kirchenzeitungen keine vergleichbaren religiösen Printmedien gebe und somit keine anderen Publikationen diskriminiert werden könnten. Im politischen Bereich sei das "Neue Volksblatt" der konservativen Österreichischen Volkspartei (ÖVP) in einer ähnlichen Situation. Es existierten keine weiteren Parteizeitungen in Österreich, doch die ÖVP-Zeitung werde im ÖBB-Zeitungskiosk angeboten, beklagte Niederleitner.

Der Chefredakteur der Eisenstädter Kirchenzeitung "martinus", Franz Josef Rupprecht, machte einen "feindseligen Grundton" gegenüber Katholiken bei der ÖBB aus. Der Entscheidung der Bahn sei "boshaft oder nur dumm". "Die Milliarden von Zuschüssen an die Bahn durch die Staatskasse werden sicher auch zum überwiegenden Teil den Taschen der Katholiken im Land entnommen", so Rupprecht in der aktuellen Ausgabe der Zeitung. (rom)

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