Orden

Kloster und Welt im Gespräch

Workshop lotet Idee eines "Zentrums für Klosterkultur" aus

Bonn - 29.10.2014

Seit vielen Jahrhunderten leben Ordensleute in Deutschland und wirken durch ihr Gebet, ihre spirituellen und kulturellen Angebote in die Gesellschaft hinein. Und gerade heutzutage suchen Menschen verstärkt Klöster als Orte der Ruhe und Inspiration auf. Wie Klöster und "Welt" verstärkt aufeinander zugehen, in Dialog treten und sich vernetzen können, das hat nun ein Workshop in den Räumlichkeiten der Deutschen Ordensobernkonferenz (DOK) ausgelotet.

Die Schirmherrschaft für den Workshop hatte der DOK-Vorsitzenden Abt Hermann-Josef Kugler O.Praem übernommen. Im Mittelpunkt des Treffens stand die Idee, als Schnittstelle ein "Zentrum für Klosterkultur" ins Leben zu rufen.

Initiator Martin Erdmann widmet sich seit vielen Jahren der Vermarktung von Klosterprodukten und der Klosterkultur. Sein Engagement kommt nicht von ungefähr: Vor 25 Jahren lebte er als Novize in einem Benediktinerkloster und lernte dabei das Ordensleben intensiv kennen und schätzen. Auch wenn er sich für einen anderen Lebensweg entschieden hat - bereut hat er die Zeit im Kloster nicht. Er weiß, "wie bunt, vielfältig und lohnend das ist". Für beide Seiten.

Klosterlandschaft ist im Wandel

Und so kamen bei dem Workshop Ordensleute unter anderem aus Königsmünster, Maria Laach, Beuron, Plankstetten und Berlin miteinander ins Gespräch sowie weltliche Vertreter wie Lara Buschmann, die sich als Netzwerkmanagerin in Ostdeutschland im "Klosterland e.V." für die Vernetzung von ehemaligen Klöstern als kulturellen Zentren einsetzt. Es ging zunächst darum, Klosterkultur als Ganzes unabhängig von einem speziellen Standort aufzugreifen - angesichts des starken Wandels in der Klosterlandschaft durchaus sinnvoll und spannend. Schließlich können der Dialog und die gegenseitige Wertschätzung von Kloster und Welt beiden Seiten wertvolle Zukunftsimpulse vermitteln. Und so wurden in Kleingruppenarbeit etwa die Bedeutung von Klöstern für die Kultur, Klischees sowie klösterliche Lebensformen als "Beitrag zu gutem und gelingendem Leben" thematisiert. Gerade dieser Aspekt spricht Menschen von heute an.

Die Lebensform Kloster sei indes schon immer "eine Suche nach neuen Lebensmodellen" gewesen, weiß Erdmann. Ein Kloster sei "ein Ort der Gottsuche, der Gastfreundschaft und ein spezifischer Raum der Begegnung und der Stille". Zugleich sei klösterliches Leben ein "Erfahrungshorizont und Experimentalraum". Klöster leisteten deshalb einen "anspruchsvollen, wertvollen, unersetzlichen Beitrag für unsere Gesellschaft", so der Veranstalter.

Die Workshop-Teilnehmer überlegten, wie ein mögliches "Zentrum für Klosterkultur" aussehen könnte. Als einen Schritt nannte Erdmann die Möglichkeit, die Berufungspastoral zu unterstützen sowie ehemalige Ordensleute - "wichtige Sympathieträger" - als Mittler in die Welt zu nutzen. Nach dem ersten Treffen ist noch unklar, ob das Zentrum einmal ein virtueller Ort sein soll oder durch eine Gruppe oder ein konkretes Gebäude verkörpert wird.

"Das Zentrum für Klosterkultur existiert jetzt erst mal durch die Gruppe", erklärt Erdmann. Er möchte im Mai nächsten Jahres beim bundesweiten Ordenstreffen in Berlin mit dem Anliegen präsent sein. Unter dem Motto "Weltgewandt und himmelwärts. Orden im Dialog" lädt die DOK vom 14. bis 17. Mai in die Hauptstadt; die Aktionstage sind die zentrale DOK-Veranstaltung zum internationalen Jahr der Orden.

Auch dort möchte Erdmann für das Klosterzentrum werben, mögliche Kooperationspartner und vielleicht auch einen konkreten Ort finden, wo dieses angesiedelt werden könnte. "In Berlin soll etwas Sichtbares stattfinden, das in die Öffentlichkeit wirkt." Zugleich vereinbarten die Teilnehmer im Frühjahr nächsten Jahres ein weiteres Treffen im Dominikanerinnenkloster Wettenhausen im schwäbischen Günzburg. Dort werde derzeit gemeinsam mit den betagten Ordensfrauen eine Zukunftsvision für diesen spirituellen Ort entwickelt.

Klösterliche Lebensform ist nicht überholt

Denn auch Erdmann weiß "um die Nöte der personell geschrumpften Klöster", die "demografisch ins Straucheln geraten sind". Das bedeutet aber aus seiner Sicht längst nicht, dass diese Lebensform der Gottsuche und des stellvertretenden Lebens überholt ist. Klösterliche Lebensformen seien durch nichts zu ersetzen - sie seien "so alt und erprobt, dass es weitergehen und sich regenerieren wird". Als Beispiel nennt er das Kloster Beuron, das vor 150 Jahren plötzlich wieder zu neuem Leben erwacht sei. Deshalb hält es Erdmann für "absolut lohnend, in die Zukunft von Klöstern zu investieren".

Auf jeden Fall werden die Beteiligten am Thema dranbleiben, verspricht Erdmann, "aber ohne Zwang". Ein "Zentrum für Klosterkultur" müsse sich "organisch entwickeln" und könne nicht einfach "aus dem Boden gestampft werden". Deshalb steht für Erdmann zunächst im Mittelpunkt, "Leute zusammenzubringen, die sich gegenseitig bereichern". Dies sei eine wichtige Grundlage für die künftige Arbeit. DOK-Sprecher Arnulf Salmen erklärte, sein Haus werde das Ansinnen "konstruktiv begleiten".

Von Angelika Prauß (KNA)

Orden in Deutschland

Rund 19.300 Ordensfrauen und knapp 4.700 Ordensmänner, davon rund 3.140 geweihte Priester, leben laut DOK (Stand Ende 2012) in Deutschland. Diese verteilen sich auf 1.627 klösterliche Niederlassungen bei den Frauen und 461 bei den Männern. Die Zahl der eingetragenen Frauenorden liegt bei 324, die der Männerorden bei 109. Bei den Mitgliederzahlen stehen bei Männern und Frauen die Benediktiner an erster Stelle, gefolgt von den Franziskanern. Bei den Männern sind 45 Prozent jünger als 65 Jahre und 55 Prozent älter. Die Frauen sind in großer Mehrheit älter als 65 Jahre (84 Prozent), nur 16 Prozent sind unter 65 Jahre alt. In Frauen- und Männerorden sinkt die Zahl der Mitglieder. Bei den Frauen waren es Ende 2011 noch rund 1.000 und bei den Männern 100 mehr als 2012. Dabei gab es 2012 insgesamt 83 männliche und 104 weibliche Neuanwärter, Novizen. (KNA)

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