Kolumbarium in der "Kleinen Arche"

In Erfurts neuester Urnenbegräbnisstätte sind die Plätze bereits vor der Eröffnung alle vergeben. Die Konfessionszugehörigkeit der Toten spielt keine Rolle. Christen wie Nichtchristen können hier beigesetzt werden.

Bestattungen | Erfurt - 24.02.2014

Schon die Adresse weist darauf hin, dass die Gegend eine lange christliche Tradition hat. "Kleine Arche" heißt die Gasse in der Erfurter Altstadt. An einer Ecke schmiegt sich ein schmaler Bau in hellen Natursteinen an die Nachbarhäuser. Erst mit etwas Abstand wird ein Dachreiter sichtbar, der das Gebäude als Gotteshaus erkennbar macht. Die Magdalenenkapelle hat eine bewegte Geschichte. Im Jahr 1227 wird erstmals in einer Urkunde ein Kirchenbau an dieser Stelle erwähnt. Das heutige Gebäude stammt aus dem Jahr 1341.

Im Inneren besteht die Kapelle aus einem einzigen Raum. Weihbischof Reinhard Hauke erklärt, wozu die zehn Stelen gut sind, die im Kirchenschiff stehen. "Hier finden 420 Urnen Platz". Allerdings seien die Plätze bereits alle vergeben. "80 Leute stehen auf unserer Warteliste", berichtet Hauke, der auch Kustos des Erfurter Domkapitels ist.

Individualisierung in der Bestattungskultur

"Das Kolumbarium als Bestattungsform liegt im Trend. Im Hamburger Mariendom sind gerade im vergangenen Jahr 1.400 Plätze in einem neu geschaffenen Kolumbarium eingeweiht worden", berichtet Norbert Fischer. Der Hamburger Sozial- und Wirtschaftshistoriker beschäftigt sich seit Jahren mit der Geschichte von Tod und Sterben.

Auch ein Hartz-IV-Empfänger soll sich hier einen Platz leisten können.

Der Erfurter Weihbischof Reinhard Hauke über das Kolumbarium

"Die Bestattungskultur fächert sich derzeit breit auf", so der Professor. Bis vor wenigen Jahren sei die Bestattungskultur in Deutschland noch relativ einheitlich und auch stark reglementiert gewesen. "Analog zu anderen Entwicklungen in der postmodernen Gesellschaft kommt es jetzt auch in der Bestattungskultur zu einer Individualisierung", erklärt er. Das Kolumbarium sei dabei ein Angebot, dass von einer bestimmten Bevölkerungsgruppe geschätzt werde. Meistens sei die Bestattung im Kolumbarium teuer. Viele wollten jedoch gerade diese Art von Exklusivität, so Fischer.

Der Erfurter Weihbischof Reinhard Hauke und Künstlerin Evelyn Körber bei der Vorstellung des neuen Kolumbariums.
 Markus Kremser

Teuer ist die Beisetzung in der Erfurter Magdalenenkapelle im Vergleich zu anderen Bestattungsformen nicht. 1.100 Euro kostet ein Urnenplatz für 20 Jahre. Danach kann die Liegedauer noch verlängert werden. "Wir wollen auch Menschen die Beisetzungsform anbieten, die kein großes Vermögen haben. Auch ein Hartz-IV-Empfänger soll sich hier einen Platz leisten können", sagt Weihbischof Hauke. Die Konfessionszugehörigkeit der Toten spielt dabei keine Rolle. Christen wie Nichtchristen können hier beigesetzt werden.

Zweite Urnenbegräbnisstätte in der Altstadt

Die Nachfrage ist in Erfurt groß. Das neue Kolumbarium ist bereits das zweite in der Altstadt. Seit 2007 bietet die Allerheiligenkirche Platz für 630 Urnen. Gestaltet hat beide Begräbnisorte die Erfurter Künstlerin Evelyn Körber. "Hier können Angehörige rote oder weiße Rosen hineinstecken", erklärt sie, was es mit den Ösen aus Edelstahl an den Stelen in der Magdalenenkapelle auf sich hat. Sie sind aus Solnhofener Kalkstein gefertigt. Individuell gestaltete matte Glasscheiben machen jedes Fach für eine Urne unverwechselbar.

520.000 Euro haben die Sanierung und der Umbau der Kapelle zum Kolumbarium gekostet. "Wir hoffen, dass es eine rote Null wird", sagt Weihbischof Hauke über die erwarteten Einnahmen. Die ersten Bestattungen werden bereits im März stattfinden.

Von Markus Kremser

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