Kritik an "Coldplay-Messe" in Jesuiten-Uni

Die Pop-Rocker von "Coldplay" ziehen seit 20 Jahren Menschen in Konzerthallen auf der ganzen Welt – und nun auch in eine Unikirche. Das zuständige Bistum will damit jedoch nichts zu tun haben.

Liturgie | Bonn - 11.10.2017

Die mexikanische Jesuiten-Universität "Ibero" will am Mittwoch (Ortszeit) eine "Coldplay-Messe" feiern. Das zuständige Erzbistum Puebla de los Angeles distanzierte sich in einer Mitteilung vom Dienstagabend von der Veranstaltung. Sie sei weder an der Organisation des geplanten Gottesdienstes beteiligt, noch würde sie ihn fördern, hieß es in einem Tweet der Erzdiözese.

Die Eucharistiefeier um 12 Uhr soll den Auftakt des "Tags der Gemeinschaft" der Universität am 11. Oktober darstellen. Medienberichten zufolge sollen bei der Messe Stücke der britischen Band "Coldplay" gespielt und anschließend von den Teilnehmern analysiert werden. Als Gastgeber tritt das "Ignatianische Programm" der Hochschule auf. Die "Universidad Iberoamericana Ciudad de Mexico" – kurz "Ibero" genannt – in Mexiko-Stadt steht unter der Leitung des Jesuitenordens. Sie gilt als Eliteuniversität. Nach eigenen Angaben sind derzeit 12.200 Studenten an der "Ibero" eingeschrieben.



Die diözesane Liturgiekommission von Puebla betonte in ihrer Stellungnahme den Wert und die Würde der heiligen Messe. "Die Eucharistie ist seit jeher der größte Schatz, den die Kirche hütet", heißt es in dem auf Twitter verbreiteten Schreiben. Weiter verwies die Kommission auf die zentrale Rolle, die die Liturgiekonstitution "Sacrosanctum concilium" des Zweiten Vatikanischen Konzils der Eucharistie zuschreibt. "Wenn dieser Wert und diese Bedeutung verloren gehen, besteht die Gefahr, dass die Feier sich bestenfalls in einen frommen Akt, oder einfach in eine Versammlung guten Willens umkehrt, in der Ideale oder spirituelle Hoffnung geteilt werden, die zwar gut sein mögen, aber keinen Platz in der Heiligen Messe haben", erklärte die Erzdiözese.

Erzbistum betont Anforderung an sakrale Musik

Weiter verwies die Kommission darauf, dass das Konzil die Kirchenmusik zwar als wichtigen Bestandteil der "tätigen Teilnahme" der Gläubigen genannt hätte. Die im Gottesdienst vorgetragene Musik müsse jedoch die von der Kirche gestellten Anforderungen an musikalische Qualität und Inhalte der Texte erfüllen. Spirituelle Motive sind in den Werken von "Coldplay" zwar zu finden, spielen aber eine eher untergeordnete Rolle. Verschiedene Titel seien jedoch inspiriert von Kirchenliedern, wie Sänger Chris Marin in einem Interview im Jahr 2005 erklärte. Er selbst glaube sehr wohl an einen Gott, bezeichne sich jedoch nicht als Christ. (kim)

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