Kritik an vatikanischer Informationspolitik

Wer bei der Familiensynode im Vatikan was sagt, bleibt strikt vertraulich. Denn die Bischöfe sollen frei reden können. Journalisten macht diese Regelung jedoch die Arbeit schwer. Unter den Berichterstattern wächst der Unmut.

Familiensynode | Vatikanstadt - 15.10.2015

Dass sich das Medieninteresse an der Bischofssynode über Ehe und Familie derzeit vor allem auf das Verwirrspiel um einen Beschwerdebrief konzentriert, den einige Kardinäle an den Papst geschrieben haben sollen, hat viele Gründe. Einer davon könnte sein, dass die Erwartungen an die Synode ungemein hoch sind, es jedoch kaum möglich ist, sich ein zusammenhängendes Bild von den Vorgängen zu machen.

Das liegt an der Arbeitsweise der Bischofsversammlung, aber auch an ihrer Informationspolitik. Unter den Berichterstattern ist in diesen Tagen bisweilen Unmut spürbar. Massive Kritik, wie bei der Familiensynode im vorigen Herbst, gibt es einstweilen allerdings noch nicht.

Unübersichtlicher Verlauf der Diskussionen

Das erste Problem: Den Verlauf der Diskussion zu rekonstruieren ist nahezu unmöglich. Die Redebeiträge der Teilnehmer werden wie im Vorjahr, aber abweichend von der früheren Praxis nicht veröffentlicht. Nach dem Willen von Papst Franziskus soll die Bischofssynode ein "geschützter Raum" sein, in dem der Heilige Geist wirken kann. Jeder Teilnehmer soll sich freimütig äußern können.

Den Synodenvätern ist allerdings freigestellt, ihre Äußerungen selbst zu veröffentlichten. Davon machten bereits mehrere Gebrauch. Die Wortmeldung des Berliner Erzbischofs Heiner Koch etwa publizierte die Deutsche Bischofskonferenz auf ihrer Internetseite. Doch das sind nur einzelne Mosaiksteine.

Vatikansprecher Federico Lombardi.
Vatikansprecher Federico Lombardi.
 KNA

Hinzu kommt die veränderte Arbeitsweise der Synode: In diesem Jahr wird sehr viel mehr in Arbeitsgruppen debattiert. Insgesamt 40 Stunden verbringen die Teilnehmer insgesamt in einem der 13 Sprachzirkel. Das erschwert einen Gesamtüberblick zusätzlich.

Unzureichende Information

Das zweite Problem: Die tägliche Pressekonferenz mit dem Leiter des vatikanischen Presseamtes, Federico Lombardi, und weiteren Sprechern der Synode gibt immer nur einen Überblick über die verhandelten Themen. Redebeiträge namentlich zuordnen dürfen die Sprecher nicht. Verwirrend wirkt bisweilen, dass die Wiedergabe der Inhalte in verschiedenen Sprachen bisweilen nicht unbeträchtlich voneinander abweichen. Außerdem sind die Informationen gefiltert.

Als Papst Franziskus sich am Dienstag vor der Bischofssynode überraschend zu Wort meldete, teilte Lombardi zunächst nicht alle Inhalte von dessen kurzer Ansprache mit. Dass der Papst beispielsweise die Synodenteilnehmer gewarnt hatte, sich nicht in Verschwörungstheorien zu ergehen, erfuhr die Öffentlichkeit erst durch eine Twitter-Botschaft des Jesuiten Antonio Spadaro, einem Synodenteilnehmer.

Beim Bischofstreffen im vergangenen Jahr war anfangs kritisiert worden, dass die Teilnehmer, die bei den vatikanischen Pressekonferenzen auftreten, nicht ausgewogen ausgewählt seien. Konkret lautete der Vorwurf damals, konservative Bischöfe und Kardinäle seien unterrepräsentiert.

Themenseite: Familiensynode

Vom 4. bis 25. Oktober 2015 tritt die XIV. Ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode unter dem Thema "Die Berufung und Sendung der Familie in Kirche und Welt von heute" zusammen. Die Themenseite bündelt die Berichterstattung von katholisch.de zur Synode.

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Ein derartiger Vorwurf wurde in diesem Jahr noch nicht laut geäußert. Das Verfahren ist allerdings gleichgeblieben: nicht die Synode selbst, sondern der Presseamtsleiter und die übrigen Sprecher der Synode wählen die Kandidaten aus, die täglich den Journalisten berichten.

Ermahnung für die polnische Bischofskonferenz

Umso wichtiger sind diesmal die neuen Medien: Die Teilnehmer selbst dürfen sogar aus der Synodenaula oder der Arbeitsgruppe twittern, allerdings keine Inhalte. Außerhalb der Beratungen gilt auch für sie die Regel: Redebeiträge dürfen nicht namentlich zugeordnet werden.

Die Polnische Bischofskonferenz hielt sich nicht daran und veröffentlichte auf ihrer Internetseite Zusammenfassungen von namentlich gekennzeichneten Wortmeldungen. Daraufhin gab es eine Ermahnung vor dem Plenum vom Generalsekretär der Synode, Kardinal Lorenzo Baldisseri.

Eine wichtige Informationsquelle sind auch Blogs. Ihre Bedeutung hat gegenüber der Bischofsversammlung im vorigen Herbst nach Einschätzung eines Synodensprechers zugenommen. Unter den deutschen Teilnehmern führt Benediktinerabt Jeremias Schröder ein Synoden-Tagebuch auf katholisch.de. Und schließlich gibt es noch das Interview. Vatikansprecher Lombardi hatte ausdrücklich dazu ermuntert. Wenn ein Synodenteilnehmer ablehne, sollten die Journalisten nachhaken und nach dem Grund fragen.

Blog: Aus der Aula

Drei Wochen im Zeichen von Ehe und Familie: Abtpräses Jeremias Schröder nimmt als Ordensvertreter an der Weltbischofsynode im Vatikan teil. Für katholisch.de berichtet er in einem Blog regelmäßig direkt aus der Synodenaula.

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Von Thomas Jansen (KNA)

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