Lehmann würdigt NS-Gegner Max Josef Metzger

Kardinal Lehmann hat den Priester und Widerstandskämpfer Max Josef Metzger gewürdigt. Dem von den Nationalsozialisten hingerichteten Geistlichen werde zu wenig Platz in der Erinnerung des deutschen Widerstands eingeräumt.

Geschichte | Berlin - 16.12.2015

Kardinal Karl Lehmann hat sich für eine stärkere Würdigung des Priesters und NS-Gegners Max Josef Metzger (1887-1944) ausgesprochen. In der Darstellung des deutschen Widerstands habe er "kaum einen Platz", kritisierte der Mainzer Bischof am Mittwochabend in Berlin.

Zu Lebzeiten seien seine pazifistischen Positionen auch in der Kirche wenig aufgenommen worden, räumte Lehmann ein. Er sprach in der Bildungs- und Gedenkstätte "Topographie des Terrors". Sie befindet sich am Ort des ehemaligen nationalsozialistischen Reichssicherheitshauptamtes. Dort war Metzger vor seiner Hinrichtung wegen "Hochverrats" rund zehn Wochen inhaftiert.

Lehmann betonte, Metzger sei "trotz vieler Talente eine schwierige Persönlichkeit gewesen". So sei "seine Fähigkeit zum Kompromiss wenig ausgebildet gewesen". Zugleich habe er sich nach dem Ersten Weltkrieg gegen die Wiederaufrüstung Deutschlands und als einer der ersten auf katholischer Seite für ein Recht auf Kriegsdienstverweigerung eingesetzt. Auch habe er sich stark für die Gemeinschaft der Kirchen engagiert und eine ökumenische Gemeinschaft gegründet. Im Zweiten Weltkrieg habe er Vorschläge zur Neuordnung Deutschlands auf christlicher Grundlage erarbeitet und damit den Hass der Nationalsozialisten auf sich gezogen.

Antijudaismus war im katholischen Milieu verwurzelt

Der Kardinal räumte ein zwiespältiges Verhältnis Metzgers zum Judentum ein. Bei ihm habe es Restbestände eines Antijudaismus gegeben, "wie er sich in katholisch geprägten Milieus jener Zeit immer wieder fand und tiefer verwurzelt war". So habe Metzger "sich im Rahmen antikapitalistischer Äußerungen antijüdischer Stereotypen bedient". Zugleich habe er jedoch "schon früh jegliche Diskriminierung von Menschen nach Religion, Rasse oder Nationalität abgelehnt". Nach einem "deutlichen Meinungs- und Gesinnungswandel" habe er während der NS-Zeit in Berlin verfolgten Juden geholfen.  

Lehmann äußerte sich auch zu dem 2006 eröffneten Seligsprechungsverfahren für Metzger. Nach erfolgreichem Prozess auf Bistumsebene sei das Ergebnis mit rund 6.000 Seiten Studien und Belegen in diesem Jahr nach Rom weitergeleitet worden. Dort entscheide nun die vatikanische Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse. "Vermutlich dauert dies längere Zeit", sagte der Kardinal. (KNA)

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