"Liebe ist eine Entscheidung"

Die Familienynode hat sich mit dem Thema Scheidung auseinandergesetzt. Dazu hörten die Kardinäle und Bischöfe am Mittwoch den Erfahrungsbericht eines südafrikanischen Ehepaars, das nach 21 Ehejahren beinahe die Scheidung eingereicht hätte. Stephen und Sandra Conway hätten laut dem vom Vatikan veröffentlichten Redetext dann aber mit Unterstützung der internationalen christlichen Eheberatungsorganisation "Retrouvaille" einen Neuanfang geschafft.

Familiensynode | Vatikanstadt - 09.10.2014

Die Familienynode hat sich mit dem Thema Scheidung auseinandergesetzt. Dazu hörten die Kardinäle und Bischöfe am Mittwoch den Erfahrungsbericht eines südafrikanischen Ehepaars, das nach 21 Ehejahren beinahe die Scheidung eingereicht hätte. Stephen und Sandra Conway hätten laut dem vom Vatikan veröffentlichten Redetext dann aber mit Unterstützung der internationalen christlichen Eheberatungsorganisation "Retrouvaille" einen Neuanfang geschafft.

Die beiden, die seither selbst für die Organisation tätig sind, berichteten über ihre Arbeit mit verzweifelten Paaren kurz vor einer drohenden Trennung. Viele von ihnen seien das erste oder zweite Mal, andere dagegen gar nicht verheiratet. "Wir erklären ihnen, dass Liebe eine Entscheidung ist, kein Gefühl", so die Conways. Eine unglückliche Ehe durchlaufe die Stadien der Romantik, der Desillusionierung und schließlich des partnerschaftlichen Unglücks. Daraus könne zwar auch wieder eheliche Freude erwachsen, doch viele Paare schafften diesen Versuch einfach nicht mehr. Kinder litten unter unglücklichen wie unter geschiedenen Ehen.

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Familienbischof Heiner Koch über aktuelle Herausforderungen in der Familienpastoral.
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Das Ehepaar aus Südafrika ging auch auf das katholische Eucharistieverbot für wiederverheiratete Geschiedene ein. Viele Betroffene fühlten sich von der Kirche alleingelassen. Als Beispiel nannten sie eine wiederverheiratete Geschiedene, die zum Katholizismus konvertieren wollte, sich schließlich aber von der Gemeinde abwandte, nachdem ihr Eheannullierungsverfahren gescheitert war. "Wenn Gott der letzte Vergebende und voll Mitgefühl ist, dann sollten diesen Paaren ihre früheren Fehler verziehen werden. Sie werden aber ständig daran erinnert und wegen ihrer vergangenen Beziehungen oder Fehler für schuldig erklärt, indem sie nicht an der Kommunion teilnehmen dürfen", betonte das Beraterpaar.

Erzbischof Assis: "Die Kunst des Begleitens" erlernen

In seiner Einleitungsrede sprach sich der Erzbischof von Aparecida in Brasilien, Kardinal Raymundo Damasceno Assis, für eine intensivere Begleitung wiederverheirateter Geschiedener durch die Kirche aus. Diese Menschen "erleben ihre Erfahrungen als tiefe Wunde in ihrem eigenen Menschsein, in ihrer Beziehung zu anderen und zu Gott", so Assis, den Papst Franziskus als einen von drei Synodenpräsidenten berufen hat. Es gelte, gemeinsam "die Kunst des Begleitens" zu erlernen, wie sie Franziskus in seinem Lehrschreiben "Evangelii gaudium" beschreibe.

Der Wiener Kardinals Christoph Schönborn unterstrich am Rande der Synode noch einmal den Stellenwert der Familie. Sie sei die "Überlebensfabrik der Zukunft", sagte er Radio Vatikan am Mittwoch. Die Wortbeiträge der ersten drei Synodentage hätten dargelegt, wie zentral die Familie "für die Gesellschaft, aber vor allem für den Menschen in seiner Verwirklichung und in seinem Glück" sei, zitierte Schönborn den verstorbenen Publizisten Frank Schirrmacher.

Dass die Gesellschaft für ihre Zukunftstüchtigkeit vor allem die Familie braucht, zeigten die heutigen Krisenländer Europas, so der Kardinal. Familie sei "ein spontanes, natürliches und selbstverständliches Auffangnetz". Der Familie wiederum könne niemand mehr Unterstützung geben als die Glaubensgemeinschaft. Von der Synode erwarte er sich daher "vor allem eine intensive Debatte über die Wichtigkeit der Familie für eine Gesellschaft, die in schwierige Zeiten kommt".

Kardinal Schönborn: "Impulse für Situationen des Scheiterns"

Nach dem Erfahrungsbericht des Ehepaars aus Südafrika wünscht sich Schönborn noch weitere "Impulse für Situationen des Scheiterns", ebenso aber auch für den Umgang mit Paarbeziehungen außerhalb der kirchlichen Ehe. Bei den "unveränderlichen" Zehn Geboten gebe es eine Abstufung hinsichtlich ihrer Umsetzung. "Wir können uns in unserem Leben dem Wort Jesu mehr oder weniger annähern", so der Erzbischof. Ähnlich würden auch viele Menschen "diese volle Gestalt der Ehe, so wie sie im Plan Gottes vorgesehen ist, erst allmählich erreichen". Bei Paarbeziehungen sollte die Kirche stärker als bisher "auf das, was bereits da ist", blicken, so Schönborn.

Zu bedenken gab der Kardinal, dass in Österreich unverheiratetes Zusammenleben steuerlich bessergestellt sei als das verheiratete. Das mache die Ehe für junge Menschen zu einer noch größeren Herausforderung. In vielen anderen Ländern gebe es äußere Lebensumstände, die Ehen besonders für ärmere Menschen erschwerten. Auch in Österreich sei dies einst so gewesen. "Viele konnten sich eine Ehe nicht leisten", so Schönborn. Auch hier müsse der pastorale Blick nicht urteilend, sondern "begleitend, verständnisvoll und ermutigend" sein.

Die rund 190 Kardinäle und Bischöfe der Familiensynode tagten am Mittwoch zu dem Thema "Die pastoral schwierigen Situationen". Dabei wollten sie sich auch mit der Frage gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften befassen. (bod/KNA)

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