Bistum Passau

Marien-Verehrung und Stephanuspatronat

Das Bistum Passau im Porträt

Passau - 08.06.2015

Der bedeutendste Wallfahrtsort im gesamten deutschsprachigen Raum befindet sich in der Diözese Passau. Seit über 1250 Jahren gilt Altötting als das geistliche Zentrum für den bayerischen Raum und weit darüber hinaus. Jahr für Jahr pilgern über eine Million Menschen aus der ganzen Welt in die Wallfahrtsstadt und in die Gnadenkapelle oder Heilige Kapelle, wie sie auch genannt wird.

Als das "Herz Bayerns" wird Altötting auch deshalb bezeichnet, weil tatsächlich Herzen hier bestattet wurden. In den silbernen Schauurnen in Wandnischen der Westseite der Heiligen Kapelle findet sich das Herz-Grabmal des Wittelsbacher Kaisers Karl VII., das 1745 vom Münchner Hofbildhauer Johann Baptist Straub geschaffen wurde. Außerdem sind in der Gnadenkapelle die Herzen von zehn bayerischen Herrschen, drei Fürsten, elf fürstlichen Frauen und fünf Bischöfen beigesetzt. Die Verstorbenen versprachen zu Lebzeiten, als Wächter und Beter vor der Gottesmutter stehen zu bleiben.

Die Heilige Kapelle St. Maria – Gnadenkapelle

Der Bau der Heiligen Kapelle St. Maria selbst führt verschiedene Stilepochen zusammen. Noch aus vorromanischer Zeit dürfte das Oktogon, d. h. der achteckige Rundbau, stammen. Die ursprüngliche Taufkapelle wurde wohl um 700 errichtet. Der heilige Bischof Rupertus von Salzburg soll in der Kapelle den ersten christlichen Bayernherzog getauft haben. Somit ist die Gnadenkapelle eine der ältesten Kirchen Deutschlands.

Das Gnadenbild der "Schwarzen Madonna", zu dem bis heute die Gläubigen pilgern, stammt aus der Zeit um 1330 und steht heute inmitten eines in Silber gefassten Altars. Ihr tiefdunkles Erscheinungsbild kommt daher, weil so viele Generationen ihre Kerzen angezündet haben.

Erst im 15. Jahrhundert begann die Wallfahrtsgeschichte von Altötting. Entscheidend sind hierbei zwei Heilungswunder in den Jahren 1489 und 1490, wonach ein dreijähriger ertrunkener Knabe und ein weiteres Kind, das von einem Wagen überfahren worden war, nach Anrufung der Gottesmutter durch die Eltern errettet wurden. Heute ist das Erscheinungsbild der Gnadenkapelle durch ein spätgotisches Langhaus und einen überdachten Umgang um das Oktogon aus dem frühen 16. Jahrhundert geprägt. Rund 2000 Votivtafeln an den Wänden des Umgangs erinnern an die Sorgen und Nöte der Pilger. Neben der Madonna befindet sich das Grab des Kapuzinerbruders Konrad von Parzham, der 1934 heiliggesprochen wurde.

Vor der Kirche St. Magdalena steht die Altöttinger Gnadenkappelle mit der altverehrten Schwarzen Muttergottes. Sie ist die meistbesuchte Wallfahrtsstätte Deutschlands und auch europaweit bekannt.  KNA

Ein pulsierendes Pilgerzentrum mit vielen internationalen Kontakten

Heute ist Altötting ein pulsierendes Pilgerzentrum mit vielen internationalen Kontakten zu anderen bekannten Wallfahrtsorten, wie etwa Lourdes, Tschenstochau, Fatima und Loreto. In Altötting finden jährlich ein internationales Jugendforum, große Wallfahrten, festliche Gottesdienste und Lichterprozessionen statt. Den Auftakt für das Altöttinger Wallfahrtsjahr bildet die große Wallfahrt der Passauer Diözesanjugend um die Osterzeit mit über 7000 jungen Pilgern. Höhepunkte sind der Beginn des Marienmonats (1. Mai), das dreitägige Pfingstfest mit der Ankunft zahlreicher Fußpilger-gruppen, die große Fronleichnamsprozession und der Festtag Mariä Himmelfahrt am 15. August mit der Lichterprozession am Vorabend.

Marktl am Inn: Der Geburtsort des bayerischen Papstes

Eine enge Verbindung besteht auch zwischen Altötting und Papst Benedikt XVI. Mit dem 19. April 2005, als Joseph Kardinal Ratzinger zum Oberhaupt der katholischen Kirche gewählt wurde, geriet die beschauliche Marktgemeinde Marktl am Inn ins Rampenlicht der Weltöffentlichkeit. Hier hat Papst Benedikt am 16. April 1927 das Licht der Welt erblickt und wurde kurz darauf in der Pfarrgemeinde St. Oswald auf den Namen "Joseph Aloisius Ratzinger" getauft. Der Taufstein, an dem Joseph Ratzinger am Geburtstag getauft worden ist, befindet sich mittlerweile wieder in die Pfarrkirche. Obwohl er nur zwei Jahre seines Lebens in Marktl verbrachte, sagte Papst Benedikt bei einem Besuch einmal, dass er "hier so richtig ein Gefühl des Zuhause-Seins unter all den freundlichen und wohlgesonnenen Menschen" verspüre.

Der Passauer Stephansdom, die Mutterkirche des Donau-Laufs

Der Stephansdom in Passau ragt hoch über die Altstadt. Bei Hochwasser in der Stadt an den drei Flüssen Donau, Inn und Ilz wirkt die Kathedrale deshalb wie ein Fels in der Brandung. Bereits um das Jahr 450 ist eine Kirche in der spätantiken Stadt Batavis, dem heutigen Passau, bezeugt. Urkundlich erwähnt wird die Bischofskirche erstmals 730, und seit 739 ist sie die Kathedrale der Diözese. Geweiht ist der Dom dem heiligen Stephan, der der erste christliche Märtyrer war. Durch die Passauer Missionare wurden der christliche Glaube und die Verehrung des Heiligen bis nach Ungarn gebracht. Die Kathedralen in Linz, Wien und Budapest  sind Gründungen, die auf Passau zurückgehen. Dies alles ist gemeint, wenn vom Passauer Dom als Mutterkirche des Donau-Ostens gesprochen wird.

Insgesamt fünf Perioden können bis zum heutigen Baubestand der Domkirche unterschieden werden: Die erste Bischofskirche um 720, der frühgotische Dom, erbaut zwischen 1280 und 1325, der spätgotische Ostteil (1407-1560) und der barocke Neubau, errichtet zwischen 1668 und 1693. Der Stadtbrand von 1662 hat von den ersten vier Bauperioden nur noch wenig sichtbare Spuren hinterlassen. Bis heute erhalten ist im Außenbau der spätgotische Ostteil. Mit dem barocken Wiederaufbau wurde der italienische Meister Carlo Lurago beauftragt, der die Brandruinen in den Neubau integrierte. Es entstand schließlich die größte Barockkathedrale nördlich der Alpen.

Hochwasser herrscht am 03.06.2013 in Passau.
Hochwasser in Passau, Juni 2013.  picture alliance / dpa

Eine der größten Domorgeln

Mit 17774 Pfeifen und 233 Registern gilt die Orgel im Stephansdom als eine der größten Kirchenorgeln der Welt. Die Anlage mit ihren fünf Orgelwerken gilt als ein technisches Wunderwerk. Während die größte Orgelpfeife eine Länge von über elf Metern hat und 306 Kilo wiegt, ist die kleinste Pfeife gerade einmal sechs Millimeter lang. Diese Orgel ist auf die Akustik des Doms abgestimmt, der wegen der vielen Stuckaturen den Schall bricht.

Deutsch-ungarische Glaubensverbundenheit durch Stephan und Gisela

Zwischen dem Bistum Passau und den ungarischen Diözesen besteht eine große geistige Verbundenheit und Freundschaft. Diese ist auf den ungarischen Nationalheiligen König Stephan I., die selige Gisela und den heiligen Emmerich, den Sohn der beiden, zurückzuführen. Stephan (um 970-1038) und Gisela (um 985-1060) haben vor etwa 1000 Jahren eine Brücke zwischen Bayern und Ungarn geschlagen und damit zwei Welten zusammengeführt. Der ungarische Herzogssohn schuf zusammen mit der bayerischen Herzogstochter die Grundlagen des kirchlichen und staatlichen Lebens in Ungarn. 1000/1001 erhielt er von Papst Silvester II. die Königskrone und begründete das christliche Königreich Ungarn.

Gisela war eine der großen Frauengestalten der Welt- und Kirchengeschichte. Als erste christliche Königin Ungarns setzte sie sich für das christliche Leben in ihrem Land ein und brachte die christlich-abendländische Kultur in den Osten. Nach dem Tod ihres Mannes wurde sie aus Ungarn vertrieben und starb um das Jahr 1060 als Äbtissin des Klosters Niedernburg in Passau. Bereits kurz nach ihrem Tod setzte die Verehrung Giselas ein, welche bis heute nicht abgebrochen ist.

In Ungarn und den Nachbarländern gilt Gisela als eine Leitfigur der Völkerverständigung. Viele Besucher, vor allem aus Ungarn und Südosteuropa, besuchen ihr Grab im Kloster Niedernburg, wo in einem gläsernen Schrein, sichtbar und für die Gläubigen zugänglich, der Kopf und die Gebeine der Seligen ruhen. Weitere Reliquien der seligen Gisela befinden sich in der ungarischen Bischofsstadt Veszprem, dem ehemaligen Sitz der ungarischen Königin. Somit wird die enge Verbindung zwischen Passau und Ungarn auch symbolisch sichtbar. Zu Ehren der ungarischen Nationalheiligen und Passauer Seligen finden jedes Jahr die Gisela-Tage in Passau mit Festgottesdiensten und Vorträgen statt, zu denen auch Gäste aus Ungarn anreisen.

Die Bistumspatrone: Valentin, Maximilian, Bruder Konrad

Valentin war Bischof von Rätien, also der Schweiz, und wirkte wohl zwischen 430 und 450 in dem Gebiet zwischen Inn und Iller, am Brenner und der Donau. Historisch nachgewiesen ist eine Valentinskirche, die wohl von der Brennerhöhe nach Mais bei Meran verlegt wurde. Um das Jahr 764 wurden die Reliquien des Heiligen nach Passau in die Bischofskirche gebracht. Meist wird Valentin mit einem Behinderten oder Epileptiker zu seinen Füßen dargestellt, was möglicherweise mit dem Gleichklang seines Namens mit der "fallenden" Krankheit zu tun hat.

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Salesianer-Pater Stefan Oster als neuer Bischof von Passau vorgestellt  

Bis ins 19. Jahrhundert war das Fest des hl. Maximilians, des zweiten Bistumspatrons, ein hoher kirchlicher Feiertag im Bistum Passau. Die Verehrung war weitgehend auf das Bistum Passau und Österreich beschränkt. In Österreich zählt der hl. Maximilian zu den bedeutendsten Patronen des Landes, was darauf beruht, dass der österreichische Kaiser Friedrich III. (1415-1493) seinen Sohn auf den Namen Maximilian taufen ließ. Maximilian war ein mutiger Glaubensbote, der als Bischof von Lorch die Frohe Botschaft verkündete und der Legende nach am 12. Oktober 281 oder 284 den Märtyrertod starb.

Der dritte Patron des Bistums Passau ist der hl. Bruder Konrad von Parzham, der am 22. Dezember 1818 als Hans Birndorfer geboren wurde. Schon früh wurde die tiefe Frömmigkeit des "kleinen Hansis" sichtbar. 1849 meldete er sich bei dem Kapuzinerkloster St. Anna in Altötting, um Mönch zu werden. Bruder Konrad ist ein Musterbeispiel für christliche Nächstenliebe. Insgesamt 43 Jahre lang war er Pförtner des Klosters, am Ende von Krankheit und Alter schwer gezeichnet. Bruder Konrad starb am 18. April 1894 und ist in der Gnadenkapelle St. Maria begraben.

Wallfahrtskirche Mariahilf

Von dem Passauer Wallfahrtsort Mariahilf geht die gesamte Mariahilf-Verehrung in viele europäische Länder aus. Alles geht zurück auf das Jahr 1683: Während die Türken vor Wien stehen, bittet Kaiser Leopold I. von Österreich mit seiner Familie um die Fürsprache Marias vor der entscheidenden Schlacht am 12. September. Bei der Schlacht selbst trägt das christliche Heer das Banner der Gottesmutter voran und kann die Einnahme der Stadt durch die Türken verhindern. Das Mariahilf-Bild avancierte im Zuge dessen zum habsburgischen "Staatsgnadenbild". Es blieb der Ruf "Maria hilf", der im ganzen süddeutschen Sprachraum bekannt wurde und viele weitere Wallfahrtsorte entstehen ließ.

Zur Erinnerung an die Befreiung des Abendlandes machte Papst Innozenz XI. den 12. September noch im gleichen Jahr zum Festtag Mariä Namen für die ganze katholische Kirche. Der römische Kalender von 1970 strich dieses Fest, weil es als eine Verdoppelung des nur vier Tage zuvor zu feiernden Festes Mariä Geburt (8. September) empfunden wurde. In der deutschen Volksfrömmigkeit und vor allem bei den Passauern ist der 12. September jedoch fest im Kalender verankert: Neben dem Patroziniumsfest am 2. Juli ist der Festtag Mariä Namen ein großer Wallfahrtstag für die Drei-Flüsse-Stadt. Seit Ende des Zweiten Weltkriegs pilgerten Tausende nach Mariahilf, um Gott für die Verschonung der Stadt vor größerer Zerstörung und das Ende des Nationalsozialismus zu danken. Seit damals ist die Tradition der Stadtwallfahrt mit Lichterprozession, um ein aktuelles Anliegen zu der Gottesmutter Maria zu tragen, nicht abgerissen.

Bischöfe

  • Franz Xaver Eder (1984–2001) setzte sich vor allem für die pastorale Erneuerung der Diözese ein. Er setzte im Jahr 2000 den "Passauer Pastoralplan" in Kraft. Mit einzelnen diözesanen Projekten werden die pastorale und strukturelle Entwicklung im Bistum umgesetzt.
    Weitere wichtige Anliegen waren ihm die Stärkung der Familie und die Förderung der Laienbewegung.
  • Bischof Wilhelm Schraml (2001-2013) setze einen Schwerpunkt in der Familienpastoral. Zudem war ihm die Sorge um geistliche Berufe, um Priester, Diakone und Ordensleute wichtig.
    Als tiefstes Erlebnis seiner Amtszeit bezeichnete er den Besuch von Papst Benedikt XVI. in Altötting.
  • Bischof Stefan Oster
    Mit Stefan Oster ist wieder ein Ordensmann Bischof. Er trat 1995 in den Salesianerorden ein und wurde zuerst Professor für Philosophie und dann für Dogmatik. Er dozierte bis 2013 an der Hochschule des Ordens in Benediktbeuren und dann an anderen Fakultäten. Im April 2014 ernannte ihn Papst Franziskus zum Bischof von Passau.

In Kooperation mit dem Bonifatius-Verlag präsentiert katholisch.de in einer wöchentlichen Serie die deutschen Diözesen in Wort und Bild. Die Texte sind dem Buch "27 x katholisch. Die deutschen Bistümer im Porträt" entnommen, das im November 2014 im Bonifatius-Verlag erschienen ist und zu einer Reise durch das katholische Deutschland einladen will.

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