Marx gegen immer größere Pfarrverbände

Kirche vor Ort sei Sichtbarkeit - daher werde die Diskussion um die Zulassungsbedingungen zum Priesteramt weitergehen, meint Kardinal Reinhard Marx. Aber etwas ganz anderes habe oberste Priorität.

Kirche | Ebersberg - 19.03.2017

Kardinal Reinhard Marx hält nichts davon, Seelsorge in immer größeren Pfarrverbänden zu organisieren. Die Kirche vor Ort sei von außerordentlicher Bedeutung, betonte der Erzbischof von München und Freising am Wochenende in Ebersberg. "Wir würden viele Chancen vergeben, wenn wir uns von den territorialen Wurzeln zurückziehen." - Marx äußerte sich am Samstag bei der Vollversammlung des Diözesanrats der Katholiken in der Erzdiözese München und Freising, dem obersten Laiengremium im Erzbistum. Ihm gehören rund 200 Delegierten an.

Nach den Worten des Kardinals geht es um die "Sichtbarkeit vor Ort". Allerdings müsse diese unter den aktuell gegebenen Bedingungen organisiert werden. So werde die Diskussion um die Zulassungsbedingungen zum Priesteramt, etwa um die "viri probati" (verheiratete, bewährte Männer), weitergehen. Im vergangenen Jahr ist laut Marx ins Priesterseminar der Münchner Erzdiözese lediglich ein neuer Kandidat eingetreten.

Evangelisierung ja, "Rückeroberung" nein

Die Pastoral müsse an den vorhandenen Ressourcen und Charismen ausgerichtet werden, betonte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz. "Und da sagen Tausende: Mir ist es wert, mitzuwirken in der Arbeit der Gemeinde." Auf diese Berufungen gelte es den Blick zu richten. Am Montag will der Erzbischof ein Pilotprojekt der Öffentlichkeit vorstellen, mit dem alternative Modelle der Leitung von Pfarreien, auch durch Teams aus haupt- und ehrenamtlichen Laien, erprobt werden sollen.

Oberste Priorität habe für die Arbeit der Kirche nach Einschätzung der deutschen Bischöfe die Evangelisierung, so Marx. Diese sei aber nicht als "Rückeroberung" oder "Rekrutierung für die Kirche" zu verstehen. Evangelisierung bedeute, die ganze Welt, die Kultur der Menschen mit der Figur Jesu von Nazareth in Berührung zu bringen. Verfehlt sei, wenn die Pfarreien nur selbstbezogen die Frage stellten "Was wird aus uns?". Sie müssten vielmehr fragen: "Was wird aus der Welt, aus unserer Stadt, aus unserem Stadtviertel?" (KNA)

Linktipp: Lehmann: Frage nach Viri probati ist dringlich

Nach dem Papst-Interview mit der "Zeit" gibt es erste Reaktionen auf die mögliche Zulassung verheirateter Männer als Priester. Kardinal Lehmann kommentiert den Vorschlag von Franziskus. (Artikel von März 2017)

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