Marx: Wir trauern um einen Brückenbauer

Israels früherer Präsident Shimon Peres ist tot. Kardinal Reinhard Marx würdigte ihn als einen "Mann des Friedens". Unterdessen gibt es Verwirrung um eine Teilnahme des Papstes an der Beerdigung Peres'.

Israel | Bonn - 28.09.2016

Kardinal Reinhard Marx hat den früheren israelischen Staatspräsidenten Shimon Peres als einen "Mann des Friedens und der Verständigung" gewürdigt. "Mit dem Tod von Shimon Peres trauern wir um einen Brückenbauer für den Frieden im Nahen Osten", sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz am Mittwoch in Bonn.

Peres war am frühen Mittwochmorgen im Alter von 93 Jahren infolge eines Schlaganfalls verstorben, wie israelische Medien berichteten. Er war von 2007 bis 2014 Staatspräsident.

Peres habe für den Dialog zwischen verfeindeten Nationen gestanden, sagte Marx weiter. "Zurecht erhielt er den Friedensnobelpreis, auch wenn er sein Werk für den Frieden immer wieder mit neuer Gewalt konfrontiert sah." Der Kardinal erinnerte auch an das historische Zusammentreffen des Papstes mit Peres im Vatikan, wo beide gemeinsam mit dem Palästinenserpräsidenten Mahmoud Abbas und dem Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios I., für den Frieden beteten. "Mit Shimon Peres geht ein Weltbürger von uns, dem unser Land und die Kirche viel zu verdanken haben", so Marx.

Papst: Einsatz für den Frieden ehrt das Andenken Peres'

Auch Papst Franziskus würdigte Peres für dessen "unermüdlichen Einsatz für Frieden". In einem am Mittwoch verbreiteten Telegramm an Israels Staatspräsident Reuven Rivlin schrieb der Papst über Peres: "Ich hoffe, sein Andenken und seine vielen Jahre des Dienstes inspirieren uns alle, mit noch größerem Nachdruck für Frieden und Versöhnung zwischen Völkern zu arbeiten." Damit werde das Vermächtnis Peres' wahrhaft geehrt, so der Papst. Das Gemeinwohl, für das der frühere israelische Präsident "so sorgfältig gearbeitet" habe, werde so zu neuen Ausdrucksformen finden.

Weiter schrieb der Papst, er bete für die Familie Peres und bitte um "den göttlichen Segen des Trostes und der Stärke" für die israelische Nation. Medien hatten am Mittwochmorgen spekuliert, Franziskus werde zum Trauerakt für Peres nach Israel reisen. Dies dementierte der Vatikan unter Verweis auf die am Freitag beginnende Kaukasusreise des Papstes.

Vatikan: Papst nimmt nicht an Begräbnis teil

Unterdessen dementierte der Vatikan eine Teilnahme von Papst Franziskus an der Beerdigung des früheren Staatspräsidenten. Das Presseamt des Heiligen Stuhls verwies gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur auf die von Freitag bis Sonntag geplante Reise des Papstes nach Georgien und Aserbaidschan. Franziskus werde jedoch ein Beileidstelegramm zum Tod des 93-jährigen Staatsmanns senden.

Israelische und internationale Medien hatten berichtet, der Papst werde mit zahlreichen anderen prominenten Trauergästen zur Beisetzung von Peres nach Israel reisen. Der Staatsakt soll am Freitag in Jerusalem stattfinden. Zur Trauerfeier werden demnach Bundespräsident Joachim Gauck, US-Präsident Barack Obama, der französische Staatspräsident François Hollande und viele weitere Staats- und Regierungschefs aus aller Welt erwartet.

Israels Staatschef Schimon Peres und Palästinenserpräsident Mahmut Abbas geben sich die Hand.
Im Jahr 2014 setzten der damalige Staatschef Israels, Shimon Peres, und Palästinenserpräsident Mahmut Abbas auf Einladung von Papst Franziskus im Vatikan ein Zeichen für den Frieden.
 KNA

Der Zentralrat der Juden in Deutschland würdigte Peres als "Vorkämpfer für den Frieden" gewürdigt. "Sein legendärer Satz, dass es keine Alternative zum Frieden gibt, wird immer seine Gültigkeit behalten", erklärte Zentralrats-Präsident Josef Schuster am Mittwoch in Berlin. "Shimon Peres gehört zu den bedeutendsten Persönlichkeiten der israelischen Geschichte." Sein Tod sei nicht nur für die jüdische Welt ein "herber Verlust", viele Menschen hätten ein Vorbild verloren, so Schuster.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) betonte die herausragende Persönlichkeit Peres'. "Die Welt hat einen großen Staatsmann, Israel einen seiner Gründungsväter und Deutschland einen hoch geschätzten Freund und Partner verloren", teilte er auf der Seite des Auswärtigen Amtes mit. "Seine Verdienste um Israel, das Land der Überlebenden, das er mitaufgebaut und über lange Jahrzehnte mit Wort und Tat geprägt hat, lassen sich kaum ermessen."

US-Präsident Barack Obama nannte Peres einen "Kämpfer für Israel" und den Frieden im Nahen Osten. "Als Amerikaner stehen wir in seiner Schuld", sagte Obama in einer Stellungnahme am Mittwochabend (Ortszeit). "Keiner hat über die Jahre hinweg mehr dafür getan als Schimon Peres, die Allianz zwischen unseren beiden Ländern aufzubauen - eine unzerbrechliche Allianz, die heute enger und stärker ist, als sie jemals war."

Beharrliches Streben nach Frieden

Peres hatte sich trotz seines hohen Alters bis zuletzt unvermindert für eine Verständigung zwischen Israelis und Arabern eingesetzt, unter anderem mit seinem "Peres Center for Peace" in Tel Aviv. Er hatte nie die Hoffnung auf eine friedliche Lösung im Nahost-Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern aufgegeben. Wohl durch sein beharrliches Streben nach Frieden war er zudem einer der wenigen israelischen Politiker, der im Ausland beliebt war. Peres äußerte sich auch als Staatspräsident immer wieder sehr politisch - ungewöhnlich für dieses Amt.

Peres wurde 1923 als Sohn eines Holzhändlers im damaligen Ost-Polen geboren und wanderte 1934 ins damalige Palästina ein. Der 93-Jährige hatte schon länger gesundheitliche Probleme. Zu Jahresbeginn hatte Peres bereits einen Herzinfarkt erlitten. Anfang September war ihm ein Herzschrittmacher eingesetzt worden. Vor zwei Wochen hatte Peres einen Schlaganfall erlitten und lag zuletzt in Narkose. (kim/dpa/KNA)

28.09., 9:53 Uhr: Dementi des Vatikan zur Teilnahme des Papstes an der Beerdigung ergänzt
28.09., 10:50 Uhr: Würdigung des Zentralrats der Juden ergänzt
28.09., 15:00 Uhr: Ergänzt um Beileidstelegramm des Papstes

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