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Mehr Fantasie wagen

Die deutschen Bischöfe haben ihre Reformvorschläge für den Umgang der katholischen Kirche mit wiederverheirateten Geschiedenen bereits mit Kardinal Gerhard Ludwig Müller in Rom diskutiert. Dies berichtete der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Kardinal Reinhard Marx, am Freitag in Magdeburg, wo er an der vierten bundesweiten Gesprächsrunde zum Dialog in der katholischen Kirche teilnimmt, die noch bis morgen tagt.

Gesprächsprozess | Magdeburg - 12.09.2014

Die deutschen Bischöfe haben ihre Reformvorschläge für den Umgang der katholischen Kirche mit wiederverheirateten Geschiedenen bereits mit Kardinal Gerhard Ludwig Müller in Rom diskutiert. Dies berichtete der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Kardinal Reinhard Marx, am Freitag in Magdeburg, wo er an der vierten bundesweiten Gesprächsrunde zum Dialog in der katholischen Kirche teilnimmt, die noch bis morgen tagt.

Das Gespräch mit Müller habe "in der Sommerpause in Rom" stattgefunden, berichtete Marx. Es sei in guter Atmosphäre verlaufen, Ergebnisse habe man nicht festgehalten. Die Delegation sei unter Führung des Osnabrücker Bischofs Franz-Josef Bode nach Rom gereist. Es habe sich dabei um die von der Bischofskonferenz eingesetzte Arbeitsgruppe zum Thema gehandelt, so Marx weiter.

Müller ist als Präfekt der römischen Glaubenskongregation für die Bewahrung und Fortentwicklung der katholischen Lehre zuständig. In den vergangenen Monaten hatte er sich mehrere Male strikt dagegen ausgesprochen , die kirchliche Lehre von der Unauflöslichkeit der Ehe durch neue Lösungen für wiederverheiratete Geschiedene infrage zu stellen.

Bischöfe sind mehrheitlich auf der Linie Kardinal Kaspers

Laut Kardinal Marx wolle die Mehrheit der Bischofskonferenz mit Blick auf den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen "in eine Richtung gehen, wie sie Kardinal Walter Kasper vorgeschlagen hat". Kasper hatte beim Kardinalskonsistorium im Frühjahr für einen Weg der "Barmherzigkeit" gegenüber Menschen geworben, die nach einer gescheiterten Ehe eine zweite Zivilehe eingehen. Einen entsprechend abgestimmten Text der Bischöfe werde er in die Weltbischofssynode einbringen, die im kommenden Monat in Rom zusammentritt. Marx ist als Vorsitzender der Bischofskonferenz einer der rund 200 stimmberechtigten Teilnehmer der Synode. Das Thema der wiederverheirateten Geschiedenen hält Marx für wichtig: Es werde nicht nur in Deutschland diskutiert, sondern in fast allen Bischofskonferenzen in Europa, betonte er.

Das Auftaktstatement von Kardinal Reinhard Marx

In seiner Begrüßung zum Auftakt des Treffens in Magdeburg, das unter dem Motto "Ich bin eine Mission" steht, hatte der Kardinal zuvor dazu aufgerufen, den gesellschaftlichen Pluralismus positiv anzunehmen. "Wir können uns die säkulare Welt Gott sei Dank nicht wegwünschen", sagte Marx. Die Kirche stehe vor der Aufgabe, ihre Qualität zu verbessern, um missionarisch erfolgreich zu sein. "Die Verantwortlichen vor Ort sollten Fantasie aufbringen, um die Menschen mit Gott in Kontakt zu bringen."

Offen für eine Liberalisierung des kirchlichen Arbeitsrechts

Die deutschen Bischöfe seien außerdem für eine Liberalisierung des kirchlichen Arbeitsrechts offen, berichtete Marx. "Wir haben einmütig in der Bischofskonferenz festgehalten, dass die differenzierte Wahrnehmung der Lebenssituationen wichtig ist", sagte der Kardinal. Bereits jetzt gebe es "keinen Kündigungsautomatismus" für kirchliche Mitarbeiter, wenn sie etwa in homosexuellen Partnerschaften oder in einer zweiten Zivilehe lebten.

Vor den anwesenden Journalisten reagierte Marx gelassen auf die Beobachtung, dass das Dialogforum in den säkularen Medien kaum wahrgenommen wird. Er verwies darauf, dass sich die binnenkirchliche Gesprächskultur durch das Forum verbessert habe. "Wir können nicht missionarisch Kirche sein, wenn wir nicht auch innerhalb der Kirche einen offenen, kritischen Dialog pflegen", so Marx. Es sei ein mediales "Zerrbild", dass es nur leere Kirchen gebe. Zugleich warnte er: "Wir dürfen nicht glauben, die Evangelisierung schon in der Tasche zu haben, wenn wir ein paar positive Schlagzeilen haben." (som/KNA)

Stichwort: Gesprächsprozess

Der Gesprächsprozess ist eine auf fünf Jahre angelegte Gesprächsreihe zur Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland. Die Initiative dazu ging im September 2010 von Erzbischof Robert Zollitsch aus, damals Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Ein Ziel war, nach dem wenige Monate zuvor bekannt gewordenen Missbrauchsskandal verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen. Der Prozess soll 2015 enden - in Erinnerung an das Ende des Zweiten Vatikanischen Konzils vor 50 Jahren. Neben den einzelnen Dialogveranstaltungen, die seit 2011 stattfinden, stellen die Bischöfe jedes Jahr unter ein eigenes Thema. Für 2012 war das "Diakonia: Unsere Verantwortung in der freien Gesellschaft", 2013 "Liturgia: Die Verehrung Gottes heute"; im laufenden Jahr geht es um "Martyria: Den Glauben bezeugen in der Welt von heute". Neben den Gesprächsforen nahmen eine Reihe großer Konferenzen und Veranstaltungen Bezug auf den Gesprächsprozess. Dazu zählten ein nationaler Eucharistischer Kongress 2013 in Köln sowie die beiden Katholikentage 2012 in Mannheim und 2014 in Regensburg. Zusätzlich richteten die Bischofskonferenz und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) zwei Arbeitsgruppen ein, die sich mit dem "Zusammenwirken von Priestern und Laien in der Kirche" sowie der "Präsenz der Kirche in Gesellschaft und Staat" befassen. Auch auf Ebene des ZdK, der Bistümer und Verbände gibt es Initiativen. (som/KNA)

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